Geschichtspolitiken und Fernsehen

Repräsentationen des Nationalsozialismus im frühen österreichischen TV (1955-1970)

»Der Herr Karl«, der 1961 von Helmut Qualtinger gespielte opportunistische Mitläufer, stellt bis heute sicherlich die bekannteste televisuelle Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Österreich dar. Dominierte im übrigen Fernsehen ein Schweigen über die Nazi-Vergangenheit? Oder gab es Versuche, vorherrschende Narrative aufzubrechen?

Renée Winters Studie beschäftigt sich erstmals mit Geschichtspolitiken im frühen österreichischen Fernsehen und liefert damit nicht nur einen medientheoretischen Blick auf die Ursprünge des öffentlich-rechtlichen Geschichtsfernsehens, sondern eröffnet auch neue Einblicke in österreichische Vergangenheitspolitiken.

35,99 € *

2014-01-14, 322 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2441-0

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Renée Winter

Renée Winter, Universität Wien und Kunstuniversität Linz, Österreich

... mit Renée Winter

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Obwohl ich dieser oft gebrauchten Redewendung, die ›die Welt‹ auf zweifelhafte Weise homogenisiert, skeptisch gegenüberstehe, würde ich sagen, mein Buch kann Grundlegendes zu Verständnis und Kritik des heutigen Geschichtsfernsehens beitragen. Es stellt die Frage nach den historischen Vorläufern des Geschichts-TVs und verknüpft dabei geschichtspolitische, medienhistorische, geschlechtertheoretische und ästhetische Perspektiven.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch erforscht erstmals systematisch das frühe österreichische Fernsehen in Hinblick auf die Darstellung von Nationalsozialismus und Holocaust. Dabei werden geschichtspolitische Strategien und Kämpfe um historische Narrative an vielen Orten sichtbar: In den Debatten um die gesellschaftliche Rolle des neuen Mediums ebenso wie in Programmgestaltung, Gedenkpolitiken, Kooperationen mit Institutionen und in den Sendungen selbst durch die je spezifische Verwendung von fotografischem und filmischem Archivmaterial.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Audio-/Visuelle Darstellungen des Nazismus sind Gegenstand eines internationalen interdisziplinären Forschungsfeldes geworden, das in den letzten fünfzehn Jahren zahlreiche Publikationen hervorgebracht hat. Umso erstaunlicher ist, dass das frühe österreichische Fernsehen diesbezüglich bisher nicht systematisch beforscht wurde. Das hängt auch mit dem Zugang zu diesem frühen TV-Material – der ungleich schwieriger ist als etwa zu populären Filmen – und damit letzten Endes auch mit Archiv-Politiken der Fernsehanstalten zusammen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Antonie Lehr, die im Zuge ihrer Tätigkeit in einer kommunistischen Widerstandsgruppe 1944 verhaftet wurde und in Auschwitz und Ravensbrück inhaftiert war. In den 1960ern war sie in der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück aktiv und wurde 1964 für eine Fernsehsendung interviewt. Mit Hellmut Andics, der einige der zentralsten Geschichtsdokumentationen des frühen österreichischen Fernsehens gestaltet hat. Und mit einer leidenschaftlichen Fernsehzuschauerin der 1960er Jahre.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ein Buch über Geschichtsfernsehen als umkämpfter Ort, das viel über die Funktion des frühen Fernsehens erzählt und auch etwas darüber, welchen Unterschied ein Bildausschnitt machen kann.

»[Der Band] gibt einen fundierten Blick in österreichische televisuelle Ausverhandlungsprozesse von Vergangenheit. Renée Winter analysiert Grenzen des Zeigbaren, aber auch sehr wohl existente Möglichkeiten des Brechens mit diesen geschichtspolitischen Schranken.«
Ina Markova, Gedenkdienst, 3 (2015)
»[Winter widmet] sich mit ihrer Arbeit [...] einem Forschungsdesiderat. Dabei vermag sie, die Bedeutung eines interdisziplinären Zugangs zu medienhistorischen Themen zu demonstrieren und Impulse für weitere Forschungen zu geben.«
Katrin Hammerstein, Rundfunk und Geschichte, 3-4 (2014)
»Ein vielfältiges Grundlagenwerk für weitere Forschungen.«
Heinz P. Wassermann, H-Soz-u-Kult, 07.07.2014
»Der Autorin gelingt es [...], den Erkenntnisgewinn aus geschlechterkritischer Perspektive nachvollziehbar und überzeugend darzustellen.«
Wissenschaftskompass WIEN, 2 (2014)
O-Ton: »KZ-Bilder liefen im Hauptabend« – Renée Winter im Gespräch mit Lisa Mayr bei derStandard.at am 01.04.2014.
(http://bit.ly/2w6PCLI)
Besprochen in:

Stimme, 91 (2014), Petra Permesser
Autor_in(nen)
Renée Winter
Buchtitel
Geschichtspolitiken und Fernsehen Repräsentationen des Nationalsozialismus im frühen österreichischen TV (1955-1970)
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
322
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-2441-0
DOI
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD JFD HBLW
BISAC-Code
HIS010000 SOC052000 HIS054000 HIS037070
THEMA-Code
NHD JBCT
Erscheinungsdatum
2014-01-14
Auflage
1
Themen
Fernsehen, Kulturgeschichte
Adressaten
Geschichte, Medienwissenschaft, Film- und Fernsehwissenschaft, Gender Studies
Schlagworte
Fernsehen, Österreich, Nationalsozialismus, Geschichte, Vergangenheitspolitik, Gender, Kulturgeschichte, Europäische Geschichte, Mediengeschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Zeitgeschichte, Geschichtswissenschaft

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