Die Ultraschallsprechstunde

Eine Ethnografie pränataldiagnostischer Situationen

Wie werden Ungeborene per Ultraschall ›ins Bild gesetzt‹? Wie gestalten die Teilnehmer der klinischen Veranstaltung die soziale Beziehung, in die sie aufgrund des diagnostischen Tuns eingebunden sind? Birgit Heimerls Ethnografie zur Praxis vorgeburtlicher Sonografie und der sie begleitenden Beratungsgespräche fokussiert auf die klinische Situation und die situierten Praktiken, die auf Basis teilnehmender Beobachtung rekonstruiert werden. Die Analyse stützt sich auf die Mikrosoziologie Erving Goffmans und auf praxeologische Vorstellungen von Sozialität. Sie zeigt u.a., wie Ungeborene als epistemische Wissensobjekte der Pränataldiagnostik sonografisch artikuliert und ›verkörpert‹ werden und wie dies kommunikativ und interaktiv gerahmt wird.

Auszeichnung

Nachwuchspreis 2014 der DGS-Sektion Körper- und Sportsoziologie

36,99 € *

2013-10-01, 364 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2551-6

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Birgit Heimerl

Birgit Heimerl, Geschäftsstelle Gesundheitsregion-Plus im Landkreis Landsberg am Lech, Deutschland

... mit Birgit Heimerl

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Seit den 1980er Jahren sind viele Forschungsarbeiten zum vorgeburtlichen Ultraschall entstanden, vor allem in den USA. Das Gros sind Diskursanalysen und Interviewstudien, die sich um die gesellschaftliche und familiale Rezeption des Fötalbildes zentrieren. Es fehlt eine soziologische Situationsanalyse, die die klinische Veranstaltung zum Gegenstand macht und beobachtet, wie Pränataldiagnostik ›praktiziert‹ wird und in welchen situativen Kontexten dies geschieht. Diese Lücke schließt mein Buch.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Statt den Kindskörper als visuelle Entität vorauszusetzen, wird er unter konstruktivistischen Vorzeichen in Anlehnung an Rheinberger als apparativ erzeugte ›Spur‹ mit variierendem epistemischen Status rekonstruiert. Diese machen Ärzte dann erst via Deixis für Schwangere zum Körperbild und damit zum Bild vom Kind. Es werden aber auch jene Szenarien einer Analyse unterzogen, die die Bildpraxis rahmen, z.B. das Management von Krisen, Risikokalküle oder die situative Ortlosigkeit werdender Väter.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Es gibt derzeit keine vergleichbare Arbeit zur Pränatalsonografie, die auf situierte Praktiken setzt und mit Beobachtungsdaten arbeitet. Die Studie zeigt, wie soziotechnische Arrangements praktisch gehandhabt und körperlich vollzogen werden. Sie trägt deshalb nicht nur zu einer Soziologie der Schwangerschaft bei, sie reiht sich auch ein in Arbeiten zur medizinischen Bildgebung und synthetisiert dabei Grundzüge der Interaktionssoziologie mit Fragen aus körper- und techniksoziologischen Ansätzen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den ›Ultraschallforscherinnen‹, weil das Buch sowohl methodisch als auch aufgrund seines inhaltlich breiten Spektrums ein Novum im Kontext der Arbeiten zur vorgeburtlichen Sonografie darstellt. Da die Studie artefaktvermittelte Körperpraktiken buchstäblich ›unter die Lupe‹ nimmt, kommen aber auch all jene als Diskussionspartner infrage, die mein Interesse an der Mikrosoziologie teilen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es wurde höchste Zeit für eine Studie über Pränatalsonografie, die statt altbekannter Bildrezeptionsforschung Bildproduktionsforschung betreibt.

»Das Buch liefert nicht nur für die (Medizin-)Soziologie, sondern auch für die Pflegeforschung interessante Befunde. Auch methodisch interessierte LeserInnen finden hier eine gute ethnografische Studie, die handwerklich Anregendes enthält. Die Ultraschallsprechstunde als soziale Situation wird mit ihrer hohen Komplexität sensibel beobachtet, gelungen dargestellt und klug analysiert.«
Yvonne Niekrenz, www.socialnet.de, 21.05.2014
Besprochen in:

Gen-ethischer Informationsdienst, 221 (2013), Kirsten Achtelik
Autor_in(nen)
Birgit Heimerl
Buchtitel
Die Ultraschallsprechstunde Eine Ethnografie pränataldiagnostischer Situationen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
364
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-2551-6
DOI
10.14361/transcript.9783839425510
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFH MBS JHB
BISAC-Code
SOC057000 SOC022000 MED000000
THEMA-Code
JBFN MBS JHB
Erscheinungsdatum
2013-10-01
Auflage
1
Themen
Medizin, Körper
Adressaten
Soziologie, Medizinsoziologie, Medienwissenschaften, Pflegeforschung, Science and Technology Studies
Schlagworte
Schwangerschaft, Ultraschall, Pränataldiagnostik, Fötus, Körper, Ethnografie, Mikrosoziologie, Praxeologie, Medizin, Medizinsoziologie, Soziologie

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