Künstlerschamanen

Zur Aneignung des Schamanenkonzepts bei Jim Morrison und Joseph Beuys

»Shaman as superstar« – Jim Morrison und Joseph Beuys entwarfen sich selbst als indigene religiöse Spezialisten. Wie kam es dazu? Mit dieser Frage beginnt eine spannende historische Reise entlang der auf erstaunliche Weise diskursiv verknüpften Entstehungswege der Konzepte »Künstler« und »Schamane«. Sie mündet in eine detailreiche Analyse der höchst individuellen und kreativen Weisen, auf die die beiden Künstler sich die Figur des Schamanen und ihren semantischen Kontext aneigneten und in ihre Werke integrierten – und eröffnet eine ungewohnte Perspektive auf zentrale erkenntnistheoretische Fragen der Ethnologie.

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2014-02-06, 248 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2683-4

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Karin Riedl

Karin Riedl, Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland

... mit Karin Riedl

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Weil es einen der Kunstgriffe tut, die die Ethnologie so schön machen: Durch Fremdes aufs Eigene zu blicken und mit Theoriewerkzeugen, die für das Verständnis des ›Fremden‹ erschaffen wurden, das eigene Tun zu begreifen. Und dieses besteht hier in der diskursiven Konstruktion des Fremden, wobei so viel Eigenes ins Fremde sickert, dass das Fremde plötzlich als ideale Metapher fürs Eigene erscheint – eine Geschichte von kollektiver Kreativität, Parallelen und Rückkopplungen, kurz: sehr ästhetisch.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es erweitert die Theorie kultureller Aneignung um den Faktor der intellektuellen Aneignung, die eigentlich jedem Verstehen vorausgeht: Verstehen ist immer Aneignen. Die beiden Protagonisten versteht es nicht, wie üblich, als illustre Einzelgestalten, sondern als Knotenpunkte in einem Netzwerk historischer, intellektueller und kultureller Stränge. ›Break on through‹ und der tote Hase sind nicht nur spontane Individualleistungen, sondern Momente, in die hunderte Jahre Geistesgeschichte kollabieren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Letztlich trägt dieses Buch zur Debatte um ethnologische Fremdrepräsentation bei, da es am Beispiel der Theoriegeschichte des Schamanismus und dessen Rolle in westlicher Geistesgeschichte und Populärkultur aufzeigt, wie ›Fremdes‹ einen Platz in den eigenen Diskursen und Spannungsfeldern zugewiesen bekommt und entsprechende Zuschreibungen erfährt. Die Ethnologie tritt in derlei Prozessen unausweichlich als Akteur auf – ein Faktum, mit dem man reflektierend und affirmativ umgehen sollte.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen, die Jim Morrison für einen Säufer, Joseph Beuys für einen Blender, Schamanismus für ein ausgestorbenes sibirisches Ritual und die Ethnologie für die Wissenschaft von den Trobriand-Inseln halten. Außerdem mit Herrn Thomas Collmer.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es ist eine Magisterarbeit, die zu lang geriet, weil ich ein Krümel aufpickte, an dem die Welt klebte.

»Wer eine gelungene Magisterarbeit lesen möchte, die ihm einen ersten Eindruck von der diskursiven Entwicklung der Figuren des Schamanen und des Künstlers in der westlichen Gesellschaft vermittelt, anregendes Material zu Jim Morrison und Joseph Beuys liefert und zur vertiefenden Beschäftigung ermuntert, dem sei das Buch empfohlen.« Gerhard Mayer, Zeitschrift für Anomalistik, 12 (2014)
»Glänzende ethnologische Studie.«
Carmela Thiele, Deutschlandradio Kultur, 08.04.2014
Autor_in(nen)
Karin Riedl
Buchtitel
Künstlerschamanen Zur Aneignung des Schamanenkonzepts bei Jim Morrison und Joseph Beuys
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
248
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-2683-4
DOI
Warengruppe
1753
BIC-Code
JHMC AC
BISAC-Code
SOC002010 ART015000
THEMA-Code
JHMC AGA
Erscheinungsdatum
2014-02-06
Auflage
1
Themen
Kultur, Kunst
Adressaten
Ethnologie, Soziologie, Kunstgeschichte, Populärkulturforschung, Musikwissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Schamanismus, Jim Morrison, Joseph Beuys, Kulturelle Aneignung, Künstlertum, Künstlerfigur, Religiosität, Spiritualität, Kultur, Kunst, Kulturanthropologie, Ethnologie, Kunstgeschichte, Kunstsoziologie

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