›Gender-Medizin‹

Krankheit und Geschlecht in Zeiten der individualisierten Medizin
(unter Mitarbeit von Tobias Fischer)

Männer und Frauen erkranken und genesen anders. Symptomatik, Krankheitsverlauf, Therapiewirksamkeit und Grundhaltungen gegenüber Gesundheit und Krankheit sind geschlechtlich geprägt. Darf die Medizin angesichts dieser Tatsachen die biologisch und soziokulturell bedingten Unterschiede zwischen Mann und Frau immer noch unbeachtet lassen? Die Autorinnen und Autoren dieses Buches gehen der Frage nach, wie individualisierte Medizin und geschlechterspezifische Medizin sich ergänzen und voneinander profitieren können.

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2014-10-07, 212 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2131-0

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Mariacarla Gadebusch Bondio

Mariacarla Gadebusch Bondio, Technische Universität München, Deutschland

Elpiniki Katsari

Elpiniki Katsari, Herz- und Diabetes-Zentrum Karlsburg, Deutschland

... mit Mariacarla Gadebusch Bondio und Elpiniki Katsari

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Über Gender-Medizin kann man inzwischen Vieles lesen. Über Individualisierte Medizin findet man auch reichlich Literatur – aber über die Beziehung dieser beiden Bereiche liegt kaum etwas in deutscher Sprache vor. Die Individualisierte Medizin ist heute ein Schlüsselthema für die Entwicklung der Gesundheitsversorgung und ein prominenter Forschungsschwerpunkt. Wie übergreifend wichtig die Berücksichtigung des biologischen Alters, des biologischen Geschlechts und seiner soziokulturellen Ausprägungen (Gender) in den unterschiedlichsten Fachbereichen der Medizin ist, zeigen unsere Buch-Beiträge. Sie entsprechen dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung und sind von renommierten Experten und Expertinnen verfasst worden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Lange galt in der Medizin ein einheitliches Bild vom ›Patienten‹, ohne Unterteilung in Mann und Frau. Allerdings war dieser Standardpatient männlich, für Frauen wurden ungeprüft einfach dieselben Standardwerte angenommen. Dies hat sich als falsch erwiesen. Unser Buch rückt Gender-Medizin in den Fokus der Individualisierten Medizin. Die Beiträge zeigen, wie geschlechtersensible Forschung und Versorgung die Treffsicherheit in Prädiktion und Diagnostik sowie die Erfolgschancen in Behandlung von Krankheiten und Nachsorge erhöhen. Der Leitgedanke dieses Buches ist, dass die Voraussetzung für eine bessere Medizin darin liegt, ausdifferenzierte und zuverlässige Daten zu fordern, um daraus praxisrelevante Informationen für Frauen und Männer in den unterschiedlichen Altersgruppen zu erhalten. Geschlechterspezifische Forschungsansätze stehen also ›vor‹ der individualisierten Medizin. Sie versprechen bessere individualisierte Prävention, Gesundheitsversorgung und Therapien und sind daher eine gesundheitspolitische Aufgabe.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Gender-Medizin ist eine fachübergreifende Forschungsrichtung, die national und international immer mehr Gewicht erhält. Obwohl alle Bereiche der Medizin – Grundlagen- und klinischen Forschung, Praxis, Lehre und Fortbildung – von den zunehmenden Erkenntnissen und klinischen Erfahrungen in diesem Gebiet profitieren, ist es ein mühsamer Weg, die Medizin aus ihrer Einbettung in traditionelle Denkmuster zu lösen. Deswegen ist es notwendig, die bisher erhobenen geschlechterspezifischen Forschungsergebnisse bekannt zu machen. Die Kardiologie bietet ein gutes Beispiel: hier ist mittlerweile recht viel bekannt und die Erkenntnisse fließen teilweise in die Praxis und

Lehre ein.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Medizinerinnen und Medizinern, die kaum oder wenig in ihrer Ausbildung und Fortbildung mit diesem Themenkomplex konfrontiert wurden. Und dann natürlich mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich an dem großen Forschungsprojekt ›Individualisierte Medizin‹ beteiligen. Interessant wäre auch, mit den Vertreterinnen und Vertretern des neuen Zweigs der sogenannten Systemmedizin über die Ergebnisse, die in diesem Buch vorgestellt werden, zu sprechen. Und sollte sich eine interdisziplinäre Diskussionsrunde organisieren lassen, dürften Vertreter und Vertreterinnen von Pharmaindustrie, Forschungsförderung, Gesundheitspolitik, Medizinethik, Presse und Medien nicht fehlen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Gender-Medizin ist ein ›Muss‹, denn biologische Geschlechtermerkmale sind medizinisch relevante Tatsachen. Das Buch zeigt, wie geschlechterspezifische Forschung und Individualisierte Medizin sich gegenseitig befruchten können und wie Frauen und Männer künftig davon profitieren werden.

»Der vorliegende Sammelband beschäftigt sich mit den hochaktuellen Themen Individualisierte Medizin und Gender Medizin. Die Beiträge sind auf fachlich hohem Niveau, dabei aber sowohl für Ärzt_innen, medizinisches Fachpersonal als auch für andere, an dem Thema Gesundheit und Gender Interessierte, sehr gut geeignet.«
Doris Neppert, www.socialnet.de , 06.01.2015
Besprochen in:
Dr. med Mabuse, 213 (2014/2015)
Clio, 80 (2015)
Newsletter der Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung, Frauen- und
Gleichstellungsbeauftragte, 9 (2015)
GENDER, 3 (2016), Lotte Habermann-Horstmeier
www.frauenmediaturm.de, 21.03.2017
Buchtitel
›Gender-Medizin‹ Krankheit und Geschlecht in Zeiten der individualisierten Medizin
(unter Mitarbeit von Tobias Fischer)
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
212
Ausstattung
kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN
978-3-8376-2131-0
DOI
10.14361/transcript.9783839421314
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFH MBS JFSJ
BISAC-Code
SOC057000 SOC032000
THEMA-Code
JBFN MBS JBSF
Erscheinungsdatum
2014-10-07
Auflage
1
Themen
Medizin, Geschlecht
Adressaten
Medizin, Medizingeschichte, Medizinethik, Medizintheorie, Kardiologie, Pharmakologie, Medizinische Soziologie, Nephrologie, Onkologie, Neurologie, Epidemiologie
Schlagworte
Gender-Medizin, Individualisierte Medizin, Personalisierte Medizin, Gender, Therapie, Krankheit, Gesundheit, Medizin, Medizinsoziologie, Gender Studies, Körper, Kulturwissenschaft

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