Wiedererzählen

Formen und Funktionen einer kulturellen Praxis

Das mehrfache Erzählen der gleichen Geschichte hat einen festen Platz in unserem Alltag und in unserer Kultur – sei es als Anekdote im Freundeskreis, als wiederholte Erzählung der Krankheitsgeschichte im Arzt-Patient-Gespräch oder auch als literarische Bearbeitung. Umso erstaunlicher ist es, dass dieses Phänomen bisher noch nicht Gegenstand interdisziplinärer Forschung war.

Die Beiträge des Bandes behandeln das Wiedererzählen aus den Blickwinkeln verschiedener Forschungsrichtungen und beleuchten die Formen und Funktionen von Konstanz und Variation in den unterschiedlichen Erzählversionen in Zusammenhang mit ihren jeweils spezifischen Gesprächs- bzw. Entstehungskontexten.

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2015-07-02, 384 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2851-7

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Elke Schumann

Elke Schumann, Universität Freiburg, Deutschland

Elisabeth Gülich

Elisabeth Gülich, Universität Bielefeld, Deutschland

Gabriele Lucius-Hoene

Gabriele Lucius-Hoene, Universität Freiburg, Deutschland

Stefan Pfänder

Stefan Pfänder, Universität Freiburg, Deutschland

... mit Elke Schumann

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Warum eigentlich erzählen wir manche Ereignisse mehrfach? Weil wir von anderen dazu befragt werden, weil es in manchen Situationen eben ›passt‹, weil wir es einfach wollen. Dabei entstehen Versionen, die sich mehr oder weniger unterscheiden können. Aber warum eigentlich? Was wird denn verändert und wozu? Und was bleibt gleich bzw. muss vielleicht sogar gleich bleiben?

Das Buch beleuchtet diese Fragen – und eröffnet zugleich neue.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Wiedererzählen ist eine Praxis, die unser Leben und unsere Kultur durchdringt. Die Beiträge des Bandes machen erstmals die zahlreichen Facetten dieser Praxis aus verschiedenen Forschungsperspektiven sichtbar, denn sie zeigen, wie konzeptuelle Parallelen bzw. wechselseitige Impulse zwischen einzelnen Disziplinen entstehen können (z.B. zwischen Psychologie und Sprachwissenschaft). Deutlich wird außerdem die praktische Relevanz, die mit spezifischen Sichtweisen auf das Wiedererzählen verbunden sein kann (z.B. während eines Asylverfahrens).

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Phänomen ›Wiedererzählen‹ bietet Anschluss für Fragestellungen in verschiedenen Disziplinen, z.B.:

- Sprachwissenschaft: Herausbildung vorgeformter Sprachstrukturen, Adressatenorientierung

- Psychologie: Funktionalität bei der Verarbeitung von Erfahrungen – insbesondere traumatischen Erlebnissen, Rekonstruktion von Erinnerungen.

Die Forschung zum Wiedererzählen legt damit eine multidisziplinäre Herangehensweise nicht nur nahe, sondern erfordert sie geradezu.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Gedächtnispsychologen, Literaturwissenschaftlern, Richtern, Psychotherapeuten, Filmemachern, Schauspielern, Firmenchefs – und auch anderen Linguisten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Phänomen ›Wiedererzählen‹ wird aus verschiedenen fachlichen Perspektiven analysiert; der Fokus liegt auf Ähnlichkeiten und Unterschieden in den Erzählversionen und ihren Bedeutungen.

»Für all jene, die es lieben, sich präzise und detailliert in ein Thema zu vergraben, ist dieser Band eine Oase.«
Ulrich Thiele, Szene Hamburg, 4 (2018)
»Nicht zuletzt in einer solchen Konzeptualisierung von Wiedererzählungen als kultureller Praxis zeigt sich die Komplexität des Untersuchungsfeldes, in dessen formale und funktionale Vielfalt der vorliegende Sammelband LeserInnen aus unterschiedlichen Disziplinen wertvolle Einblicke eröffnet.«
Katharina König, Gesprächsforschung, 17 (2016)
Besprochen in:
Volkskunde, 1 (2016)
Buchtitel
Wiedererzählen Formen und Funktionen einer kulturellen Praxis
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
384
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-2851-7
DOI
10.14361/9783839428511
Warengruppe
1561
BIC-Code
CF JFC JMH
BISAC-Code
LAN009000 SOC022000 PSY031000
THEMA-Code
CF JBCC JMH
Erscheinungsdatum
2015-07-02
Auflage
1
Themen
Kultur, Sprache
Adressaten
Biographie- und Gesprächsforschung, Journalistik, Linguistik, Literaturwissenschaft, Medizin, Psychologie, Psychosomatik, Rechtswissenschaft, Soziologie
Schlagworte
Biographie, Erinnern, Erzählen, Interaktion, Interview, Kulturwissenschaft, Sprache, Kultur, Sprachwissenschaft, Cultural Studies, Sozialpsychologie, Kulturanthropologie

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