Japanizität aus dem Geist der europäischen Romantik

Der interkulturelle Vermittler Mori Ogai und die Reorganisierung des japanischen ›Selbstbildes‹ in der Weltgesellschaft um 1900

Seit der Öffnung des Landes in der Mitte des 19. Jahrhunderts bewegte sich Japan rasant auf dem Weg zur industrialisierten Weltmacht. Das dort seit den 1890er Jahren durch Mori Ogai aus Europa ›eingeführte‹ romantische Syndrom jedoch verzauberte insbesondere die jungen Intellektuellen und trieb sie zur Suche nach der japanischen kulturellen Identität an. Ziel war es, nach innen die gesamte Bevölkerung zu integrieren und nach außen das Land vom »Westen« unterscheidbar zu machen – und zwar paradoxerweise im Geist der europäischen Romantik. Takemitsu Morikawa geht diesen bemerkenswerten Entwicklungen auf den Grund und zeichnet die Entstehung und die Kanonisierung des vermeintlichen Selbstbildes des modernen Japan nach.

38,80 € *

2013-03-05, 322 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1893-8

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Takemitsu Morikawa

Takemitsu Morikawa, Universität Luzern, Schweiz

... mit Takemitsu Morikawa

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Wenn dieses Buch dem deutschen Leser originell scheint, liegt es vor allem an der Sprachbarriere – nämlich deshalb, weil ich mich auf sehr viel japanische Literatur, die für ihn aus sprachlichen Gründen nicht zugänglich ist, bezogen habe. Außerdem gibt es nicht viele japanische Wissenschaftler, die auf Deutsch Bücher schreiben wollen bzw. können. Meine Sichtweise könnte der deutsche Leser womöglich für einzigartig halten.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es ist nicht einfach als Asiate – anders aussehender Ausländer – in Europa zu leben. Ich muss hier immer hören: ›Sie kommen aus Japan? Es hat eine ganz andere Kultur!‹ Mein Buch ist eine Kritik an solch naiven Umgang mit der ›Kultur‹. Die kulturelle Grenze ist ein soziales Konstrukt der Moderne wie die moderne Gendergrenze. ›Asien‹ ist Fremdbezeichnung, nicht Selbstbezeichnung. Diese Tatsache gerät oft außer Sicht.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Man sagt oft, dass es kein Zentrum mehr in der modernen Weltgesellschaft gibt. Zwar repräsentiert kein Funktionssystem mehr das Ganze, aber ich finde die Kategorie von Zentrum und Peripherie immer noch brauchbar. Standorte der Wissensproduktion sind auf dem Globus ungleich verteilt. Das Zentrum hat die Deutungshoheit, produziert und verbreitet verschiedene Formen von Semantiken – die Kategorie der ›nationalen‹ Kultur gehört auch dazu.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

In den letzten 15 Jahren hat sich der Nationalismus in Japan sehr verstärkt, so dass die Skepsis gegenüber den universellen Werten wie Grundrechten und Demokratie wächst, weil sie als ›westlich‹ betrachtet werden. Die kulturelle Grenze zwischen ›Westlichem‹ und ›Japanischem‹ – sogar die Kategorie der Kultur – ist aber auch das moderne Produkt. Ich würde den japanischen Nationalisten sagen, dass sie im Bannkreis der westlichen Moderne bleiben, wenn und sofern sie von dieser Grenze ausgehen. Alle Grenzziehungen sind willkürlich.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es würde mich freuen, wenn der Leser meine oben angedeutete bittere Befindlichkeit zu meiner Kasseler Zeit zwischen den Zeilen wiedererkennen kann.

»Ein überaus aufschlussreiches und gut strukturiertes Werk [...], das dank intensiver Recherche und Quellenanalyse fundierte Einblicke in die Rezeptionsgeschichte von Ogai [...] bietet.
Das vorliegende Buch [kann man] auch Soziologen und Literaturwissenschaftlern empfehlen, die sich mit der Bildung von kollektivem Gedächtnis und dem Prozess der Kanonisierung beschäftigen. Darüberhinaus ist es für Japanologen lesenswert, die sich mit dem kulturellen Umbruch Japans in der Meiji-Zeit und dessen heutiger Interpretation beschäftigen.«
Timo Thelen, http://djas.uni-duesseldorf.de, 5 (2014)
Autor_in(nen)
Takemitsu Morikawa
Buchtitel
Japanizität aus dem Geist der europäischen Romantik Der interkulturelle Vermittler Mori Ogai und die Reorganisierung des japanischen ›Selbstbildes‹ in der Weltgesellschaft um 1900
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
322
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1893-8
DOI
10.14361/transcript.9783839418932
Warengruppe
1562
BIC-Code
DSB JFC
BISAC-Code
LIT000000 SOC022000
THEMA-Code
DSB JBCC
Erscheinungsdatum
2013-03-05
Auflage
1
Themen
Kultur, Literatur
Adressaten
Kulturwissenschaften, Literaturwissenschaften, Japanologie
Schlagworte
Japan, Nationale Identität, Kulturelles Gedächtnis, Romantik, Mori Ogai, Literatur, Kultur, Allgemeine Literaturwissenschaft, Interkulturalität, Kulturgeschichte, Literaturwissenschaft

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung