Liebessemantik und Sozialstruktur

Transformationen in Japan von 1600 bis 1920

Nach dem Muster von Niklas Luhmanns Analysen in »Liebe als Passion« analysiert Takemitsu Morikawa den Wandel der Liebessemantik in Japan im Übergang von stratifikatorischer zu funktionaler Gesellschaftsdifferenzierung: von der Frühen Neuzeit bis ca. 1920. In Auseinandersetzung mit Texten der literarischen Tradition Japans (beispielsweise Romanen, Novellen, Erzählungen und Dramen) fragt er, inwieweit sich Luhmanns theoretische Konstruktion des wechselseitigen Verhältnisses von Evolution der Semantik einerseits und Differenzierung der Gesellschaft andererseits im japanischen Kontext bewährt.

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2015-01-13, 320 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2832-6

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Takemitsu Morikawa

Takemitsu Morikawa, Keio University (Tokio), Japan

... mit Takemitsu Morikawa

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Niklas Luhmann thematisierte die gegenseitig bedingte, soziokulturelle Evolution der Semantik und der Struktur in seinem wissenssoziologischen Werk. Dieses Buch ist ein erstes Experiment, seine Analyse auf eine Gesellschaft in einem anderen Kulturkreis anzuwenden. Seine Theorie ist m.E. zu der Aufgabe, den Gesellschaftsumbruch in Japan in die Moderne zu beschreiben, geeigneter als die von Karl Marx, Max Weber, Talcot Parsons und Pierre Bourdieu.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die nicht oktroyierte, sondern dem Markt überlassene Wissensproduktion und -zirkulation schuf im frühneuzeitlichen Japan mehr Spielraum für die Variation von Gedankengütern. Die gut entwickelten Kommunikationsformen sowie die Gewohnheit der extensiven Lektüre weisen auf die Ideenevolution (der Semantik) und auf den Umbruch der stratifizierten zur funktional differenzierten Gesellschaft hin. Es ist sehr spannend, dass sich dieser Wandel in einem anscheinend politisch total abgeschlossenen Land vollzog.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die im Buch beschriebenen kultur-, medien- und literaturhistorischen Tatsachen wurden zwar von etlichen Japanologen erforscht, ihre gesellschaftstheoretische Relevanz blieb bislang jedoch in der Soziologie weitgehend unreflektiert. Weder in den zivilisationstheoretischen Arbeiten des weltbekannten israelischen Soziologen S.N. Eisenstadt noch in der parsonianischen Beschreibung der Modernisierung Japans durch den japanischen Soziologen Ken'ichi Tominaga finden entsprechende Überlegungen Platz.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

S.N. Eisenstadt und Niklas Luhmann. Leider sind die beiden heute schon verstorben. Eisenstadt pflegte zu sagen: ›Japan ist ein großes Rätsel für Sozialwissenschaftler‹. Denn Japans Modernisierung fand in einem nicht-westlichen Land einer Nicht-Achsen-Zivilisation statt. Luhmann wies in seiner Gesellschaftstheorie der Etablierung des Büchermarkts eine große Relevanz für die soziokulturelle Evolution zu, er übersah jedoch Japan und hielt diese für ein spezifisch westeuropäisches Phänomen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Dieses Buch mag als kommunikations- und systemtheoretische Antwort auf das Rätsel Japans im oben genannten Sinne aufgefasst werden.

Besprochen in:
Sociologia Internationalis, 53/2 (2017), Christian Tagsold
Autor_in(nen)
Takemitsu Morikawa
Buchtitel
Liebessemantik und Sozialstruktur Transformationen in Japan von 1600 bis 1920
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
320
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-2832-6
DOI
10.14361/transcript.9783839428320
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFC HBTB HBJF
BISAC-Code
SOC022000 HIS054000 HIS003000
THEMA-Code
JBCC NHTB NHF
Erscheinungsdatum
2015-01-13
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte
Adressaten
Soziologie, Japanologie, Literaturwissenschaften
Schlagworte
Liebe, Semantik, Medien, Gesellschaftsstruktur, Modernisierung, Japan, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Soziologie, Kulturgeschichte, Kultursoziologie, Asiatische Geschichte, Asien

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