Undeutsch

Die Konstruktion des Anderen in der postmigrantischen Gesellschaft

Nach Jahrzehnten scheinbarer Stabilität stolpert Europa in jüngster Zeit von Krise zu Krise. Hier zeigen sich die Folgen einer einseitigen Geschichtsaufarbeitung, die nach dem Mauerfall postfaschistische und postsozialistische Narrative zu einer westlich-kapitalistischen Erfolgsgeschichte verband, während die koloniale Vergangenheit unbeachtet blieb.

Fatima El-Tayeb zeigt die Auswirkungen dieses Prozesses anhand des Beispiels deutscher Identität: Immer wieder werden rassifizierte Gruppen – insbesondere Schwarze, Roma und Muslime – als »undeutsch« produziert, als Gruppen, die nicht nur nicht zur nationalen Gemeinschaft gehören, sondern diese durch ihre Anwesenheit gefährden. Ein postmigrantisches Deutschland braucht daher nicht nur neue Zukunftsvisionen, sondern auch neue Vergangenheitsnarrative.

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2016-09-22, 256 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3074-9

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Fatima El-Tayeb

Fatima El-Tayeb, University of California, San Diego, USA

... mit Fatima El-Tayeb

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die Frage nach deutscher Identität – wer als zugehörig gilt und wer ausgeschlossen bleibt – ist heute ebenso wichtig wie verfahren. Notwendiger denn je sind darum Ansätze, denen es nicht um Ausgrenzung geht, sondern darum zu zeigen, dass deutsche Identitäten immer im Plural existierten und dies auch in Zukunft können, sogar müssen.

2. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen gesellschaftlichen Debatten zu?

Fragen nach deutscher ›Leitkultur‹, ›westlichen Werten‹, der Integrierbarkeit von minorisierten Gruppen und der Rolle des Islam in Europa bestimmen heute Diskussionen um Deutschlands Zukunft. Dabei erscheint es oft, als ließen sich alle gesellschaftlichen Probleme in als ›undeutsch‹ marginalisierten Gruppen lokalisieren. Probleme mit dem Zusammenleben haben also angeblich nur diejenigen, die nicht (richtig) deutsch sind. Wie genau diese Gruppe bestimmt wird – ›Gastarbeiter‹, ›Muslime‹, ›Flüchtlinge‹ – ändert sich zwar, das Prinzip bleibt aber das gleiche: Schuld sind immer die Anderen. Die Haltung der Mehrheit als Ursprung der Konflikte bleibt so unhinterfragt.

3. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

»Undeutsch« untersucht das vereinigte Deutschland als postsozialistischen, postfaschistischen und postkolonialen Raum und zeigt, dass diese scheinbar überwundenen Systeme sich nicht nur auf teils unerwartete Art überschnitten, sondern unsere Gegenwart und damit auch unsere Zukunftsvisionen noch immer prägen – sei es im Umgang mit ›Weltkultur‹ in deutschen Museen, mit Geflüchteten heute, 1989 und 1919 oder mit dem Verhältnis von deutsch, weiß und christlich.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?

Gegenwärtige Auseinandersetzungen um deutsche Identität und die ›Integration‹ von Minderheiten werden oft als gänzlich neue Phänomene behandelt. Eine historische Perspektive macht deutlich, dass sich vielmehr bestimmte Themen regelmäßig wiederholen und sie zeigt, warum dies der Fall ist, warum die Ausgrenzung rassifizierter Gruppen nach wie vor nötig ist, um deutsche Identität zu stabilisieren. Damit wird auch klar, dass dieser Prozess aus der Mitte der Gesellschaft heraus verändert werden muss.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit meinen Neffen.

6. Ihr Buch in einem Satz:

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde

»Ein Buch größter Relevanz und extrem lesenswert!«
Esther van Lück/Eddi Steinfeldt-Mehrtens, www.kritisch-lesen.de, 10.10.2017
»Sehr lesenswert.«
Ansgar Drücker, Außerschulische Bildung, 2 (2017)
»Die Arbeit leistet einen immens wichtigen Beitrag dazu, Ausgrenzung und Rassismus als Phänomen der deutschen und europäischen Gesellschaft zu begreifen und analysiert auf beeindruckende Weise die strukturellen Probleme und die Muster, nach denen diese erfolgt.«
Verena Becker, BDS-Newsletter, 1 (2017)
In einer Zeit, in der Pegida und AfD mit rassistischen Ressentiments Massen mobilisieren und massiven Einfluss auf den politischen Diskurs bis hin zur Verschärfung von Asylgesetzen ausüben, ist El-Tayebs Analyse richtig und wichtig.«
Patrick Helber, iz3w, 1/2 (2017)
»Ein überaus wichtiges Buch.«
Matthias Lemke, Portal für Politikwissenschaft, 08.12.2016
»Weiße Wissenschaft und gesellschaftlicher Rassismus gehen Hand in Hand, und Rassismus-Forschung ist in Deutschland nach wie vor verpönt. Warum sie aber notwendig ist, zeigt Fatima El-Tayeb in ihrem Buch – nicht einfach zu lesen, aber wichtig.«
Thomas Feltes, Polizei-Newsletter, 05.10.2015
Besprochen in:
http://bundespresseportal.de, 05.10.2016
Deutschlandfunk – Andruck, 28.11.2016, Norbert Seitz
www.socialnet.de, 02.12.2016, Wolfgang Berg
Der Tagesspiegel, 04.12.2016
Autor_in(nen)
Fatima El-Tayeb
Buchtitel
Undeutsch Die Konstruktion des Anderen in der postmigrantischen Gesellschaft
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
256
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3074-9
DOI
Warengruppe
1510
BIC-Code
HBTR JFSL JFFN
BISAC-Code
POL045000 SOC031000 SOC007000
THEMA-Code
NHTR JBSL1 JBFH
Erscheinungsdatum
2016-09-22
Auflage
1
Themen
Postkolonialismus, Flucht, Rassismus, Migration
Adressaten
Migrationsforschung, Postkoloniale Studien, Antirassismus, Kulturwissenschaften, Geschichtswissenschaft, Gender Studies sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Deutschland, Kolonialismus, Rassismus, Islamophobie, Antisemitismus, Migration, Erinnerungsdiskurs, Postkolonialismus, Europa, Kulturwissenschaft

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