Simultaneität

Modelle der Gleichzeitigkeit in den Wissenschaften und Künsten

Handy, Internet und Co. – aus dem Diktat der Gleichzeitigkeit scheint es im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung kaum einen Ausweg zu geben. »Da Gleichzeitigkeit immer Unbeeinflussbarkeit bedeutet« (Luhmann), liegt es im Interesse politischer, kultureller und wirtschaftlicher Zeitregime, Zonen des Risikos zu kontrollieren und das Simultane einzuhegen. Der Band zeigt: Kunst und Wissenschaft sind Teil und Widerpart der Gleichzeitigkeitsideologie, indem sie Modelle der Zeitlichkeit und Zeitreflexion etablieren und idealerweise den Durchbruch einer ästhetischen Eigenzeit herbeiführen, die Gleichzeitigkeit nicht als synchronistischen Universalismus, sondern als simultanes Differenzphänomen erfahrbar macht. Das Einzelne ist Teil des Ganzen, ohne auf dessen Codes und Rhythmen verpflichtet zu werden.

38,80 € *

2013-06-13, 420 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2261-4

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Philipp Hubmann

Philipp Hubmann, Universität Münster, Deutschland

Till Julian Huss

Till Julian Huss, Kunstakademie Münster, Deutschland

... mit Philipp Hubmann und Till Julian Huss

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Letztlich zeigt der Alltag, wie stark wir trotz gravierender gesellschaftlicher Umbrüche noch immer in ererbten Kategorien denken. Für das Phänomen der Zeit trifft das im Besonderen zu. Unsere Vorstellungen orientieren sich an einem dreigliedrigen Schema von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, das eine lineare Ausrichtung des Lebens unterstellt. In den letzten Jahrzehnten hat sich u.a. durch technische Entwicklungen allerdings eine Expansion der Gegenwart ergeben, die unser aktuelles Erleben zunehmend mit Ereignissen verbindet, die gleichzeitig geschehen – ein Faktor, der bisher kulturwissenschaftlich noch immer unterrepräsentiert ist. Wir möchten mit unserem Band einen Versuch unternehmen, dieses komplexe neue Forschungsfeld anhand einiger Testfälle zu erschließen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Der Begriff der Synchronisation ist – wie wir es beispielsweise von einer Verschaltung von Computer und Handy kennen – mit Vorstellungen der Angleichung, der Anpassung verbunden. Die Kulturkontakte im Zuge der Globalisierung der vergangenen zwei Jahrhunderte haben vor allem durch die Implementierung des westlichen Kulturmodells in vermeintlich ›zurückgebliebenen‹ Ländern gezeigt, dass Synchronisationen als politische Projekte verstanden werden. Derart negative Konnotationen klingen im Begriff der Synchronisation noch immer an. Wir möchten gerne mit der Simultaneität ein Gleichzeitigkeitskonzept beschreiben, das stattdessen in Pluralität und Heterogenität einen zu erhaltenden Mehrwert sieht.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Generell ist zu beobachten, dass die Begriffe ›synchron‹ und ›simultan‹ sowohl im alltäglichen Sprachgebrauch, aber auch in den Wissenschaften beinahe synonym verwendet werden, obwohl sie kulturgeschichtlich betrachtet aus ganz unterschiedlichen Denkschulen stammen und – genauer besehen – auch Unterschiedliches meinen. Der Begriff ›Simultaneität‹ wird u.a. von den europäischen Avantgarden um 1910 bis 1920 verwendet, um auf Formen der Gleichzeitigkeit hinzuweisen, die eben keiner synchronistischen Angleichung oder Überbrückung bedürfen. Gerade in den Kulturwissenschaften wird im Zeitalter der Globalisierung, Digitalisierung und Ökonomisierung unserer Gesellschaft viel über die Wahrung von Eigenheiten debattiert. Uns scheint die Kategorie der ›Simultaneität‹ hilfreich, um diesen sehr produktiven Debatten ein zusätzliches begriffliches Instrumentarium zur Verfügung zu stellen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Im Grunde ließe sich mit allen trefflich diskutieren, die einen oder eben keinen Wert darin sehen, Pluralität zu bejahen. Daher sind Gesprächspartner aus den Wissenschaften und Künsten genauso hilfreich wie jene aus Wirtschaft oder Politik. Die dOCUMENTA (13) des vergangenen Jahres hat das Ineinandergreifen von verschiedenen Bereichen der Lebenswelt exemplarisch verdeutlicht, stand sie doch, wie ihre Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev erklärte, im Zeichen eines Nachdenkens über die Potentiale und Risiken einer vergleichzeitigten Gesellschaft. Die dOCUMENTA (13) fand deshalb konsequenterweise nicht nur im schönen Kassel statt, sondern auch in Kairo, im kanadischen Banff und dem afghanischen Bamiyan, ohne allerdings den Anspruch zu erheben, eine letztgültige, synthetische Perspektive herzustellen. Das Konzept von Simultaneität impliziert einen bewussten Umgang mit Kontingenz und Subjektivität. Insofern statuiert die dOCUMENTA (13) durch ihre Dezentrierung einen Kommunikationsmodus, der unserem Thema sehr nahe kommt.

5. Ihr Buch in einem Satz:

›Das Bedürfnis nach Einheit stellt eine Menge falscher Probleme.‹ (Gaston Bachelard)

Autor_in(nen)
Philipp Hubmann / Till Julian Huss (Hg.)
Buchtitel
Simultaneität Modelle der Gleichzeitigkeit in den Wissenschaften und Künsten
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
420
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-2261-4
DOI
10.14361/transcript.9783839422618
Warengruppe
1744
BIC-Code
JFD AFKV JFC
BISAC-Code
SOC052000 ART057000 SOC022000
THEMA-Code
JBCT1 AFKV JBCC
Erscheinungsdatum
2013-06-13
Auflage
1
Themen
Medien, Internet, Kunst
Adressaten
Kunstwissenschaft, Literaturwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Architektur, Medienwissenschaft, Filmwissenschaft, Theaterwissenschaft, Psychologie
Schlagworte
Literatur, Film, Architektur, Politik, Kunstgeschichte, Gleichzeitigkeit, Synchronizität, Kommunikation, Schizophrenie, Zeit, Wissenschaft, Modell, Form, Medien, Kunst, Internet, Digitale Medien, Medienkunst, Kulturtheorie, Kunsttheorie, Medienwissenschaft

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung