Eine Amerikanerin in Ostberlin

Edith Anderson und der andere deutsch-amerikanische Kulturaustausch

Die außergewöhnliche Biografie Edith Andersons liest sich wie ein Roman des Kalten Krieges. Die Amerikanerin lebte von 1947 bis 1999 in Ostberlin. Als Übersetzerin, Journalistin, Autorin und vor allem als Vermittlerin initiierte und pflegte sie auf vielfältige Weise den kulturellen Austausch zwischen der DDR und den USA.

Sibylle Klemms erste ausführliche Untersuchung des Wirkens von Amerikanerinnen und Amerikanern in der DDR zeigt eine andere Seite des Kalten Krieges: Anderson versetzte ihre Umwelt über Systemgrenzen hinweg in produktive Unruhe und scheute sich nicht vor eigenständigen, radikal-kritischen und bisweilen widersprüchlichen Standpunkten – als Amerikanerin, Kommunistin, Jüdin und Feministin.

39,99 € *

2015-02-10, 458 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2677-3

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Sibylle Klemm

Sibylle Klemm, Technische Universität Dortmund, Deutschland

... mit Sibylle Klemm

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Der Kalte Krieg wird häufig so dargestellt als würde er noch andauern. Das Buch hinterfragt diese Perspektive, indem es etwas präsentiert, was es eigentlich gar nicht geben dürfte – eine aktive und weitgehend autonome Amerikanerin in der DDR, die ihre eigene Kulturpolitik betreibt. Selbst unter widrigsten Bedingungen konnte von einem kreativen – und zugegebenermaßen außergewöhnlichen – Menschen wie Edith Anderson die Kultur des politischen ›Feindes‹ vermittelt werden. In diesem Sinne ist das Buch aktuell, obwohl es sich mit dem Wirken einer Frau in einer nicht mehr existierenden Gesellschaft im letzten Jahrhundert befasst.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Conventional wisdom würde behaupten, es gab doch keine signifikanten Beziehungen zwischen den USA und der DDR. Aber Edith Anderson steht prototypisch für die in der DDR lebenden Amerikaner/-innen, deren Bedeutung für die Gestaltung des transatlantischen kulturellen Austausches oder etwa des Amerikabildes in der DDR bisher unerforscht war. Sie war auch nicht die Einzige. Zu diesen Amerikaner/-innen gehörten etwa Irene Heym (Verlagsleiterin des englischsprachigen Seven-Sea-Verlags und Frau von Stefan Heym), Victor Grossmann (Autor von zahlreichen Büchern über die USA, Übersetzer und Mitbegründer des Paul Robeson Archivs in Berlin), Olli Harrington (Afro-amerikanischer Karikaturist). Mein Buch zeigt, dass Anderson zwar in vielerlei Hinsicht eine Außenseiterin war, aber gerade diese Position ermöglichte ihr unkonventionelle Einsichten, etwa in den DDR-Kulturbetrieb oder die amerikanische Linke und ein unabhängiges Agieren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Buch leistet einen Beitrag zur Exilforschung. Es ist ein sehr ungewöhnliches Exil – die DDR als Zufluchtsort für linke Amerikaner_innen. Im Vordergrund steht denn auch, wie diese Exilant_innen mit ihrer Abwesenheit von der Heimat kreativ umgingen.

Gleichzeitig ist dieses Buch ein Beitrag zur Erforschung von Cultural Diplomacy. Es verdeutlicht, wie nicht-staatlich beauftragte Personen, eben aus ihrer Exilsituation heraus, im Bereich des kulturellen Austausches wirken.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Edith Anderson selber – leider habe ich sie nicht mehr persönlich kennengelernt –, ihren amerikanischen und deutschen Freund/innen, Zeitgenoss_innen und Leser_innen sowie mit Fachkolleg_innen, die sich mit der Rezeption U.S.- amerikanischer Kultur in Osteuropa und kultureller Diplomatie befassen. Vor allem aber auch mit jungen Menschen, für die die DDR heute manchmal fremder ist als die Vereinigten Staaten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Außergewöhnliche Menschen wie Edith Anderson können mit Geist, Stil und Kreativität sogar Mauern durchlöchern und Systemgrenzen in Frage stellen.

Besprochen in:
www.sehepunkte.de, 15/10 (2015), Hedwig Richter
Ossietzky, 4 (2017), Sabine Kebir
Autor_in(nen)
Sibylle Klemm
Buchtitel
Eine Amerikanerin in Ostberlin Edith Anderson und der andere deutsch-amerikanische Kulturaustausch
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
458
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-2677-3
DOI
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD HBTB HBJK
BISAC-Code
HIS014000 HIS054000 HIS036000
THEMA-Code
NHD NHTB NHK
Erscheinungsdatum
2015-02-10
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte, Amerika
Adressaten
Kulturwissenschaften, Geschichtswissenschaft, Amerikanistik, Germanistik, Gender Studies, Politikwissenschaften sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Kalter Krieg, DDR, USA, Kulturgeschichte, Literatur, Feminismus, Exil, Biografie, Amerika, Deutsche Geschichte, Amerikanische Geschichte, Zeitgeschichte, Geschichtswissenschaft

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung