Imaginäre Dörfer

Zur Wiederkehr des Dörflichen in Literatur, Film und Lebenswelt

Das Dorf boomt – die Dörfer sterben. Während die Welt des Dorfes durch globale und regionale Strukturveränderungen zu verschwinden droht, lebt sie gegenwärtig in Literatur, Film und Populärkultur wieder auf.

Den verschiedenen Gestaltungsweisen »imaginärer Dörfer« – von der Idylle bis zum Lager – wird in diesem Band ebenso nachgegangen wie den damit verbundenen Funktionen zwischen Kompensation und Projektion, Erinnerung und Orientierung. Die Beiträge fragen: Ist das Dorf eine Lebens- und Sozialform, die Zukunft hat? Wenn ja: Wie sieht diese aus und auf welche Weise lässt sie sich auf aktuelle und historische Vorstellungen eines guten Lebens beziehen?

Inhalt

  1. Seite 1
  2. Editorial

    Seiten 2 - 4
  3. Inhalt

    Seiten 5 - 10
  4. Vorwort

    Seiten 11 - 12
  5. Imaginationsraum Dorf

    Seiten 13 - 50
  6. Das Dorf (er-)finden Wissensfabrikation zwischen Geschichte und Gedächtnis

    Seiten 53 - 80
  7. Fragile Räume, fragile Körper Überlegungen zur Erforschung ländlicher Gesellschaften

    Seiten 81 - 88
  8. Facetten des Ländlichen aus einer kulturgeographischen Perspektive Die Beispiele Raumplanung und Landmagazine

    Seiten 89 - 110
  9. Dorf und Stadt als idealtypische Konturen und Lebensräume in Ost und West

    Seiten 111 - 136
  10. (R)urbane Landschaften Räume zwischen Stadt und Land entwerfen

    Seiten 137 - 156
  11. Neu-Wilhelmsdorf, Wertheim Village und der Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt Der Einfluss dörflicher Strukturen auf die Architektur der Gegenwart

    Seiten 157 - 174
  12. Die Stadt als Dorf Über die Generalisierung von Nahräumen und ihre Grenzen

    Seiten 175 - 194
  13. Von romantischen Landschaften, sozialistischen Dörfern und neuen Dorfromanen Zur Inszenierung des Dörflichen in der deutschsprachigen Literatur zwischen Vormoderne und Spätmoderne

    Seiten 197 - 224
  14. »Ueberbleibsel der ältern Verfassung« Zur primitivistischen Imagination des Dorfes im 19. Jahrhundert

    Seiten 225 - 246
  15. Heidegger light: Granit der Heimat, Vorschein der Dinge im Dorf Zu einem Phantasma in der Heimat-Literatur der 1930er und 1940er Jahre (erläutert im Umfeld von Imma von Bodmershofs Roman Die Rosse des Urban Roithner)

    Seiten 247 - 266
  16. Eskapismus ins Außerirdische: Das Dorf als post-utopischer Raum in Arno Schmidts KAFF auch Mare Crisium und Jan Brandts Gegen die Welt Auktoriale Selbstinszenierung im Zeichen des Dörflichen

    Seiten 267 - 284
  17. »Es war alles anders, als ich dachte, ganz wie zu Hause« Die Versehrtheit der dörflichen Lebenswelt in der Gegenwartsliteratur am Beispiel der Werke Arnold Stadlers

    Seiten 285 - 308
  18. »Immer schneller die Zeit« Der Verlust dörflicher Strukturen und die veränderte Zeitwahrnehmung in Peter Kurzecks Vorabend

    Seiten 309 - 322
  19. Das Jahrhundertdorf Moritz Rinkes Roman Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel als raumzeitliche Verdichtung deutscher Geschichte im Dorf Worpswede

    Seiten 323 - 338
  20. Die zerstörte Dorfidylle an der österreichischslowenischen Grenze: Maja Haderlaps Engel des V ergessens

    Seiten 339 - 356
  21. »Im Hinterland« Das Dorf im Roman des neuen amerikanischen Realismus

    Seiten 359 - 372
  22. Marketingidylle Michel Houellebecqs Roman La carte et le territoire, oder: Liegt die Zukunft auf dem Lande?

    Seiten 373 - 386
  23. Parodie und Dekonstruktion des Bergdörflichen Vea Kaisers Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam und Ursula Meiers L'enfant d'en haut

    Seiten 387 - 406
  24. Fernsehserien, Ethnoromane, Ethnodörfer Suche nach neuen Sinnhorizonten oder konservative Emanzipation? Das Beispiel Serbien

    Seiten 407 - 424
  25. Das Dorf als Anti-Idylle Polnische literarische und filmische Narrative des Verdrängten

    Seiten 425 - 438
  26. Dorf - dörflicher - Heimat? Zum Politischen in der ungarischen Gegenwartsliteratur und -kultur

    Seiten 439 - 462
  27. Ontologie des Nicht-Mehr Rurale Räume bei Béla Tarr und László Krasznahorkai, oder: Der Mensch in der Landschaft danach?

    Seiten 463 - 480
  28. Rentner, Roma, Resignierte Slowakische Dörfer im Film

    Seiten 481 - 500
  29. Imaginationen des Hinterlands Filmische Inszenierungen ruraler Lebenswelten im zeitgenössischen brasilianischen Kino

    Seiten 501 - 516
  30. Die Wahrheit des Dorfes Zu Michael Hanekes Das weiße Band

    Seiten 517 - 534
  31. Autorinnen und Autoren

    Seiten 535 - 540
  32. Abbildungen

    Seiten 541 - 542
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39,99 € *

2014-07-15, 542 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2684-1

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Werner Nell

Werner Nell, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland

Marc Weiland

Marc Weiland, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland

... mit Werner Nell und Marc Weiland

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Das Dorf ist überall. Als Differenzmarkierung zur modernen Stadt, als erinnerter, romantisierter oder fantasierter Ort, aber auch als Erlebnisraum und Projektionsfläche für Erfahrungen der Enge und Gewalt und, nicht zu vergessen, als immer noch und auch weiterhin bestehende Lebenswelt unzähliger Menschen. Das Buch thematisiert einen Bild- und Erfahrungsbereich, den jeder in der einen oder anderen Form zu kennen vermeint; und der sich in seiner Komplexität doch nicht so einfach fassen lässt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es geht um ambivalente Entwicklungen: Dörfer ›sterben‹ in der Fläche und ›boomen‹ in den Medien. In und mit ihnen werden Fragen des individuellen und kollektiven Erinnerns, der symbolischen und konkreten Raumgestaltung und nicht zuletzt des (nicht) gelingenden Lebens ausgehandelt – und hier erstmals aus einem breiten Spektrum global-vergleichender und interdisziplinärer Perspektiven angesprochen: von Osteuropa bis Nordamerika, von der Literatur über den Film bis zur Landschaftsplanung.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung und Urbanisierung ist die Frage nach dem gegenwärtigen Status des Dörflichen und Lokalen von hoher Relevanz. Dabei geht es nicht nur um Probleme des sozialen, demographischen und transregionalen Wandels. Gerade das Ineinandergreifen von imaginären und realen Raumordnungen und -gestaltungen ländlicher Lebenswelten bildet eine Schnittstelle, an der Literatur- und Kulturwissenschaftler einen produktiven Dialog mit Raumentwicklern eingehen können.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Urbanisten und Landschaftsplanern, mit Demographie-Beiräten und Landlust-Lesern, mit Heimatdichtern und eingefleischten Großstädtern.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Imaginäre Dörfer zeigen die Produktivität einer ›nahen‹ Fremde für Lebensgestaltung und Selbsterkundung.

»Mit seiner Fülle an Perspektiven und Informationen wird [der Band] auf absehbare Zeit ein reichhaltiges Referenzkompendium für all jene bleiben, die sich in den verschiedenen Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften mit Aspekten des Dörflichen/Ländlichen befassen.«
Carsten Rohde, Comparatio, 8/1 (2016)
»Die Vorzüge dieses reichhaltigen Bandes liegen auf der Hand: Er provoziert die Land- und DorfhistorikerInnen dazu, sich stärker den mentalen und literarischen Konstruktionen des Dorfes zuzuwenden, er weitet den Blick auf literaturhistorische Dimensionen und die literaturtheoretische Konstruktion von vermeintlich ›realen‹ Schilderungen – die aber immer wieder autobiographisch gespeist waren. Er weitet den Blick auf europäische literarische Landschaften.«
Clemens Zimmermann, Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, 2 (2015)
»Eine Fundgrube nicht nur für zahlreiche Literatur-, Film- und Musikanregungen zu Dörfern und ländlichen Regionen, sondern auch für weitergehende Forschungsfragen zur Entwicklung und Repräsentation ländlicher Räume. Das besondere Verdienst des Sammelbandes ist es, den Blick auf Raumproduktionen im ländlichen Kontext zu lenken. Gerade angesichts der boomenden Stadtforschung stellt sich die Frage nach der Bestimmung von Räumen, die nicht als Städte, sondern als deren Gegenbild bezeichnet werden können.«
Matthias Naumann, Erdkunde, 1 (2015)
»Ein [...] anregender und empfehlenswerter Band.«
Tobias Preising, Planerin, 1 (2015)
Besprochen in:

www.hhprinzler.de, 29.08.2014, Hans Helmut Prinzler
GMK-Newsletter, 9 (2014)
MDR Figaro, 08.08.2014
Stadt und Raum, 6 (2014)
Fraunhofer IRB, 11 (2014)
Scientia Halensis, 2 (2015), Margarete Wein
Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, 2 (2015), Clemens Zimmermann
Autor_in(nen)
Werner Nell / Marc Weiland (Hg.)
Buchtitel
Imaginäre Dörfer Zur Wiederkehr des Dörflichen in Literatur, Film und Lebenswelt
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
542
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-2684-1
DOI
Warengruppe
1562
BIC-Code
DSB JFD APFA RGC
BISAC-Code
LIT000000 PER004030 SOC015000
THEMA-Code
DSB JBCT ATF RGC
Erscheinungsdatum
2014-07-15
Auflage
1
Themen
Raum, Film, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Komparatistik, Germanistik, Soziologie, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Sozialgeschichte sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Literatur, Film, Dorf, Heimat, Idylle, Regionale Identität, Identitätsstudien, Raum, Allgemeine Literaturwissenschaft, Sozialgeographie, Literaturwissenschaft

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