Medienkonkurrenzen um 2000

Affekte, Finanzkrisen und Geschlechtermythen in Roman, Film und Theater

Was haben Charlotte Roches Romane mit Elfriede Jelineks Werk oder mit Hermann Nitschs Orgien-Mysterien-Theater gemeinsam? Können Finanzkrisenromane gesellschaftspolitisch etwas leisten, was ein Film wie »Wall Street« nicht kann? Was hat die Filmheldin Lara Croft gegen Kleists Bühnen-Penthesilea und gegen ihre amazonischen Schwestern im Roman aufzubieten?

Nadja Urbani beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die traditionellen Künste Roman, Film und Theater in der heutigen Medienlandschaft gegeneinander behaupten können. Anhand dreier Dimensionen – des Ekelaffekts, der Finanzkrise und der Amazonenfiguren – präsentiert sie eine Medienkonkurrenzanalyse der »ernsten« und »unterhaltenden« Kunst. Dabei wird deutlich: Die Blätter des Romans, die Bilder des Films und die Bretter des Theaters bringen ein jeweils unterschiedliches und zugleich intermediales Kunsterleben hervor – ekelhaft, krisengeschüttelt und sagenhaft zugleich.

Auszeichnung

Preis der Stiftung Kommunikations- und Medienwissenschaften 2015

Inhalt

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 6
  3. Einleitung

    Seiten 7 - 34
  4. 1. Die Theorie des Romans: Eine literarische Gattung im Spannungsfeld der Medien und anderer Gattungen

    Seiten 37 - 66
  5. 2. Filmtheorie: Das Kino der Bewegung und der Zeit

    Seiten 67 - 98
  6. 3. Flüchtiger Elementarkontakt: Die Theorie des Theaters

    Seiten 99 - 126
  7. 4. Resümee: Medienkonkurrenzen und -differenzen auf theoretischer Ebene

    Seiten 127 - 130
  8. Das Motiv des Ekels und Ekelprovokationen in Roman, Film und Theater

    Seiten 133 - 138
  9. 1. Nausea et Taedium Ekelphänomene im Roman

    Seiten 139 - 168
  10. 2. Anziehend abstoßend Der Ekelaffekt im Film

    Seiten 169 - 206
  11. 3. Die performative Beschmutzung Ekeltheater

    Seiten 207 - 238
  12. 4. Resümee: Ekelhaft! Ad honorem litera

    Seiten 239 - 242
  13. Darstellungen der Finanz- und Weltwirtschaftskrise in Roman, Film und Theater

    Seiten 245 - 248
  14. 1. Didaktische Reflexionen und Erklärungen Die Finanzkrise im Roman

    Seiten 249 - 288
  15. 2. Die Gesichter der Täter und Opfer. Finanz- und Wirtschaftskrise im Film

    Seiten 289 - 328
  16. 3. Die kollektive Empörung Geprobter Aufstand im Finanzkrisen-Theater

    Seiten 329 - 366
  17. 4. Resümee. Krisengeschüttelte Ästhetik

    Seiten 367 - 368
  18. Amazonenfiguren in Roman, Film und Theater

    Seiten 371 - 376
  19. 1. Mit doppelter Klinge. Amazonen im Roman

    Seiten 377 - 408
  20. 2. Kampfbereit. Filmische Amazonen in der Medienkonkurrenz

    Seiten 409 - 446
  21. 3. Etwas Drittes und auch Viertes. Amazonen im Theater

    Seiten 447 - 472
  22. 4. Resümee. Sagenhaft emanzipierte Frauen

    Seiten 473 - 474
  23. Schlussbetrachtung. Mediale Erregungspotenziale um 2000

    Seiten 477 - 488
  24. Quellen

    Seiten 489 - 492
  25. Literatur

    Seiten 493 - 520
  26. Abbildungsverzeichnis

    Seiten 521 - 524
  27. Danke

    Seiten 525 - 528
Mehr
49,99 € *

2015-06-16, 528 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3047-3

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Nadja Urbani

Nadja Urbani, Lektorin, Stuttgart, Deutschland

... mit Nadja Urbani

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Auch wenn wir unsere Zeit mehr und mehr im Internet verbringen, liest fast jeder gerne Romane, schaut Filme oder geht noch ins Theater. Wir konsumieren Medien, das bereichert unser Leben. Doch es ist nur zeitgemäß, sich vom Konsumenten zum selbstbewussten Mediennutzer aufzuschwingen, sich Gedanken zu machen: Was ist es eigentlich, das mich in eine fremde Welt, in den Roman, Film oder ins Theater zieht?

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es eröffnet gleich drei Perspektiven, genauer: drei Dimensionen. Die erste Dimension fragt danach, welche gesellschaftspolitischen Potenziale die Medien entfalten können. Konkret: Wie wurde die Finanzkrise künstlerisch verarbeitet? Die zweite Dimension zielt auf unsere Gefühle, auf den stärksten menschlichen Affekt ab – den Ekel. Warum schüttelt es uns an bestimmten Stellen im Roman, warum können wir bestimmte Filmbilder und Theaterszenen so schwer ertragen und sind dennoch so angezogen davon? Und drittens untersucht das Buch die älteste Funktion von Kunst: Mythen zu tradieren. Besonders faszinierend fand ich, wie unterschiedlich Roman, Film und Theater den Mythos der Amazonen umsetzen. Welche Amazone zieht Sie mehr in ihren Bann: Lara Croft oder Penthesilea? Warum das so ist, liegt in der Konkurrenz der Medien begründet.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Der Begriff der Medienkonkurrenzen fiel bislang nur aus ökonomischer Perspektive. Viel spannender als Verkaufs- und Zuschauerzahlen ist aber die Frage, was Roman, Film und Theater Spezifisches aufzubieten haben, um sich in der aktuellen Medienlandschaft behaupten zu können. Werden sie sich veralten oder gibt es Elemente, die das Kunsterleben des Lesers und Zuschauers so intensivieren, dass Roman, Film und Theater quasi unsterblich sind?

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Da nahezu jeder von uns Medien nutzt und Kunst erlebt, kann jeder mitdiskutieren. Spannend fände ich es auch, mit den Kunstschaffenden selbst über ihr jeweiliges Medium und die Konkurrenz zu den anderen Medien zu sprechen. Natürlich spielt bei der Wahl für eine bestimmte Kunstform individuelles Talent eine Rolle, aber darüber hinaus bleibt doch die Frage: Warum dreht beispielsweise Tom Tykwer Filme, warum macht Castorf im wahrsten Sinne des Wortes Theater, warum greift Charlotte Roche zum Stift bzw. Notebook?

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es bietet erstens ein umfassendes Theoriegerüst zu Roman, Film, Theater; zweitens ergründet es in einer großen Korpusanalyse die Dimensionen, aus denen sich jedes Kunstwerk speist; und drittens ist es zugleich fundiert und unterhaltsam zu lesen – für Wissenschaftler, Kunstschaffende und für aufgeklärte Mediennutzer.

Besprochen in:

GMK-Newsletter, 8 (2015)
Autor_in(nen)
Nadja Urbani
Buchtitel
Medienkonkurrenzen um 2000 Affekte, Finanzkrisen und Geschlechtermythen in Roman, Film und Theater
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
528
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-3047-3
DOI
Warengruppe
1744
BIC-Code
JFD DSB APFA
BISAC-Code
SOC052000 LIT000000 PER004030
THEMA-Code
JBCT DSB ATF
Erscheinungsdatum
2015-06-16
Auflage
1
Themen
Medien, Theater, Film, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Theaterwissenschaft, Gender Studies, Filmwissenschaft sowie Praktiker_innen aus den Bereichen Film, Theater, Literatur, Medien, Trendforschung und die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Medienkonkurrenz, Roman, Film, Theater, Ekel, Wirtschaftskrise, Amazonen, Mythos, Affekt, Präsenz, Medien, Literatur, Medienästhetik, Allgemeine Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Medienwissenschaft

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