Das Recht des Politischen

Ein neuer Begriff der Menschenrechte

Wie sind die Menschenrechte heute angemessen zu verstehen? Sich ausschließlich auf ihren rechtlichen Gehalt oder ethisch-moralischen Anspruch zu konzentrieren, genügt dafür offenbar nicht. Notwendig ist es vielmehr, die Dimension des Politischen, die diesen Rechten eigen ist, systematisch in den Blick zu nehmen: Erst im Feld der sozialen Praxis und in den historisch bezeugten Erfahrungen handelnder Individuen wird ein moralisch-rechtlicher Anspruch konkret greifbar. Am Beispiel des zeitgenössischen Umgangs mit dem Erbe des französischen Kolonialkrieges in Algerien setzt Daniel Bogner Theorie und Praxis, Normativität und Geschichte konsequent miteinander in Beziehung.

Ergebnis ist ein neues Verständnis der Menschenrechte – jenseits der Sackgassen einer rein historischen oder exklusiv geltungstheoretischen Perspektive.

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2014-07-10, 336 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2605-6

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Daniel Bogner

Daniel Bogner, Religionspädagogisches Institut, Luxemburg

... mit Daniel Bogner

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Weil in dem Buch eine neuartige Perspektive, die Menschenrechte zu verstehen, konsequent und mit systematischem Anspruch durchgeführt wird. Dringend nötig ist das, weil die Menschenrechtsdebatte bisher oft in einer Sackgasse endet: Einerseits wird – von Seiten gesellschaftlicher Aktivisten und Praktiker – so getan, als sei unmissverständlich klar, was die Menschenrechte eigentlich seien, welchen Anspruch sie begründen, und dass es vor allem darauf ankomme, deren Forderungen umzusetzen. Andererseits fällt – vornehmlich in theoretischen Diskursen – auf, dass die Kontexte gesellschaftlicher Praxis, die für jeden Rechtsanspruch von Interesse sind, in der Betrachtung der Menschenrechte oft genug ausgeklammert werden und vor allem auf die geltungslogische Begründung des moralischen Anspruchs Wert gelegt wird.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Buch versucht, beide Perspektiven aufeinander zu beziehen: Die These lautet, dass der Gehalt menschenrechtlicher Forderungen nur über Praxiskontexte erschlossen werden kann. Praxiskontexte wiederum liegen nicht einfach ›abrufbar‹ bereit, sondern müssen aus den Erfahrungen geschichtlich handelnder Subjekte hermeneutisch verantwortet ausgelegt werden. Das bedeutet, dass das Verständnis der Menschenrechte viel mehr dem geschichtlichen Wandel unterliegt, als es gemeinhin angenommen wird. Das bedeutet auch, dass es eine eminent politische und nicht endende Aufgabe darstellt, je neu nach dem angemessenen Verständnis eines moralisch-rechtlichen Geltungsanspruchs zu fragen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die in dem Buch gewählte Perspektive auf das Thema Menschenrechte setzt unterschiedliche Fächer und Disziplinen miteinander in Bezug – Sozialwissenschaft und Geschichte, Sozialphilosophie und Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und Sozialethik. Innerhalb der Debatten in der aktuellen Zeitgeschichtsforschung zu den Menschenrechten (Samuel Moyn u.a.) wird ein provozierender Akzent gesetzt, weil das Buch zwar ein historisches Sujet – den französischen Kolonialkrieg in Algerien – als Material und Gegenstand zugrunde legt, aber nicht beim Durcharbeiten des geschichtlichen Materials bleibt, sondern stets ein geltungstheoretisches Interesse im Auge behält – die Frage nämlich, wie der Anspruch der Menschenrechte entstehen und begründet werden kann, gerade aus dem Verlauf der Geschichte heraus. Vielfach bestehen Konvergenzen zum Ansatz des Soziologen Hans Joas. Mit dem Buch wird dessen theoretischer Versuch, die Menschenrechte zu erklären (Die Sakralität der Person) konsequent durchgeführt – am historischen Material, wie Joas das selbst immer wieder gefordert hat.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit dem Philosophen Ludwig Siep, dessen politisch sensible Hegel-Deutung mir immer wieder weitergeholfen hat.

Mit dem Menschenrechtspolitiker Heiner Bielefeldt, mit dem ich die Thesen dieses Buches intensiv diskutiert habe und der mein Interesse an der praktischen Komplexität der Menschenrechte geweckt hat.

Mit dem Theologen Joseph Ratzinger, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass anspruchsvolle Theologie eine Ethik der Menschenrechte verwerfen würde, welche geschichtliche und politische Kontingenz berücksichtigt, um einen normativen Anspruch zu formulieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Erst in konkreten historisch-sozialen Kontexten und Situationen – also im Feld des Politischen – bildet sich der Gehalt menschenrechtlicher Forderungen heraus, ohne den jede rein geltungstheoretische Inanspruchnahme dieser Rechte zahnlos wäre.

»Bogner bezieht Stellung. Und er eröffnet damit neue Wege für die Sozialethik, gerade auch in seiner vielseitigen Rezeption unterschiedlichster Theoriestränge innerhalb und außerhalb der Sozialethik. Damit hat er einen enorm wichtigen und sehr gehaltvollen Beitrag für die Disziplin geleistet.«
Michael Reder, Ethik und Gesellschaft, 1 (2017)
»Wegen seiner ›neuartigen Perspektive‹ lesenswert.«
Hans Jörg Sandkühler, Philosophisches Jahrbuch, 122/1 (2015)
»Das Buch ist hervorragend in Form und Inhalt und bietet einige geradezu grandiose Überlegungen.«
Rainer Kühn, Deutschlandfunk – Andruck, 04.08.2014
Besprochen in:
www.lehrerbibliothek.de, 29.09.2014, Oliver Neumann
Portal für Politikwissenschaft, 09.10.2014, Matthias Lemke
Das Historisch-Politische Buch, 62/2 (2015), Dieter Senghaas
Christ in der Gegenwart, 1 (2016)
Autor_in(nen)
Daniel Bogner
Buchtitel
Das Recht des Politischen Ein neuer Begriff der Menschenrechte
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
336
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-2605-6
DOI
10.14361/transcript.9783839426050
Warengruppe
1739
BIC-Code
JPVH HPS
BISAC-Code
POL035010 PHI034000 PHI019000
THEMA-Code
JPVH QDTS
Erscheinungsdatum
2014-07-10
Auflage
1
Themen
Recht, Politik, Mensch
Adressaten
Sozialwissenschaft, Philosophie, Politikwissenschaft, Sozialethik
Schlagworte
Menschenrechte, Politik, Erfahrung, Algerien, Kolonialkrieg, Normativität, Geschichte, Mensch, Recht, Sozialphilosophie, Politische Philosophie, Philosophie

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