Eva Kreissl (Hg.)

Kulturtechnik Aberglaube

Zwischen Aufklärung und Spiritualität. Strategien zur Rationalisierung des Zufalls

Wahrheit wird immer wieder neu konstruiert – und damit auch, was nicht dazugehört. Was nicht den jeweils aktuellen, allgemein akzeptierten oder hegemonial durchgesetzten Deutungsweisen der Realität entspricht, gilt als falsches Wissen oder falscher Glaube. Aberglaube definiert sich also nicht selbst. Er wird durch Diskurse bestimmt, die den Abstand zu ihm suchen und ihn als irrational oder kurios einstufen.

Die Beiträge in diesem Band zeigen: Die Praktiken des Aberglaubens lassen sich neu lesen als in sich logische Vorstufen moderner Popularmagie – aber auch als Symptome einer defizitären Aufklärung. In transdisziplinär angelegtem Bogen nähern sie sich den historischen und gegenwärtigen Strategien einer der größten Ängste des Menschen: der Angst vor dem Zufall.

Inhalt

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 8
  3. Zum Geleit

    Seiten 9 - 16
  4. Probleme mit der Geschichte des Aberglaubens

    Seiten 19 - 40
  5. Aberglaube

    Seiten 41 - 82
  6. Für einen Wandel der Diskurse um Superstition - Irrationalität - Spiritualität

    Seiten 83 - 106
  7. Wider-Glaube

    Seiten 107 - 122
  8. Aberglaube in der psychotherapeutischen Praxis

    Seiten 125 - 144
  9. Aberglaube und Kriminalwissenschaft um 1900

    Seiten 145 - 168
  10. »Anti-Aberglaubiana« oder Mittel wider den Aberglauben der Leute

    Seiten 169 - 192
  11. Ein steirischer Arzt des 17. Jahrhunderts als Quelle für die magischen Praktiken seiner Zeit

    Seiten 193 - 208
  12. Krimineller Aberglaube im Umfeld von Schwangerschaft und Geburt

    Seiten 209 - 230
  13. Das magische Narrativ

    Seiten 231 - 252
  14. Das Ding dreht sich

    Seiten 253 - 268
  15. »Gauckeleyen« und »ungeziemende abergläubische Seegensprüchereyen«

    Seiten 271 - 298
  16. Benediktus-Medaille, Benediktus-Kreuz und Benediktus-Segen

    Seiten 299 - 326
  17. Perlmilch, Krötenfuß und Menschenfett

    Seiten 327 - 358
  18. Die Heilerin vom Strader Wald

    Seiten 359 - 390
  19. Der magische Kreis - Wissen ohne Zufall

    Seiten 393 - 416
  20. Alltagslogiken der Popularmagie im Kulturvergleich

    Seiten 417 - 424
  21. Die Heil bringende Mazza

    Seiten 425 - 450
  22. Museen und Aberglaube

    Seiten 453 - 472
  23. Glaube und Aberglaube

    Seiten 473 - 486
  24. Musealisierte Sorgen

    Seiten 487 - 504
  25. P. Romuald Pramberger

    Seiten 507 - 518
  26. »Ich selbst habe mit Vorteil zwei Sympathiemittel angewendet…«

    Seiten 519 - 536
  27. Gewiss - ungewiss

    Seiten 537 - 558
  28. Aberwissen und Popularmagie in der Gegenwart

    Seiten 559 - 574
  29. Autorinnen und Autoren

    Seiten 575 - 582
  30. Backmatter

    Seiten 583 - 584
Mehr
29,90 € *

2013-09-12, 584 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2110-5

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Eva Kreissl

Eva Kreissl, Universalmuseum Joanneum Graz, Österreich

... mit Eva Kreissl

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Ich verkneife mir die Gegenfrage, ob die Welt tatsächlich Bücher braucht. Doch gewiss ist, dass Bücher die Welt brauchen, zumindest jenen winzigen Teil der Welt, der mittels Lesen kommuniziert.

Diesem aber mag es guttun, einen kritischen Blick auf die Folgen von Büchern zu werfen, die die Welt zu brauchen glaubt. Denn wichtige Bücher schreiben in der Regel eine Sicht auf die Welt fest. Doch viele Menschen lesen die Welt anders als es wichtige Bücher tun. Darüber nachzudenken, möchte dieses Buch anregen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Aberglaube ist das andere Wissen, oft genug widerlegt und doch hartnäckig verankert in einem Alltagswissen, das die Welt in unumschränkter Bezüglichkeit deutet. Wo immer Medizin, Technik, Naturwissenschaften und Religion versagen, suchen Menschen Zuflucht zu einer Weltsicht, die keinen Zufall kennt. Das Buch beleuchtet Aberglauben als Strategie der Weltaneignung, die den Menschen nicht als Maß aller Dinge sieht, sondern als Teil einer Ordnung, die er beeinflussen, aber nicht beherrschen kann.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Jahrzehntelang galt Aberglaube als von mythologisierenden Kulturwissenschaftlern kontaminiertes Terrain, so dass sich nur wenige moderne Fachvertreter an das Thema wagten. Auch in den Nachbardisziplinen galt Aberglaube eher als ein Kuriosum. Seit sich herausgestellt hat, dass rationale Ordnungen die Welt nicht säkularisiert haben, sich im Gegenteil Sinnsuchende aus einem üppigen Buffet an spirituellen Angeboten in synkretistischer Manier bedienen, ist es an der Zeit, die Frage nach der Bedeutung des Aberglaubens neu zu stellen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen, die erkannt haben, dass die großen Wissenssysteme alleine unsere Welt weder erklären können noch erträglicher machen – aber auch mit allen rationalistischen Hardlinern, deren Deutungsphantasie beim Placebo endet.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch greift Traditionslinien des Aberglaubens auf und liest sie aus heutiger Sicht neu als kulturelle Überlebensstrategie zwischen Religion und Aufklärung.

»Ein vorbildliches Beispiel gegenseitiger Befruchtung von Wissenschaft, Forschung und Museum. Wer sich zukünftig mit superstitiösen Phänomenen beschäftigt, kommt an ›Kulturtechnik Aberglaube‹ nicht vorbei.«
Stephanie Böß, Zeitschrift für Volkskunde, 2 (2015)
Besprochen in:
GMK-Newsletter, 11 (2013)
ROTWEISSROT, 4 (2013), Hanna Ronzheimer
http://austria-forum.org
Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit, 150. Rundbrief 38/1 (2014)
Die Furche, 09.10.2014
Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, (2015), Nils Freytag
Leitfaden, 3 (2018), Reiner Sörries
Autor_in(nen)
Eva Kreissl (Hg.)
Buchtitel
Kulturtechnik Aberglaube Zwischen Aufklärung und Spiritualität. Strategien zur Rationalisierung des Zufalls
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
584
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-2110-5
DOI
Warengruppe
1753
BIC-Code
JHMC HRAX HBTB
BISAC-Code
SOC002010 REL033000 HIS054000
THEMA-Code
JHMC QRAX NHTB
Erscheinungsdatum
2013-09-12
Auflage
1
Themen
Religion, Kulturgeschichte
Adressaten
Kulturwissenschaften, Volkskunde, Kulturanthropologie, Geschichte, Religionswissenschaften, Literaturwissenschaft, Museologie
Schlagworte
Aberglaube, Popularmagie, Irrationalität, Aufklärung, Kultur, Kulturgeschichte, Religion, Kulturanthropologie, Religionsgeschichte, Religionswissenschaft

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