Gedächtnis im 21. Jahrhundert

Zur Neuverhandlung eines kulturwissenschaftlichen Leitbegriffs

Kritik an der ›verdrängten‹ Vergangenheit und der Ausblendung von Opfergruppen löste seit den 1980ern gesellschaftliche Grundsatzdebatten aus. Zugleich wurde das Gedächtnis als wissenschaftliches Paradigma begründet und avancierte rasch zu einem Leitbegriff der Kulturwissenschaften.

Nach zwei Jahrzehnten des Abarbeitens traumatischer Erinnerungslasten der europäischen Nationen gewinnt nun ein Aspekt immer stärker an Bedeutung: Gedächtnis als Reflexionsinstanz. Aus der Beobachterposition des Postmémoire richtet der Band den Blick auf das Feld ›Gedächtnis‹ selbst. Die Beiträge befragen theoretische Positionen und analysieren Verhandlungen, Konflikte und kulturelle Praktiken.

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2016-07-06, 286 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3236-1

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Ljiljana Radonic

Ljiljana Radonic, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien, Österreich

Heidemarie Uhl

Heidemarie Uhl, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien, Österreich

... mit Heidemarie Uhl und Ljiljana Radonic

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Auch wenn schon viel zum Thema Gedächtnis publiziert wurde, so reißt die Debatte keinesfalls ab. Es bedarf vielmehr einer aktuellen Diskussion der Hierarchiekämpfe zwischen den Begriffen Holocaust und Gulag, Genozid und Massenverbrechen, des ›Unbehagens an der Erinnerungskultur‹ (A. Assmann) einerseits sowie einer Kritik der unhinterfragt positiven Besetzung von Gedenken andererseits.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Im Kontext der Europäisierung der Erinnerung wird zum einen die Vielfalt, zum anderen aber auch die Formierung neuer Erinnerungskämpfe als Signatur des beginnenden 21. Jahrhunderts deutlich. Dies zeigt sich nicht nur in geschichts- und politikwissenschaftlichen, sondern auch in kultur- und literaturwissenschaftlichen Perspektiven, die in diesem Band thematisiert werden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

›Gedächtnis‹ ist in aller Munde, vor allem wenn ›Europa‹ in der Krise ist und nach neuer Sinnstiftung gesucht wird, während gleichzeitig Nationalismus und autoritäres Gedankengut in vielen europäischen Staaten auf dem Vormarsch sind.

Die Durchsetzung von ›Gedächtnis‹ als kulturwissenschaftlichem Leitbegriff ist einerseits unbestritten, andererseits macht dies eine zunehmende kritische Reflexion erforderlich.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Wissenschaftler_innen, die ein ›Unbehagen an der Erinnerungskultur‹ spüren und davon ausgehend neue Positionen entwickeln.

Mit jenen Vorkämpfer_innen für schonungslose Aufarbeitung der Vergangenheit, die im Moment gegen revisionistische Umdeutungen der Vergangenheit auf die Straße gehen, etwa neuerdings in Polen oder Kroatien, aber auch zum Glück immer noch in Ungarn.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Gedächtnis und Erinnerungspolitik sind der Kampfschauplatz des 21. Jahrhunderts und die im Buch diskutierten Begriffe ihre Waffen.

»Durchweg stringente und kenntnisreiche Einzelbeiträge.«
Sandra Beck, www.literaturkritik.de, 21.06.2018
»Der Band hebt die Bedeutung des Gedächtnisses als Reflexionsinstanz hervor. Er thematisiert anschaulich und facettenreich die vielfältigen, unterschiedlichen und zum Teil auch widersprüchlichen Geschichtsbilder.«
Philosophischer Literaturanzeiger, 71/1 (2018)
Autor_in(nen)
Ljiljana Radonic / Heidemarie Uhl (Hg.)
Buchtitel
Gedächtnis im 21. Jahrhundert Zur Neuverhandlung eines kulturwissenschaftlichen Leitbegriffs
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
286
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3236-1
DOI
10.14361/9783839432365
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC
BISAC-Code
SOC022000
THEMA-Code
JBCC
Erscheinungsdatum
2016-07-06
Auflage
1
Themen
Kultur, Erinnerungskultur
Adressaten
Kulturwissenschaften, Geschichte, Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft
Schlagworte
Gedächtnis, Kulturwissenschaft, Postmémoire, Transformation, Kultur, Erinnerungskultur, Kulturtheorie, Cultural Studies, Kulturgeschichte

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