Der postethnische Homosexuelle

Zur Identität »schwuler Deutschtürken«

In diesem Buch treten erstmalig männliche Individuen in den Fokus, die türkischer Herkunft und zugleich homosexuell sind – eine Identitätskultur zwischen ethnischer und sexueller Marginalisierung, die bisher vor allem von Stereotypen geprägt ist.

Neben Interviews analysiert Wenzel Bilger auch die seit den 1990er-Jahren aufkommenden künstlerischen und politischen »Repräsentationen« dieser spezifischen Identitätskultur durch Filme, Theaterstücke und politische Diskurse, in denen sich ein normatives Integrationsmodell und eine Kritik an einer diskriminierenden Mehrheitskultur gegenüberstehen.

Die Studie im Schnittpunkt von Postcolonial und Queer Studies zeigt, dass sich ein »schwuler Deutschtürke« in der liberalen Gesellschaft integrieren kann, wenn er sich in ambivalenten Performativen entethnisiert.

29,80 € *

2012-08-01, 294 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2108-2

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Wenzel Bilger

Wenzel Bilger, Goethe-Institut New York, USA

... mit Wenzel Bilger

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Ich versuche in dem Buch etwas zu beschreiben, das ich sowohl in den Medien aber auch in den Kultur- und Sozialwissenschaften vermisst hatte: Ein komplexes Bild (mit der für die Erkenntnis notwendigen Vereinfachung) über eine Gruppe von Menschen, über die sonst nur polemisiert und in Stereotypen gesprochen und geschrieben wird. Wir müssen über Marginalisierungen einfach mehr wissen, um unsere Gesellschaft besser zu verstehen. Und sie vielleicht auch zu Gunsten des Einzelnen zu verändern.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es geht weniger um Identität, sondern um Identifizierungen, die wir in allen Bereichen des sozialen Lebens ständig vollziehen. Und bei manchen, z.B. mehrfach Marginalisierten, sind diese Identifizierungsnarrative und -performative ein bisschen komplexer. Vielleicht sind ›schwule Deutschtürken‹ aber auch nur ein gutes Beispiel, um zu zeigen, wie wir alle uns in heterogenen und liberalen Gesellschaften verstehen, und wie wir uns im Kontakt mit anderen immer wieder neu präsentieren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Der Streit um ›Integration‹ schlägt sich zwar in der Wissenschaft nieder, wenige aber betrachten die Schnittstellen zwischen Sexualität und Ethnizität. Viele Konzepte postkolonialer und queerer Wissenschaftspraxis (z. B. Homonormativität) sind wenig bekannt. Mein Buch versucht einige Begriffe zu klären, Gefahren der Ideologisierung auch in Wissenschaft und Aktivismus aufzuzeigen, vor allem aber ein noch wenig erforschtes und sehr interessantes Thema zu beleuchten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Vor allem mit meinen Gesprächspartnern, die mit großer Offenheit über ihr Leben, Liebe, Familie, etc. gesprochen haben. Außerdem mit den Leserinnen und Lesern. Ich hoffe, dass einige mit meinen Ideen und Perspektiven weiterarbeiten und da weitermachen werden, wo ich aufgehört habe. Drittens vielleicht noch mit ein paar Denkerinnen und Denkern, lebendig und verstorben, deren großartige kultur- und sozialtheoretische Überlegungen mich zum Schreiben dieses Buchs erst inspiriert haben.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ein Beitrag zum Verständnis einer Gruppe, aber auch zur Gesellschaft, zu deren Machtverhältnissen wir alle ständig einen Beitrag leisten.

»Es ist eine der besonderen Stärken der Analyse von Bilger, dass er nie in einen Miserabilismus-Diskurs verfällt, sondern dass es ihm gelingt, die Ambivalenz und Widersprüchlichkeit der im biographischen Material festzustellenden Selbst- und Fremdethnisierungsprozesse herauszuarbeiten.«
Michael Bochow, Zeitschrift für Sexualforschung, 47/2 (2014)
Besprochen in:

BZgA-InfoDienst Migration, 4 (2012)
IDA-NRW, 18/4 (2012)
www.qwien.at, 25.04.2013, Andreas Brunner
Impu!se, 80 (2013)
Pride, 138/2 (2014), Rainer Bartel
Autor_in(nen)
Wenzel Bilger
Buchtitel
Der postethnische Homosexuelle Zur Identität »schwuler Deutschtürken«
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
294
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-2108-2
DOI
10.14361/transcript.9783839421086
Warengruppe
1726
BIC-Code
JFSK JFFN HBTR
BISAC-Code
SOC012000 SOC007000 POL045000
THEMA-Code
JBSJ JBFH NHTR
Erscheinungsdatum
2012-08-01
Auflage
1
Themen
Geschlecht, Migration, Soziale Ungleichheit
Adressaten
Soziologie, Kultursoziologie, Kulturwissenschaft, Gay and Lesbian Studies, Postcolonial Studies, Gender Studies, Queer Studies, Ethnologie
Schlagworte
Sexualität, Migration, Ethnizität, Intersektionalität, Identität, Queer, Gender, Geschlecht, Soziale Ungleichheit, Queer Theory, Postkolonialismus, Kultursoziologie, Soziologie

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