In Figuren erzählen

Zu Geschichte und Erzählung bei Peter Greenaway

Manche Filme schreiben Geschichte – Filme von Peter Greenaway hingegen fordern die Geschichtsschreibung heraus.

Micha Brauns Studie untersucht Formen der Geschichtserzählung in ausgewählten Werken Greenaways und stellt sie kenntnisreich in einen kulturhistorischen Kontext. Im Zentrum der Lektüren steht die Figur Tulse Luper, deren Lebens-Geschichte in immer neuen Rekonstruktionen erscheint. Ihre ambivalente Position zwischen Erzähler, Plot und Betrachter stellt Wahrnehmungsmuster von Raum und Zeit, von Bildkomposition und Kontinuität infrage. Wie aber kann eine Aneignung der Vergangenheit im Medium des Films gelingen? Und was bedeutet dies letztlich für unser »Bild« von der Geschichte?

35,80 € *

2012-10-08, 402 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2123-5

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Micha Braun

Micha Braun, Universität Leipzig, Deutschland

... mit Micha Braun

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Peter Greenaways Studien über filmische Formen und Erzählweisen faszinieren Publikum und Kritik seit über vierzig Jahren. Doch auch seine neuesten Multimedia-Projekte, die über den Kinofilm des 20. Jahrhunderts weit hinausgehen, setzen sich immer wieder mit der medialen Verfasstheit der Gegenwart und deren Geschichte auseinander. Gemeinsam mit Greenaway fragt mein Buch nach dem Vorgang der Herstellung von (Geschichts-)Bildern – und damit nach der Verantwortung ihrer Produzenten und Konsumenten.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die ästhetischen Strategien Greenaways als ›postmoderner Autoren-Filmer‹ sind hinreichend untersucht. Neu an meiner Studie ist ihre rezeptionsästhetische Fragestellung: Sie nimmt die wiederholte Rekonstruktion der Lebensgeschichte einer Figur – des seltsam unbestimmten Tulse Luper - in den Fokus und erkennt in Lektüren ausgewählter Projekte Greenaways ein Plädoyer für die kleinen Geschichten, für die individuelle Perspektive gegenüber den großen Geschichtserzählungen des 20. Jahrhunderts.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In den Kultur- und Geschichtswissenschaften wurde in jüngster Zeit intensiv darüber debattiert, wie geschichtliche Narrative und Prozesse der Geschichtsvermittlung vor allem über ihre ästhetische und mediale Konstitution in der jeweiligen Gegenwart Wirkung entfalten. Die Studie würdigt kritisch die künstlerischen Filmprojekte Greenaways als ein Medium zeitgenössischer Geschichtserfahrung und leistet damit einen Beitrag zur Kulturgeschichtsschreibung für das 21. Jahrhundert.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Film- und Theaterwissenschaftlern, die ein Interesse an den Potenzialen künstlerisch-medialer Historiografie haben, mit Kunst- und Filmfreunden, denen an Momenten ästhetischer Erfahrung mehr liegt als an leichter Verdaulichkeit, mit Fans und Verächtern Greenaways gleichermaßen – und natürlich mit ihm selbst.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ein Buch über die Macht der Bilder und des Erzählens - und das berechtigte Misstrauen dagegen.

Besprochen in:
GMK-Newsletter, 4 (2013)
Autor_in(nen)
Micha Braun
Buchtitel
In Figuren erzählen Zu Geschichte und Erzählung bei Peter Greenaway
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
402
Ausstattung
kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN
978-3-8376-2123-5
DOI
Warengruppe
1744
BIC-Code
JFD APFA JFC
BISAC-Code
PER004030 SOC022000
THEMA-Code
JBCT ATF JBCC
Erscheinungsdatum
2012-10-08
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte, Film
Adressaten
Film- und Medienwissenschaft, Theaterwissenschaft, Cultural Studies, Geschichte, Bildwissenschaften
Schlagworte
Peter Greenaway, Film, Geschichte, Erzählen, Figur, Wahrnehmung, Bild, Medialität, Kulturgeschichte, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft, Medienwissenschaft

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