»Wir haben freier gelebt«

Die DDR im kollektiven Gedächtnis der Deutschen

Deutschland, einig Vaterland? Das kommunikative Gedächtnis der Deutschen ist gestört: Sie wollen sich nicht mehr über die DDR unterhalten. Michael Meyen zeigt auf, dass die Leitmedien seit 1990 fast ausschließlich von der Diktatur erzählen und uns so einen Anker für die kollektive Identität nehmen.

Während die Westdeutschen zu wissen glauben, wie es »drüben« gewesen ist, vermeidet es der Ostdeutsche überwiegend, als DDR-Bürger enttarnt zu werden. Die Folgen: Die Muster »Arrangement« und »Fortschritt« verschwinden aus dem kollektiven Gedächtnis – und die Jugend hat ein Zerrbild vom Leben in der DDR.

28,80 € *

2013-03-15, 236 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2370-3

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Michael Meyen

Michael Meyen, Universität München, Deutschland

... mit Michael Meyen

1. «Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Die Welt braucht dieses Buch sicher nicht. Deutschland vielleicht schon. Dass wir nach wie vor Probleme mit unserer kollektiven Identität haben, liegt auch am DDR-Bild in den Massenmedien. Meine Studie zeigt, dass sich die Deutschen aus Ost und West an andere Dinge erinnern als an das, was sie in ihren Zeitungen finden. Das Diktaturgedächtnis, das dort gepflegt wird, hindert uns aber daran, über die Vergangenheit zu sprechen. Das Buch könnte helfen, diese Kommunikationsmauer einzureißen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Am wichtigsten ist die Wirkung der Medien auf das kollektive Gedächtnis. Ich habe die Leitmedien mit dem verglichen, was in Gruppendiskussionen über die DDR erzählt wird. Zuerst schien es gar keinen Zusammenhang zu geben. Dann wurde aber klar, dass die Medien nicht nur das kommunikative Gedächtnis stören, sondern auch dafür sorgen, dass das Arrangement- und das Fortschrittsgedächtnis mit den Zeitzeugen verschwinden werden. So ähnlich dürfte unser Bild vom Dritten Reich entstanden sein.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Jenseits vom konkreten Inhalt geht es immer auch um Theoriearbeit. Die Forschung zum kollektiven Gedächtnis unterschätzt die Massenmedien. Als Kommunikationswissenschaftler wundert man sich, wenn Medienangebote schlicht als Vermittler gesehen werden. Gerade die Leitmedien sind viel mehr. Sie beeinflussen nicht nur das, was sich die Zeitzeugen erzählen, sondern auch alle professionellen Gedächtnisarbeiter. Die Leitmedien sind der Ort, an dem unser Bild von der Vergangenheit ausgehandelt wird.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den Journalisten, die über die DDR schreiben. Mit Christoph Dieckmann von der Zeit, Jens Bisky oder Heribert Prantl von der Süddeutschen, Gerald Praschl von der SuperIllu, mit den Leitartiklern von der FAZ oder den Zeitgeschichte-Redakteuren vom Spiegel. An den Positionen würde das allerdings vermutlich nicht viel ändern, da wir weder aus unserer Biografie herauskommen noch aus den herrschenden Diskursen dieser Zeit.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Woran wir uns erinnern, hängt nicht nur von unserer sozialen Position ab, sondern auch von dem, was Zeitzeugen und Massenmedien uns erzählen.

»Michael Meyen überzeugt vor allem durch die angestellten methodischen Bezüge auf Erinnerungskonzepte [...] sowie auf sozialwissenschaftliche Herangehensweisen [...]. Diese Verknüpfung von Methoden unterschiedlicher Disziplinen führt zu einer fundierten Analyse der Erinnerungslandschaft DDR und ordnet sie zugleich nachvollziehbar ein.«
Mandy Palme, Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat, 37 (2015)
»Ein erhellender Blick auf den kollektiven und oft widersprüchlichen Erinnerungsdiskurs zur DDR.«
Manuela Lück, Kulturpolitische Mitteilungen, 148/1 (2015)
»Höchst anregendes Buch.«
Holger Böning, Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte, 16 (2014)
»Insgesamt vertieft Michael Meyens Langzeit-Diskursanalyse bislang vorliegende Erkenntnisse. Zudem gleicht er seine Ergebnisse mit dem Chor des kommunikativen Gedächtnisses ab. Damit ist seine Doppel-Studie eine ertragreiche Pionierleistung.«
Thomas Ahbe, Sehepunkte, 13/12 (2013)
»Wer angesichts des uferlosen Informationsangebots nach solider [...] thematischer Präsentation der Berichterstattung führender Printmedien über die DDR sucht, wird hier mit interessanten Auszügen und Hinweisen gut bedient.«
Christoph Kleßmann, H-Soz-u-Kult, 01.10.2013
»Eine empfehlenswerte, interessante und informative Lektüre.«
Annette Alberer-Leinen, BDS-Newsletter, 3 (2013)
»Vorzüglich geeignet ist das Buch für die politische Bildung in Schule, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung, da es eine Fundgrube von interessanten Zitaten ganz unterschiedlicher Herkunft [...] aufweisen kann.«
Hartmut M. Griese, www.socialnet.de, 10.06.2013
Autor_in(nen)
Michael Meyen
Buchtitel
»Wir haben freier gelebt« Die DDR im kollektiven Gedächtnis der Deutschen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
236
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-2370-3
DOI
Warengruppe
1744
BIC-Code
JFD JFC HBJD
BISAC-Code
SOC052000 SOC022000 HIS014000
THEMA-Code
JBCT JBCC NHD
Erscheinungsdatum
2013-03-15
Auflage
1
Themen
Medien, Erinnerungskultur, Kulturgeschichte
Adressaten
Kommunikations- und Medienwissenschaft, Geschichte, Literaturwissenschaft sowie die an der DDR-Erinnerungskultur interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
DDR, Gedächtnis, Medien, Diskursanalyse, Gruppendiskussionen, Erinnerungskultur, Kollektive Identität, Kulturgeschichte, Medienästhetik, Deutsche Geschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Medienwissenschaft

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