Depression und Gesellschaft

Zur Erfindung einer Volkskrankheit

Wie und warum wurde Depression zur Volkskrankheit? Vor dem Hintergrund einer Ideengeschichte von Melancholie und Depression entwickelt Konstantin Ingenkamp dazu eine eigene, kulturwissenschaftlich informierte Perspektive, die sich sowohl gegen die immer stärkere Pathologisierung als auch gegen die verbreitete These wendet, dass psychische Erkrankungen immer weiter zunehmen.

Stattdessen wird Depression als ein zur Conditio humana gehörender Gemütszustand beleuchtet, der sich als Kehrseite des »Positiven Denkens« in den protestantischen Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts ebenso wiederfinden lässt wie als Gegenbegriff zur »mentalen Gesundheit« während des Kalten Krieges. Erst mit dem Boom der Psychopharmaka in der zeitgenössischen »Gesundheitsgesellschaft«, so zeigt der Autor, wird die Depression zur Volkskrankheit.

29,80 € *

2012-01-27, 370 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1930-0

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Konstantin Ingenkamp

Konstantin Ingenkamp, Selbsthilfekontaktstelle Berlin Friedrichshain-Kreuzberg, Deutschland

... mit Konstantin Ingenkamp

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Weil es zeigt, dass die Volkskrankheit Depression im Sinne einer therapeutischen Erzählung zur Patienten-, Klienten- etc. Gewinnung und Gewinnmaximierung konstruiert ist – und nicht nur eine Reaktion auf den ›neuen Geist des Kapitalismus‹ bzw. auf eine zunehmend eingeforderte Authentizität, Flexibilität und Erreichbarkeit in der ›Kontrollgesellschaft‹.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Einen neuen Blick auf die Geschichte der therapeutischen Kultur des ›Positiven Denkens‹, verstanden als psychotherapeutische oder neurochemische Manipulation, und der (psychotherapeutischen) Selbsthilfe.

3.Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?

Jeder kennt die Diskussion darüber, ob psychische Krankheiten zunehmen und ob die Gesellschaft (psychisch) krank macht. Die Antwort: Nein.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?

Die kritische Betrachtung der Ideologie des ›Positiven Denkens‹ und ihrer Auswirkungen.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Anna Karenina und Ulrich Hegerl (Vorstandsvorsitzender Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.).

6. Ihr Buch in einem Satz:

Die heutige Gesellschaft macht insofern depressiv, als dass sie ein stark akzeptiertes Identifikationssystem, die therapeutische Erzählung, für eine zur ›conditio humana‹ gehörende Befindlichkeit anbietet: eben die auf die Geschichte des ›Positiven Denkens‹ und die Entwicklung stimmungsaufhellender neurochemischer Wirkstoffe zurückzuführende therapeutische Erzählung der Depression.

»Depressionen nehmen zu. Und sind die Folge eines modernen Lebens, das immer weniger auf Disziplin und Gehorsam und immer mehr auf Eigeninitiative und Entscheidung beruht.
Statt gegenseitigen Krankredens [in Selbsthilfegruppen] empfiehlt Ingenkamp eine ›Wiederentdeckung der ermöglichenden, schöpferischen Melancholie‹.«
Kirstin Breitenfellner, Falter Wien, 33 (2012)
Besprochen in:
deprilibri.fx7.de, 2 (2012)
sonntaz, 03./04.03.2012, Tania Martini
Clio, 74 (2012)
Konkret, 37 (2012), Tjark Kunstreich
FSK Hamburg, Archive & Augenzeugen, 05.01.2013
taz, 10.12.2013, Aram Lintzel
Soziale Psychiatrie, 2 (2018), Jürgen Karres
Autor_in(nen)
Konstantin Ingenkamp
Buchtitel
Depression und Gesellschaft Zur Erfindung einer Volkskrankheit
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
370
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1930-0
DOI
10.14361/transcript.9783839419304
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFH MBS MBX PDX
BISAC-Code
SOC057000 MED051000 SCI034000
THEMA-Code
JBFN MBS MBX PDX
Erscheinungsdatum
2012-01-27
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Medizin, Zeitdiagnose
Adressaten
Soziologie, Psychologie, Medizin, Wissenschaftsgeschichte, Kulturwissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Depression, Gesundheitsgesellschaft, Therapie, Psychopharmaka, Melancholie, Pathologisierung, Gesellschaft, Medizin, Medizinsoziologie, Medizingeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Kulturwissenschaft, Soziologie

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung