Humane Rationalisierung?

Die Raumordnung der Fabrik im fordistischen Jahrhundert

In der Arbeitswissenschaft und in der Fabrikpraxis rückte eine Frage nach 1910 ins Zentrum: Wie kann der Faktor Mensch effektiv in die Produktion eingebracht werden? Zugespitzt: Wie werden aus apathischen Arbeitern interessierte Mitarbeiter? Karsten Uhl korrigiert in seiner Geschichte der Fabrik im 20. Jahrhundert unser Bild des Taylorismus und Fordismus, indem er nachweist, dass Unternehmen seit den 1920er Jahren ergänzend zu Disziplinierungsformen die Selbstverantwortung der Arbeiter_innen förderten. Er zeigt, dass die Subjektivität der Arbeitenden beides war: Störgröße und Potenzial. Rationalisierung und Humanisierung wurden bei der Gestaltung des Lebens- und Arbeitsraums Fabrik miteinander verknüpft.

39,99 € *

2014-05-19, 404 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2756-5

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Karsten Uhl

Karsten Uhl, Technische Universität Darmstadt/Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland

... mit Karsten Uhl

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Die Fabrik prägte auf verschiedene Weisen das 20. Jahrhundert: als Arbeits- und Lebensraum eines großen Teils der Bevölkerung, aber auch als Ort der Repräsentation von Technik und Arbeit. In den letzten 20 Jahren schien es, als habe die Geschichte der Industriearbeit ihre zentrale Rolle innerhalb der Geschichtswissenschaft zu großen Teilen verloren. Seit einiger Zeit erfolgt eine Neuorientierung – an dieser Stelle setzt mein Buch an und beschreitet neue Wege.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ich untersuche die Fabrik als Raum samt seiner Machtwirkungen, wofür sich insbesondere die oft vernachlässigte Quellengattung des Fotos als sehr ergiebig erwies. Darauf basierend ist es mir möglich, das vorherrschende Bild des Taylorismus und des Fordismus zu korrigieren: Die Disziplinierung der Arbeiter war zwar ein wichtiges Element, aber schon im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war das Management stark an der Nutzbarmachung subjektiver Potenziale der Arbeiter interessiert.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In methodischer Hinsicht profitiert mein Buch von den Anregungen der Visual History. Gleichzeitig will es aufzeigen, welche Möglichkeiten das Bild als Quelle für die kultur- wie sozialhistorische Forschung bietet. Weiterhin leistet die Studie einen Beitrag zur Geschichte der Subjektivität, verstanden als das Spannungsverhältnis zwischen Selbstbildungen und Selbstkontrolle. Übergreifend geht es um die Frage der Periodisierung, also um das Verhältnis von Fordismus zu Post-Fordismus.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Die Geschichte der Industriearbeit und die Alltagsgeschichte würden ohne die Impulse Alf Lüdtkes anders aussehen. Obwohl ich methodisch zu großen Teilen andere Wege gehe, waren seine Studien, insbesondere diejenigen zum Eigen-Sinn, für meine Forschung von enormer Bedeutung. Es wäre sehr reizvoll, mit Lüdtke das Verhältnis von Struktur und Agency/Handlungsmacht zu diskutieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ein neuer Blick auf die Geschichte der Fabrikarbeit zeigt, wie der Post-Fordismus im Fordismus heranwuchs.

»Uhl hat ein überaus lesenswertes Buch vorgelegt.
Wer sich mit ›spatial history‹ oder aber der Produktion von Räumen beschäftigt, wird um dieses Buch zukünftig nicht herumkommen.«
Alexandra Oberländer, Technikgeschichte, 84/1 (2017)
»It is peculiar that before the publication in 2014 of Karsten Uhl's groundbreaking study on spatial order in German industry in the twentieth century, none of the scholars who specialize in the history of rationalization or ›Fordism‹ in Germany and North America seem to have considered the role that photography played in this context.«
Ulrich Prehn, Central European History, 48 (2015)
»Aus einer genuin historischen Perspektive hinterfragt Uhl überaus gewinnbringend vorgebliche Gewissheiten und wartet mit empirisch gut begründeten Gegenthesen zu landläufigen Erklärungsmodellen auf.«
Jonathan Voges, Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, 61 (2016)
»Dem Buch [gelingt es], eine lange Tradition subjektivierender Techniken in der Fabrikorganisation aufzuzeigen, die von den frühen 1920er-Jahren bis ins 21. Jahrhundert reicht. Das ist ein wichtiger Befund, der weite Beachtung verdient.«
Jörg Neuheiser, Archiv für Sozialgeschichte, 56 (2016)
»Insgesamt ist ein anregender Band zur deutschen (und europäischen) Industriegeschichte entstanden, der transatlantische Einflüsse (Stichwort: Amerikanisierung) ebenso zutreffend charakterisiert wie er das binnenländische Bild menschenverachtender Industrieprozesse grundlegend zu korrigieren vermag.«
Wolfgang Wüst, Neue Politische Literatur, 60 (2015)
»Die Studie führt dem Leser die Notwendigkeit vor Augen, weitreichende Thesen über die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise auch anhand konkreter Untersuchungen auf der Mikro-Ebene auszudifferenzieren. Die Geschichtswissenschaft kann dadurch soziologische Theorien modifizieren helfen, auf die Uhl in seiner Untersuchung immer wieder Bezug nimmt. Damit entfaltet sie auch ihre Erkenntniskraft für ein Verständnis der Gegenwart.«
Sebastian Voigt, www.sehepunkte.de, 16/1 (2016)
»Alle Abschnitte des Buches sind intensiv erarbeitet, so dass es ein Genuss ist, jede einzelne Seite zu lesen. Seine Bildinterpretationen sind eindringlich und in jeder Hinsicht vorbildlich.
Das Buch von Karsten Uhl sollte als Standardwerk Eingang in die universitäre Lehre finden.«
Richard Vahrenkamp, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 102/2 (2015)
»Spannend und innovativ.«
Rüdiger Hachtmann, H-Soz-u-Kult, 18.09.2014
»Auf lesenswerte und beeindruckende Weise transparent wird [...], dass keines der dominanten Modelle von allen Unternehmen zu allen Zeiten angewandt wurde, dass sich arbeits- und sozialwissenschaftliche Paradigmata bei genauerem Hinsehen immer als gebrochen und durchbrochen darstellen.«
Hans-Werner Franz, Soziologie heute, 8 (2014)
Besprochen in:
RKW Bücherdienst, 3 (2014)
Technikgeschichte, 84/1 (2017), Denise Ruisinger
Autor_in(nen)
Karsten Uhl
Buchtitel
Humane Rationalisierung? Die Raumordnung der Fabrik im fordistischen Jahrhundert
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
404
Ausstattung
kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN
978-3-8376-2756-5
DOI
Warengruppe
1781
BIC-Code
KCZ HBTB TBX
BISAC-Code
BUS023000 HIS054000 TEC056000
THEMA-Code
KCZ NHTB TBX
Erscheinungsdatum
2014-05-19
Auflage
1
Themen
Wirtschaft, Körper, Arbeit
Adressaten
Geschichte, Soziologie, Kulturwissenschaft, Arbeitswissenschaft
Schlagworte
Taylorismus, Fordismus, Industriearbeit, Klöckner-Humboldt-Deutz, Stollwerck, Augsburger Kammgarn-Spinnerei, Arbeit, Wirtschaft, Körper, Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte, Technikgeschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Geschichtswissenschaft

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung