Medizinische Gewalt

Elektrotherapie, elektrischer Stuhl und psychiatrische »Elektroschocktherapie« in den USA, 1890-1950

Die »Elektroschocktherapie« (EST) erlebt aktuell auch in Deutschland ein – wenn auch hoch umstrittenes – Comeback.

Markus Hedrich spürt den hiermit verbundenen diskursiven Verflechtungen von Körper, Elektrizität und staatlicher Gewalt nach. Er zeigt, dass der elektrische Stuhl 1890 eine Folgeentwicklung aus der psychiatrischen Elektrotherapie war – und wiederum ab 1940 die Einführung der EST in den USA befördert hat. Streng restringierte Krankenakten erlauben zudem erstmals eine Analyse der »Elektroschocktherapie« im forensischen Stationsalltag, was tiefe Einblicke in die Dialektik von staatlicher Gewalt und Individuum – und damit in die conditio humana – erlaubt.

34,99 € *

2014-09-05, 346 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2802-9

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Markus Hedrich

Markus Hedrich, Hamburg, Deutschland

... mit Markus Hedrich

1. «Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Bücher sind immer relevant und haben das Potential, die Welt zu verändern!

Die vorliegende Arbeit versucht unter Anleitung eines Betreuers, der weltweit zu den Besten zählt, durch die Entwicklung eines kritisch-emanzipatorischen Wissens in US-amerikanische Gewaltdiskurse (Todesstrafe & ›Elektroschocktherapie‹) zu intervenieren.

Demokratische Gesellschaften haben die Fähigkeit zur Selbstregulierung und wenn Bücher hier einen Beitrag leisten, ist schon viel gewonnen. Ob unser Buch dies allerdings zu leisten vermag, müssen aber andere entscheiden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In der medizinwissenschaftlichen Forschung zur ›Elektroschocktherapie‹ (EST) werden vielfach nur die angeblichen Positiveffekte betont. Die Analyse streng restringierter Krankenakten konnte hingegen zeigen, dass die EST im Stationsalltag konsequent als behavioristische Maximalstrafe (Stichwort: ›aktive Unterwerfung‹) appliziert wurde, die deutlich nach Geschlecht diskriminierte (bis zu 90% Frauen) und zu teils schwerwiegenden Gedächtnisschäden führte. Das liest sich anders, als viele medizinische Publikationen; die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit stehen hierzu gleichsam quer.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Eine Debatte zum Thema ›Elektroschocktherapie‹ wird in Deutschland kaum geführt; wissenschaftlich ist das Thema von den Universitätskliniken besetzt, also jenen Institutionen, die die EST auch applizieren. Problematisch ist dabei, dass viele Bürger, mit denen ich über das Thema diskutierte, gar nicht wussten, dass die EST heute wieder angewandt wird.

Insofern wäre ein öffentlicher Diskurs über die EST, der Psychiatrie, ›Ethik der Medizin‹, aber auch die Geschichtswissenschaften einschließen könnte, wünschenswert, um den Standort der EST – und damit auch unser zivilisatorisches Selbstverständnis – neu und aktiv zu bestimmen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den Psychiatern des Weill Cornell Medical Centers der Cornell University in New York City, die in ihrem spannenden ›Richardson Seminar‹ die neuesten Entwicklungen der Medizin- und Psychiatriegeschichte debattieren.

Hierher kommen die Ärzte direkt von ihren Stationen, um vor dem Hintergrund ihrer klinischen Erfahrung angeregt medizingeschichtliche Vorträge zu diskutieren – und so über die Geschichte ethische Debatten zu ihrem aktuellen Klinikalltag zu führen. So wird Geschichte nicht nur plastisch, sie wird auch produktiv!

5. Ihr Buch in einem Satz:

Der elektrische Stuhl hat sich aus der psychiatrischen Anstalts-Elektrotherapie entwickelt und wirkte später katalysierend auf diese zurück, was die Einführung der ›Elektroschocktherapie‹ auch in den USA befördert hat.

Besprochen in:

Legal Tribune online, 18.11.2014, Martin Rath
Spiegel Online, 03.08.2015, Katja Iken
InFo Neurologie & Psychiatrie, 8 (2015)
Autor_in(nen)
Markus Hedrich
Buchtitel
Medizinische Gewalt Elektrotherapie, elektrischer Stuhl und psychiatrische »Elektroschocktherapie« in den USA, 1890-1950
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
346
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-2802-9
DOI
10.14361/transcript.9783839428023
Warengruppe
1691
BIC-Code
MBX PDX HBJK
BISAC-Code
MED051000 SCI034000 HIS036000
THEMA-Code
MBX PDX NHK
Erscheinungsdatum
2014-09-05
Auflage
1
Themen
Medizin, Wissenschaft, Gewalt
Adressaten
Geschichtswissenschaft, Medizingeschichte, Medizinethik, Amerikanistik sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Todesstrafe, Elektrischer Stuhl, Elektroschocktherapie, USA, New York, Medizingeschichte, Medizin, Wissenschaft, Gewalt, Wissenschaftsgeschichte, Amerikanische Geschichte, Amerika, Geschichtswissenschaft

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