Mittlersubjekte der Migration

Eine Praxeographie der Selbstbildung von Integrationslotsen

Was macht Menschen zu »Migranten«? Und: Wie machen sie sich selbst und andere dazu? Andrea Querfurts Praxeographie der Selbst-Bildung von Integrationslotsen zeigt, wie diese als Mittler zwischen Einheimischen und Migranten das Migrant-Sein in dynamischen Beziehungsgeflechten erlernen und immer wieder neu verkörpern müssen. Dabei werden konkrete Orte zu Begegnungsräumen der Migration gemacht, in denen sich ein migrantisches Subjekt inszenieren muss – und kann. In den Fokus rückt damit nicht nur die symbolische wie lokale Situiertheit von Subjektivierungsprozessen, sondern ebenso das spannungsvolle Wechselspiel zwischen einer notwendigen Selbstgestaltung und einer Gestaltung des Sozialen.

44,99 € *

2015-12-02, 382 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3260-6

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Andrea Querfurt

Andrea Querfurt (geb. Kirschner), Universität Oldenburg, Deutschland

... mit Andrea Querfurt

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Weil sich das Buch einem Schlüsselthema unserer Zeit aus einer ungewöhnlichen Perspektive widmet und einen bislang vernachlässigten Forschungsgegenstand erschließt: Mittlersubjekte der Migration. Während die aktuelle Debatte angesichts der ›Flüchtlingskrise‹ sozialtechnologisch motiviert um die Frage kreist, wie mit Fremdheit umgegangen werden sollte, wird in dem Buch gezeigt, wie Fremdheit im Bemühen um Integration zuallererst kontextabhängig, d.h. in konkreten Situationen und räumlich-materiellen settings Schritt für Schritt und Zug um Zug produziert und performiert wird.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die praxeologische Subjektivierungsforschung wird theoretisch wie methodisch produktiv irritiert und erweitert: Praxistheoretische Ansätze werden mit Hilfe einer Reihe familienähnlicher Ansätze, etwa aus der Ethnomethodologie oder dem Pragmatismus, aber auch der Sozialphilosophie und den Theaterwissenschaften neu gelesen und in Form einer szenischen Perspektive reformuliert.

Beobachtungen, Befragungen und Diskursanalysen werden überdies nicht, wie dies in praxistheoretischen Studien mitunter geschieht, gegeneinander ausgespielt, sondern in einer ›Schmetterlingsperspektive‹ zusammengeführt. Indem diese systematisch sowohl zwischen unterschiedlichen Blickrichtungen der Praxeographin wechselt als auch Teilnehmerperspektiven miteinbezieht gerät die Multiperspektivität subjektivierender Praxis und das oftmals spannungsreiche Zusammenspiel von Diskursen, Dingen und Sichtweisen der Akteure in den Blick.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die poststrukturalistische Migrationsforschung oszilliert häufig zwischen zwei Polen: Auf der einen Seite werden Migranten vornehmlich als von der ›Mehrheitsgesellschaft‹ Gemachte in den Blick genommen. Auf der anderen Seite werden sie emphatisch überhöht als avantgardistische Innovateure, die sich immer wieder neu zu entwerfen vermögen. Mein Anliegen ist es, diese Engführungen zu überwinden, um einerseits nicht auf wissenschaftlicher Ebene ein ›Othering‹ fortzuschreiben und um andererseits das analytische Potenzial des Subjektbegriffes – nämlich das einer zwischen Struktur und Handlung, Individuum und Gesellschaft, Unterwerfung und Ermächtigung, Kontinuität und Wandel vermittelnden analytischen Kategorie – auszuschöpfen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit all jenen, die sich für die Ambivalenzen und Aporien eines ›doing difference‹ in vielschichtigen Beziehungsgeflechten interessieren und die ›Praxisrelevanz‹ von Forschung weniger darin sehen, die beobachtete Praxis zu optimieren oder vermeintlich verblendete Subjekte aufzuklären, sondern vielmehr kritische – sprachliche wie körperlich-gestische – Äußerungen aufzunehmen und damit etwas zur Sprache zu bringen, das ansonsten stumm in die beobachtete Praxis eingefaltet bliebe.

5. Ihr Buch in einem Satz:

›Schwellen, die verbinden, indem sie trennen, lassen keinen Vermittler zu, der auf beiden Seiten der Schwelle zugleich Fuß fasst.‹ Was Bernhard Waldenfels damit in seiner Phänomenologie des Fremden postuliert wird in meiner Studie anschaulich, geradezu spürbar.

» Andrea Querfurt [...] zeigt eindrucksvoll, wie Fremdheit im Bemühen um Integration im Alltag der Betroffenen und kontextabhängig produziert und gestaltet wird.
Personen, die an dem Thema theoretisch und migrationswissenschaftlich interessiert sind, kann das Buch uneingeschränkt empfohlen werden.«
Süleyman Gögercin, www.socialnet.de, 05.08.2016
Besprochen in:

IDA NRW, 1 (2016)
Autor_in(nen)
Andrea Querfurt
Buchtitel
Mittlersubjekte der Migration Eine Praxeographie der Selbstbildung von Integrationslotsen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
382
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3260-6
DOI
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFN JFC
BISAC-Code
SOC007000 SOC022000
THEMA-Code
JBFH JBCC
Erscheinungsdatum
2015-12-02
Auflage
1
Themen
Migration
Adressaten
Soziologie, Kulturwissenschaften, Politikwissenschaft, Philosophie
Schlagworte
Migration, Integration, Kultur, Bildung, Integrationslotsen, Subjektivierung, Kultursoziologie, Soziologie

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung