Ein weißer Fleck in Europa ...

Die Imagination der Belarus als Kontaktzone zwischen Ost und West
(unter Mitarbeit von Albert Weber)

Weißrussische Historiker_innen stehen vor dem Dilemma, dass ihr Land im Laufe seiner Entwicklung immer Bestandteil übergeordneter Herrschaftsverbände war. Während die Nationalhistoriker eine kulturelle Verortung im Westen anstreben und den Mythos eines »Goldenen Mittelalters« pflegen, betreiben die Hofhistoriker nach wie vor eine russophile Geschichtsdeutung, die im Mythos der sowjetischen »Partisanenrepublik« gipfelt.

Im Unterschied dazu fokussiert dieser Band nicht auf Staat und Nation, sondern auf die Bevölkerung und das Territorium. Damit eröffnet sich eine neue Perspektive auf die Geschichte der Belarus, verstanden als eine Welt der orthodoxen Bauern und jüdischen Händler, die von der Konstituierung der Adelsrepublik in Polen-Litauen im 16. Jahrhundert bis zur Zwangskollektivierung der Landwirtschaft und dem Holocaust in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dauerte.

Der Band versammelt populärwissenschaftliche Essays von Historikern, Slavisten und Journalisten und schließt durch seine innovative Perspektive einen weißen Fleck in der Forschungslandschaft.

29,80 € *

2011-08-22, 270 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1897-6

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Thomas M. Bohn

Thomas M. Bohn, Justus-Liebig-Universität Gießen, Deutschland

Victor Shadurski

Victor Shadurski, Weißrussische Staatsuniversität Minsk, Deutschland

... mit Thomas M. Bohn

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Die stillen Proteste auf den Straßen der weißrussischen Städte sind als erste Anzeichen politischer Veränderungen in der ›letzten Diktatur Europas‹ zu deuten. Über kurze und gut lesbare Essays bietet der Sammelband einen Einblick in die Kultur und Geschichte eines wenig bekannten Landes am Rande der Europäischen Union, der in dieser Form sonst nicht zu finden ist.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Im Hinblick auf die Tatsache, dass Weißrussland im Laufe seiner Geschichte immer ein Bestandteil größerer Herrschaftsverbände gewesen ist, wird die Republik Belarus als eine Schöpfung begriffen, die aus dem Untergang der Sowjetunion resultiert und sich noch auf der Suche nach der eigenen Identität befindet. Eine Legitimierung durch die Anknüpfung an das Erbe bürgerlicher Tugenden, das mit dem Prozess der Nationsbildung am Anfang des 20. Jahrhunderts verbunden ist, steht noch aus.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Osteuropaforschung hat durch die Erweiterung der Europäischen Union eine Ausdifferenzierung erfahren, infolge derer die Staaten Ostmittel- und Südosteuropas an Relevanz gewannen. Während Russland auf den mentalen Landkarten immer weiter in den Osten zu rücken scheint, verlieren Wissenschaft und Politik fatalerweise das Interesse an den Staaten dazwischen, nämlich an Weißrussland und der Ukraine.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit der Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch, die in ihren Interviewprojekten zu den Erfahrungen von Frauen in der Roten Armee während des Zweiten Weltkrieges oder über das Schicksal von Tschernobyl-Opfern das Leiden einfacher Menschen im 20. Jahrhundert eindringlich dokumentiert hat.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Belarus ist ein Konstrukt, dessen Essenz sich in den Erfahrungen weißrussischer Bauern und jüdischer Händler widerspiegelt. Diese Lebenswelt ist durch den Holocaust und durch die forcierte Industrialisierung zerstört worden.

»[Die Herausgeber] präsentieren einen multiperspektivisch und transdisziplinär angelegten (und somit im deutschen Sprachraum bislang einzigartigen) Sammelband zu aktuellen Forschungsfragen zu Belarus.
Darüber hinaus werden bisher kaum beachtete Themenfelder erschlossen.
Der Band eignet sich sowohl für den Einstieg in die belarussische Problematik als auch für die Vertiefung einzelner Fragen.«
Konrad Hierasimowicz, Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung, 64/2 (2015)
»Den Autoren des Sammelbandes ist es vorbildlich gelungen, den oft negativen Berichten über Belarus kompetente, sachliche und zugleich optimistisch stimmende Beiträge gegenüberzustellen.
Eva Mader, Jahrbücher für die Geschichte Osteuropas, 4 (2014)
Besprochen in:

Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2011, Achim Engelberg
Das Historisch-Politische Buch, 60/2 (2012), Jürgen W. Schmidt
Autor_in(nen)
Thomas M. Bohn / Victor Shadurski (Hg.)
Buchtitel
Ein weißer Fleck in Europa ... Die Imagination der Belarus als Kontaktzone zwischen Ost und West
(unter Mitarbeit von Albert Weber)
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
270
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1897-6
DOI
10.14361/transcript.9783839418970
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD HBTB DSB
BISAC-Code
HIS010010 HIS054000 LIT004110
THEMA-Code
NHD NHTB DSB
Erscheinungsdatum
2011-08-22
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte, Europa
Adressaten
Geschichte, Sprachwissenschaft, Osteuropakunde, aber auch Journalisten, Politiker und zivilgesellschaftliche Initiativen
Schlagworte
Belarus, Weißrussland, Holocaust, Partisanen, Tschernobyl, Lukaschenko, Europa, Kulturgeschichte, Osteuropäische Geschichte, Slavistik, Kulturanthropologie, Geschichtswissenschaft

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