Medikalisierte Hoffnung?

Eine ethnographische Studie zur reproduktionsmedizinischen Praxis

In Deutschland begeben sich immer mehr Paare mit unerfülltem Kinderwunsch in medizinische Behandlung. In einer ethnographischen Fallstudie untersucht Charlotte Ullrich auf Grundlage von teilnehmender Beobachtung, qualitativen Interviews und Dokumenten die Behandlungspraxis einer reproduktions- und einer alternativmedizinischen Klinik – und zeichnet nach, wie der Kinderwunsch im Therapieverlauf in ein medizinisches Problem transformiert wird.

Dimensionen der Analyse sind: Positionierungen und Strategien des medizinischen Personals und der Paare, organisatorische Abläufe und der Einsatz von Technik. Gleichzeitig wird aufgezeigt, wie Tendenzen der Medikalisierung in den gesellschaftlichen Kontext und die Lebenswelt der Paare eingebettet sind.

33,80 € *

2012-08-02, 356 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2048-1

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Charlotte Ullrich

Charlotte Ullrich, Hochschule Osnabrück, Deutschland

... mit Charlotte Ullrich

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Weil sich immer mehr Paare für eine Kinderwunschbehandlung entscheiden. Allein in Deutschland sind seit 1996 rund 160.000 Kinder nach reproduktionsmedizinischer Behandlung geboren worden. Diesem Absatzerfolg steht eine mit unter 20 Prozent eher geringe ›Baby-take-home‹-Rate gegenüber. Wie andere biomedizinische Technologien auch fordert die Reproduktionsmedizin nicht nur die einzelnen Paare, sondern auch die Gesellschaft heraus. Dies bedarf einer sozialwissenschaftlichen Auseinandersetzung.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Buch eröffnet einen Blick auf die Komplexitäten und Ungleichzeitigkeiten von Medikalisierungsprozessen. Mit medizin-, technik- und körpersoziologischen Ansätzen wird eine soziologische Perspektive auf die Reproduktionsmedizin starkgemacht. Die Transformation des unerfüllten Kinderwunsches in ein medizinisches Problem wird dabei sowohl hinsichtlich der Selbstkonzepte, Deutungsmuster und Handlungsstrategien der zentralen Akteure untersucht, wie auch hinsichtlich der Logiken und Mechanismen des Behandlungsablaufs.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Während eine Vielzahl von Studien über biomedizinische Diskurse und Wissensbestände vorliegt, ist es in großen Teilen eine offene empirische Frage, wie diese – auch vermittelt in der und durch die Behandlungspraxis – in der Lebenswelt ankommen. Mit der Anlage als ethnographische Fallstudie bildet das Buch einen Beitrag zur Schließung dieser Forschungslücke. Es untersucht dabei Veränderungen in der Arzt-Patient-Beziehung, dem Krankheits- und Gesundheitsverständnis und dem Umgang mit medizinischen Machbarkeiten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Das Buch versteht sich als ein soziologischer Beitrag zu einer Debatte, die die biomedizinische Forschung und Praxis kritisch begleitet. So wendet es sich an alle, die fragen, was es bedeutet, wenn biomedizinische Angebote zunehmend nachgefragt werden. Spannend wäre eine Diskussion mit Personen, die den Erfolg der Reproduktionsmedizin anders erklären – wie zum Beispiel allein als Interessensdurchsetzung der Medizin oder Antwort auf die Nachfrage von Paaren mit einem ›übertriebenen Kinderwunsch‹.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch untersucht, was passiert, wenn ein Paar sich für eine medizinische Behandlung seines Kinderwunsches entscheidet, und eröffnet einen neuen Blick auf Medikalisierungsprozesse.

»In ihrer Heransgehensweise einer ethnographischen Studie liefert [Charlotte Ullrich] einen explorativen Beitrag zur Erforschung der Herstellung medizinischer Zuständigkeit für ungewollte Kinderlosigkeit. Damit schließt sie nicht nur eine Forschungslücke, sondern schafft mit ihrer umfassenden Analyse ein reiches Fundament für anknüpfende Forschungsfragen.«
Laura Wolf, Zeitschrift für Sexualforschung, 27 (2014)
»Charlotte Ullrich gewährt einen detaillierten soziologischen Einblick in die gegenwärtige Situation reproduktionsmedizinischer Behandlungen in Deutschland.
Sven Bergmann, Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW, 34 (2014)
»Eine interessante Lektüre für alle, die sich für die Rollen und Wechselbeziehungen von Medizin/MedizinerInnen, Krankheit/Gesundheit, Paaren und/oder Familien(gründung) interessieren.« Paula Wiesemann, BDS-Newsletter, 1 (2014)
Besprochen in:

www.lehrerbibliothek.de, 1 (2013), Dieter Bach
Clio, 76 (2013)
Autor_in(nen)
Charlotte Ullrich
Buchtitel
Medikalisierte Hoffnung? Eine ethnographische Studie zur reproduktionsmedizinischen Praxis
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
356
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-2048-1
DOI
10.14361/transcript.9783839420485
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFH MBS JHB
BISAC-Code
SOC057000 SOC022000 MED000000
THEMA-Code
JBFN MBS JHB
Erscheinungsdatum
2012-08-02
Auflage
1
Themen
Medizin, Körper
Adressaten
Soziologie, Ethnologie, Medizin, Kulturwissenschaften, Ethik sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Biomedizin, Ethnographie, Kinderwunsch, Medizinsoziologie, Reproduktionstechnologie, Körper, Medizin, Gender Studies, Soziologie

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