Kritik des Habitus

Zur Intersektion von Kollektivität und Geschlecht in der akademischen Philosophie

Die Bourdieu'sche Fassung des Habitus-Begriffs findet international disziplinenübergreifende Anerkennung. In Heike Guthoffs Studie wird er mit Blick auf das sozialphilosophisch problematische Verhältnis von Subjektivität und Kollektivität einer Modifikation unterzogen. »Habitus« wird hier im Lichte der Kategorie Geschlecht betrachtet, ohne jedoch geschlechtliche Differenzen vorauszusetzen: Liegen kollektive Dispositionen, wie Bourdieu es nahelegt, immer in genau zwei Formen vor, sozusagen einmal in hellblau und einmal in rosa? Bourdieu folgend gewinnt die Autorin ihre begrifflichen Einsichten empirisch – nämlich anhand einer Analyse der Fachkultur der akademischen Philosophie.

26,99 € *

27. März 2014, 328 Seiten
ISBN: 978-3-8394-2424-7
Dateigröße: 3.09 MB

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Heike Guthoff

Heike Guthoff, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Weil es nicht langweilig ist: Die Arbeit zeigt eine fundamentale Schwäche innerhalb einer etablierten Sozialtheorie auf, und sie begegnet dieser Schwäche empirisch – mit Hilfe einer unerprobten Methode anhand eines unerforschten Gegenstands. Philosophie und das Studium der wirklichen Welt müssen sich nicht zueinander verhalten wie Onanie und Geschlechtsliebe (Marx); denken kann auch heißen, mit Blitz und Donner schwanger zu gehen (frei nach Nietzsche).

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Studie zielt auf eine Revision des Bourdieuschen Habitusbegriffs, da dieser bei Bourdieus Bewegung weg von sozialen Klassen hin zu sozialen Feldern unmerklich weg vom Kollektiv hin zum Individuum gerückt ist. Bourdieu hat also nie den Begriff eines feldspezifischen (Kollektiv-)Habitus ausgearbeitet. Im Kontext von Feldern ist der Habitus bei Bourdieu in der Regel der Habitus von jemandem, nicht der eines Feldes; der Habitus ›klebt‹ am Individuum. Wie schwerwiegend und sozialtheoretisch herausfordernd diese begriffliche Nachlässigkeit ist, zeigt zum Beispiel das Verbinden der Kategorien Habitus, Feld und Geschlecht.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Weite Teile der Bourdieu rezipierenden Forschung arbeiten mit dem Begriff eines feldspezifischen Habitus, obwohl es diese Begriffsvariante streng genommen gar nicht gibt. Die damit verbundene Intuition halte ich aber für richtig: Wie also kann man mit Bourdieu von so etwas wie einem wissenschaftlichen, einem künstlerischen oder einem ärztlichen Habitus sprechen? Meine Untersuchung irritiert damit jede am Habitus und an ›implizitem Wissen‹ interessierte Forschung. Außerdemstellt sie eine methodische Lösung für das Reifikationsproblem jeder an Intersektionalität interessierten Forschung bereit, und sie reflektiert das Verhältnis von Philosophie und Empirie.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen, die keinen scharfen Schnitt machen wollen zwischen Philosophie und Ethnographie.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Habitus revisited – Bourdieu weiterdenken, empirisch.

»[Die Arbeit] überzeugt als fundierte Kritik am – in den Worten der Autorin – strukturellen Sexismus und Androzentrismus der akademischen Philosophie. Allein schon in dieser Eigenschaft dürfte sie einigen ihrer Leser_innen Momente der ehrlichen Selbsterkenntnis bescheren.«
Lisa Mangold/Jekaterina Markow, Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 63/2 (2015)
»Ihre Arbeit [überzeugt] sowohl als philosophisches Meister(_innen)stück, das das philosophische Können der Autorin unter Beweis stellt, als auch als Kritik ebenjener Disziplin, in der sie sich bewährt. Die [...] titelgebende Anspielung auf ein berühmtes Werk der philosophischen Aufklärung ist demnach nicht bloßes Zierwerk, sondern der berechtigte Hinweis darauf, dass hier in der Tat das Subjekt der Kritik, die akademische Philosophie, sich selbst zum Untersuchungsgegenstand macht.«
Lisa Mangold/Jekaterina Markow, Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 62/2 (2015)
»Guthoff [gelingt es], die Fachkultur der Philosophie in einem Atemzug zu kritisieren und zu bestätigen.
Denjenigen [zu] empfehlen, die an einer Weiterentwicklung der Bourdieuschen Denkwerkzeuge und/oder an (gender-)kritischer Fachkulturforschung interessiert sind.«
Barbara Scholand, www.querelles.net, 15/2 (2014)
»Eine empfehlenswerte und anregende Lektüre für die soziologische Fachöffentlichkeit (nicht nur) im Schnittfeld von Genderforschung, Bordieu-Rezeption und Wissens-/Wissenschaftssoziologie.«
Andreas Schmitz, GENDER, 2 (2014)
Autor_in(nen)
Heike Guthoff
Buchtitel
Kritik des Habitus Zur Intersektion von Kollektivität und Geschlecht in der akademischen Philosophie
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
328
Ausstattung
41 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8394-2424-7
DOI
10.14361/transcript.9783839424247
Warengruppe
1521
BIC-Code
HPS JFSJ PDR
BISAC-Code
PHI034000 SOC032000 SCI075000
THEMA-Code
QDTS JBSF PDR
Erscheinungsdatum
27. März 2014
Themen
Sozialität, Geschlecht, Wissenschaft
Adressaten
Philosophie, Soziologie, Gender Studies, Kulturwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Politikwissenschaft
Schlagworte
Habitus, Bourdieu, Kollektivität, Gender, Fachkulturen, Philosophie, Sozialität, Wissenschaft, Sozialphilosophie, Gender Studies, Wissenschaftssoziologie, Soziologische Theorie

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