Generation »koscher light«

Urbane Räume und Praxen junger russischsprachiger Juden in Berlin

Welche Rolle spielen räumliche Aspekte für die Identitätsarbeit und Gemeinschaftsbildung junger russischsprachiger Juden, die heute in Deutschland leben? Alina Gromova hat 15 junge Erwachsene ein Jahr lang durch ihren Alltag begleitet und ist ihnen an Orte wie jüdische Treffs und Partys, Cafés und Wohnungen, Synagogen und Clubs gefolgt. Die Analyse von Begegnungen zwischen jüdischen, russischen, deutschen, israelischen und muslimischen Traditionen offenbart einen ungezwungenen Umgang mit jüdischer Religion und Symbolik, jüdischer Essenstradition und Mode.

Diese ethnologische Studie zeigt: Es ist ein Umgang »koscher light«, in dem sich Religion und Tradition nach den Gesetzen der Urbanität richten.

Auszeichnung

Humboldt-Preis 2013 – Sonderpreis »Judentum und Antisemitismus«

32,99 € *

2013-10-16, 306 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2545-5

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Alina Gromova

Alina Gromova, Jüdisches Museum Berlin, Deutschland

... mit Alina Gromova

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Bücher, welche direkte, durch eine intensive Beobachtung und Begleitung entstandene Einblicke in den Alltag und die Gedankenwelt der Menschen liefern, sind nicht nur Interpretationen, sondern vor allem Narrationen und Dokumentationen der Gegenwart. Und weil sie Einwanderer als Subjekte und nicht als Objekte betrachten, lassen sie sich zum Glück nicht in die Integrationsdebatte einordnen, die mit dem Buch von Thilo Sarrazin 2010 ihren Höhepunkt erreicht hat.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Im ›Land der Täter‹, wo die meisten Diskussionen über das jüdische Leben durch die Erinnerung an die Shoah geprägt sind, kommt eine neue Generation der Juden zu Wort, die eine durch den Wunsch nach Normalität gekennzeichnete Existenz anstreben. Die Betrachtung der Religion und der Migration aus der Perspektive der Stadt und nicht umgekehrt zeigt, dass diese weniger aus den durch Generationen tradierten Werten heraus zu verstehen sind, sondern sich vielmehr als Formen von Lebensstilen und Jugendkulturen begreifen lassen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Vor dem Hintergrund der sprichwörtlichen ›Heimatlosigkeit‹ und ›Ortslosigkeit‹ des jüdischen Volkes kommt die Erforschung der Konstruktion lokaler Räume im Zusammenhang mit der jüdischen Erfahrung erst jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Beginn der sogenannten räumlichen Wende in Geistes- und Sozialwissenschaften langsam zum Zuge. Es ist der physischen, symbolischen und sozialen Natur der Räume zu verdanken, dass das räumliche Nebeneinander gleichwertig zum zeitlichen Nacheinander für das Nachdenken über die jüdische Erfahrung ihre Bedeutung erhält.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Am liebsten mit Stadt- und Migrationsforschern, die sich mit Lebensentwürfen junger Muslime in Deutschland und im Ausland beschäftigen. Ich habe den Verdacht, dass sich in muslimischen und anderen religiösen Communities ähnliche Individualisierungsprozesse abspielen, die durch eine stadtethnographische Annäherung sichtbar werden können.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Warum man über das Judentum nicht nur anhand von Texten diskutieren kann und wie man in der Großstadt als Jude und Tangotänzer gleichzeitig überlebt.

»Die ethnografische Studie von Alina Gromova bietet einen aufschlussreichen Einblick in die Lebenswelten junger russischsprachiger Jüdinnen und Juden in Berlin, die sich vor allem durch ihren Fokus auf den urbanen Raum [...] auszeichnet.
Die Studie besticht darüber hinaus durch ihren fortwährenden Bezug auf theoretische Überlegungen und Konzepte, die als solche garantieren, dass die empirischen Ergebnisse im Rahmen weiterführender Theorien verortet werden.«
Lisa Sophie Kämmer, www.aviva-berlin.de, 12 (2014)
»Alina Gromova überzeugt durch genaue und gut dokumentierte ethnographische Beobachtungen, die sie mit raumtheoretischen Konzepten [...] verbindet. Der interdisziplinäre Forschungsbereich zum zeitgenössischen jüdischen Leben fällt damit erstmalig unter eine dezidierte Raumperspektive.
›Koscher light‹ trifft mit der Frage nach symbolischen Stadtstrukturen des Judentums wichtige Entwicklungen des zeitgemäßen Judentums.«
Oleg Pronitschew, H-Soz-u-Kult, 04.12.2014
»›Generation koscher light‹ ist ein positiver Ausblick für die Untersuchung jüdischen Lebens in Deutschland und gibt wichtige Impulse für weitere Forschungsthemen und -zugänge.«
Oleg Pronitschew, Kieler Blätter, 46 (2014)
Autor_in(nen)
Alina Gromova
Buchtitel
Generation »koscher light« Urbane Räume und Praxen junger russischsprachiger Juden in Berlin
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
306
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-2545-5
DOI
10.14361/transcript.9783839425459
Warengruppe
1544
BIC-Code
JFSR1 JFSG JFFN
BISAC-Code
SOC049000 SOC026030 SOC007000
THEMA-Code
QRJP JBSD JBFH
Erscheinungsdatum
2013-10-16
Auflage
1
Themen
Migration, Stadt, Judentum
Adressaten
Ethnologie, Jewish Studies, Urban Studies, Soziologie
Schlagworte
Judentum, Sowjetunion, Berlin, Stadt, Migration, Ethnologie, Jüdische Studien, Urban Studies, Kulturanthropologie, Soziologie

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