Auf der Suche nach dem Nordischen Menschen

Die deutsche Rassenanthropologie in der modernen Welt

Die Industrialisierung setzte im 19. Jahrhundert Ängste vor einem biologischen und sozialen Zerfall moderner Gesellschaften frei, die vor der Wissenschaft nicht Halt machten. So versuchte die Rassenbiologie noch bis in die 1980er Jahre, durch aufwendige anthropologische Vermessungen genetische Differenzen zwischen Rassen und Sozialschichten zu bestimmen. Ziel war es, eine vermeintlich »natürliche« Sozialordnung zu restaurieren, welche die Mittelschicht gegen »minderwertige« Rassen und Sozialschichten zu sichern vermochte.

Thomas Etzemüllers Gesellschaftsanalyse zeigt: Die Rassenanthropologie ist ein ideales Lehrstück dafür, wie eine Weltanschauung mit wissenschaftlichen Methoden objektiviert werden konnte.

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2015-09-01, 294 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3183-8

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Thomas Etzemüller

Thomas Etzemüller, Universität Oldenburg, Deutschland

... mit Thomas Etzemüller

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Welcher Autor ist schon der Meinung, dass die Welt ausgerechnet sein Buch nicht braucht?

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es handelt sich um eine Mikroanalyse wissenschaftlicher Praktiken. Ich beschreibe, wie Anthropologen in aufwendigen Erhebungsverfahren versucht haben, rassische Unterschiede herauszuarbeiten und festzuschreiben. Das war ein Beitrag, um mit der als destruktiv erscheinenden Dynamik der industriellen Moderne klarzukommen. Und obwohl die Anthropologen nach eigenem Bekunden permanent gescheitert sind, konnten sie sich bis weit in die Nachkriegszeit hinein im deutschen Wissenschaftsbetrieb behaupten.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Gerade am Beispiel einer Grenzwissenschaft wie der Rassenanthropologie kann man aufzeigen, wie die Symbiose von Wissenschaft und Politik funktioniert(e). Die Anthropologie hat soziale Werturteile erfolgreich mit der Evidenz wissenschaftlicher Objektivität versehen und dadurch naturalisiert – mit ganz handfesten Folgen für viele Menschen. Das aufzudecken heißt, zugleich über soziale Folgen unserer wissenschaftlichen Arbeit nachzudenken.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit all denjenigen, die gerne zwischen den Zeilen lesen und mit vielschichtigen, ambivalenten Phänomenen umgehen können. Mit denjenigen, die bereit sind, ihre eigene Profession kritisch zu durchleuchten und nicht immer nur das Handeln der anderen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die deutsche Rassenanthropologie ist ein ideales Lehrstück für die Symbiose von strenger Wissenschaft und kruder Weltanschauung.

»Ein angenehm zu lesendes, nachvollziehbar argumentierendes Werk zur deutschen Rassenanthropologie [...], das verdeutlicht, wie soziale Differenzierung zu körperlicher Differenzierung gemacht wurde.«
Stefanie Affeldt, Archiv für Sozialgeschichte, 28.02.2017
»Das Buch [untersucht] die ›Praxis wissenschaftlicher Arbeit‹ und die ›fatale Erzeugung von Evidenz‹.
Besonders innovativ sind dann auch die Kapitel, in denen gezeigt wird, wie Rassenanthropologen Daten erhoben und diese dann in Balken-, Linien-, Kreis-, Kurven- und Flächendiagrammen so aufbereiteten, dass sie visuelle Überzeugungskraft erlangten.«
Stefan Kühl, Soziopolis, 24.11.2015
Besprochen in:
IDA NRW, 3 (2015)
DHIVA, 9 (2016), Ulrich Brömmling
Neue Politische Literatur, 61 (2016), Christoph Wichtmann
Autor_in(nen)
Thomas Etzemüller
Buchtitel
Auf der Suche nach dem Nordischen Menschen Die deutsche Rassenanthropologie in der modernen Welt
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
294
Ausstattung
kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN
978-3-8376-3183-8
DOI
10.14361/9783839431832
Warengruppe
1510
BIC-Code
PDX HBJD HBLL
BISAC-Code
SCI034000 HIS014000 HIS037060
THEMA-Code
PDX NHD
Erscheinungsdatum
2015-09-01
Auflage
1
Themen
Wissenschaft, Rassismus
Adressaten
Geschichte, Soziologie, Wissenschaftsgeschichte sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Anthropologie, Rassenkunde, Rasse, Moderne, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftssoziologie, 19. Jahrhundert, Wissenschaft, Rassismus, Deutsche Geschichte, Geschichte des 19. Jahrhunderts, Geschichtswissenschaft

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