Wenn Jugendämter scheitern

Zum Umgang mit Fehlern im Kinderschutz

In Organisationen der Kinderschutzarbeit können latente Fehler schwere Folgen nach sich ziehen, wenn sie nicht rechtzeitig wahrgenommen werden. Erstmals im deutschsprachigen Raum geht diese Studie deshalb der Frage nach, welche Auswirkungen die im Kinderschutz immer wichtiger werdenden und dem Sicherheitsprimat unterliegenden Fehlerdiskussionen und -konzepte auf die organisationale Praxis der Kinderschutzeinrichtungen haben. Auf Grundlage einer qualitativen Evaluationsstudie zeigt Kay Biesel, wie die Jugendämter der Städte Schwerin und Dormagen mit ihren Fehlern im Kinderschutz umgehen.

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2011-09-05, 336 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1892-1

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Kay Biesel

Kay Biesel, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, Muttenz bei Basel, Schweiz

... mit Kay Biesel

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Weil es ein Buch ist, in dem der professionelle und organisationale Umgang mit Fehlern im Kinderschutz erstmalig in Deutschland sozial- und organisationswissenschaftlich untersucht wird. Es verdeutlicht das Problem, vor dem wir im Kinderschutz stehen, wenn wir den Versuch wagen, uns konstruktiv mit unseren, aber auch mit den Fehlern der anderen auseinandersetzen. Fehler sind in unserer Gesellschaft negativ konnotiert. Fehler macht niemand gerne und wenn: Dann möchte man zumindest die Chance dazu haben, seine Fehler in aller Heimlichkeit selbst zu erkennen und zu korrigieren. Fehler sind schmerzhaft. Sie verletzten uns und andere. Aus diesem Grund müssen die Jugendämter und ihre Kooperationspartner lernen, miteinander achtsam, fehleroffen und zuverlässig zusammenzuarbeiten.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Buch gibt Anstöße für einen anderen Umgang mit Fehlern im Kinderschutz, die ja zumeist komplexer, ›hybrider‹ Natur sind. Man muss sich nämlich immer wieder vor Augen führen, dass schwerwiegende Fehler im Kinderschutz in aller Regel nicht einer einzelnen Fachkraft allein zugeschrieben werden können. Wenn ein gefährdetes Kind zu Schaden kommt oder sogar stirbt, sind zuvor oftmals viele kleine Fehler passiert, ist es beispielsweise nicht gelungen – aus welchen Gründen auch immer – mit den Eltern und dem ganzen sozialen Umfeld fair, solidarisch und fachlich kompetent zusammenzuarbeiten. Im Kinderschutz kommt es insofern auf eine reflexive Kommunikationskultur der Fehleroffenheit, auf eine Bürokratismus überwindende Achtsamkeit und auf die professionelle Gestaltung von demokratischen und bürgernahen Orten der Partizipation sowie der gegenseitigen Anerkennung an.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Eine große Bedeutung. Das Thema wurde von der Profession Sozialer Arbeit bislang eher randständig behandelt. Mit der von mir durchgeführten Studie konnte ich zeigen, welche sozio-kulturellen, organisationalen und professionellen Einstellungen zur Fehlerproblematik im Kinderschutz eine Rolle spielen, wie Fach- und Leitungskräfte mit auftretenden Fehlern in Hilfeprozessen umgehen, wie sie aus Fehlern lernen, diese ausblenden, negieren oder nicht zur Sprache bringen und wie sie sich organisationell auf die Möglichkeit von professionellen und organisationalen Fehlern einstellen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit all jenen, die sich maßgeblich für eine Kultur des Hinsehens im Kinderschutz engagiert und sich kritisch über die Fehler der Fachkräfte aus den Jugendämtern in den Medien und in der Öffentlichkeit geäußert haben, ohne dabei die gegenwärtigen sozio-kulturellen und professionellen Ausgangsbedingungen in einer zunehmend verunsicherten Sicherheitsgesellschaft mitzubedenken.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wenn Jugendämter im Kinderschutz scheitern, ist die öffentliche Empörung groß. Wie gerechtfertigt sie ist, sollte jedoch vor dem Hintergrund sich wandelnder gesellschaftlicher Sicherheitsvorstellungen und auf Grundlage aktueller risiko- und fehlertheoretischer Erkenntnisse immer wieder kritisch reflektiert werden.

»Eine empirisch tragfähige und theoretisch fundierte Pilotstudie [...], welche die Praxis nachhaltig beeinflussen und darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Fragen in Bezug auf den Umgang mit Fehlern in anderen professionellen Feldern stimulieren kann.«
Sabrina Göbel, Erziehungswissenschaftliche Revue, 11 (2012)
»Das öffentliche Nachdenken über die Jugendämter und deren Rolle, Wertschätzung, Ausstattung muss ein anderes Niveau erreichen. Dafür ist Kay Biesels Studie ein guter Beweis.«
Caroline Fetscher, Der Tagesspiegel, 21.05.2012
»Dieses Buch ist eine wichtige und sehr hilfreiche Grundlage für alle Professionellen, Leitungs- und Führungskräfte in der Sozialen Arbeit, vor allem aber im Tätigkeitsbereich der Jugendämter und der Allgemeinen Sozialen Dienste. Es eröffnet die Möglichkeit, sich dem Phänomen ›Fehlverhalten‹ mit seinen personalen und organisationalen Bedingungen in einer konstruktiven Ausrichtung zu nähern, sich mit ihm auseinander zu setzen und ein offenes Fehlermanagement zu entwickeln.«
Doris Scherer-Ohnemüller, www.socialnet.de, 02.01.2012
Besprochen in:

Forum für Kinder- und Jugendarbeit, 4 (2011), Manuel Essberger
Sozial Extra, 7/8 (2012), Jessica Fernandez Martinez
Monatszeitschrift des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommern e.V., 7 (2012)
www.lehrerbibliothek.de, 7 (2012), Dieter Bach
Soziale Arbeit, 2 (2013)
Autor_in(nen)
Kay Biesel
Buchtitel
Wenn Jugendämter scheitern Zum Umgang mit Fehlern im Kinderschutz
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
336
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1892-1
DOI
Warengruppe
1578
BIC-Code
JKSN JFSP2 JPP
BISAC-Code
SOC025000 SOC026000 POL017000
THEMA-Code
JKSN JBSP2 JPP
Erscheinungsdatum
2011-09-05
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Familie
Adressaten
Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Soziologie
Schlagworte
Soziale Arbeit, Kinderschutz, Jugendamt, Professionalisierung, Qualitäts- und Fehlermanagement, Familie, Gesellschaft, Sozialarbeit, Jugend, Verwaltung, Sozialpädagogik, Pädagogik

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