Kodokushi – Lokale Netzwerke gegen Japans einsame Tode

Das japanische Wort »kodokushi« beschreibt Todesfälle von sozial isolierten Personen, die erst nach längerer Zeit aufgefunden werden. Derartige Fälle widersprechen weit verbreiteten Vorstellungen eines guten Todes und werden tendenziell negativ bewertet. In gegenwärtigen Diskussionen über die Alterung der Gesellschaft nimmt das Wort »kodokushi« eine zentrale Rolle ein: Es steht für die abnehmende Bedeutung traditioneller Sozialbeziehungen in Japan und erscheint als Ausdruck einer allgemeinen Krisenstimmung.

Anhand theoretischer Arbeiten und empirischer Daten untersucht Nils Dahl, wie der »einsame Tod« in Japan als gesellschaftliches Problem konstruiert wird und welche Folgen dies für den Aufbau eines Wohlfahrtssystems auf der lokalen Ebene haben kann.

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2016-04-06, 266 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3307-8

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Nils Dahl

Nils Dahl, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf, Deutschland

... mit Nils Dahl

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Einsamkeit im Alter ist ein sensibles Thema, dem im Zuge des demografischen Wandels eine große gesellschaftspolitische Bedeutung zufällt. In Japan wird das Thema unter dem Begriff des einsamen Todes vielfach in der medialen Berichterstattung sowie in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen aufgegriffen. Trotzdem existieren nur sehr wenige nicht-japanischsprachige Publikationen zum Thema. In dieser Hinsicht beginnt das Buch diese Forschungslücke zu schließen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Durch das Aufgreifen der japanischen Diskussion wagt mein Buch einen interkulturellen Zugang zur Thematik. Der gewählte qualitative Ansatz eröffnet zudem eine besondere lokale Perspektive, da die Problematisierung des einsamen Todes im lokalen Rahmen und die Aushandlungsprozesse zwischen den verschiedenen beteiligten Akteuren im Zentrum der Betrachtung stehen. Auf diese Weise werden sowohl innovative Gegenmaßen als auch mögliche Probleme der jeweiligen Ansätze vorgestellt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Mein Buch bietet Anschluss an Debatten über mögliche Folgen des demografischen Wandels, wie z.B. die Rolle von informellen sozialen Sicherungsnetzen im Alter. Dabei wird die Bedeutung von zivilgesellschaftlichen Organisationen in diesen Prozessen diskutiert. Stärker bezogen auf japanologische Fragestellungen wird die Debatte um Japans einsame Tode zudem in bereits langwährende Diskussionen über gesellschaftliche Modernisierungsprozesse in Japan eingeordnet.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Für die Zukunft kann ich mir ein Forschungsprojekt vorstellen, dass stärker die Perspektive der betroffenen alten Menschen selbst in den Vordergrund rückt, da dies in meinem Buch aufgrund des organisationszentrierten Ansatzes nicht umgesetzt werden konnte. Darüber hinaus interessieren mich auch die Erfahrungen von entsprechenden lokalen Hilfsorganisationen in Deutschland, was bspw. zu einem konstruktiven Ländervergleich genutzt werden könnte.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch diskutiert, wie Japans einsame Tode im lokalen Rahmen problematisiert werden und welche Problemlösungsstrategien umgesetzt werden.

»Eine historisch aufmerksam erstellte und sehr faszinierende Beschreibung einer japanischen Wohnlandschaft, deren gesellschaftliche Verhältnisse in den Blick kommen. Dies gelingt auch, weil die Arbeit stilistisch hervorragend geschrieben ist. Die Beschäftigung mit dem Diskurs wird dabei durch ein umfangreiches begriffsanalytisches Datenmaterial begleitet.«
Marcus Heinz, Medien und Alter(n), 10 (2017)
Besprochen in:
Dr. med. Mabuse, 221 (2016)
Autor_in(nen)
Nils Dahl
Buchtitel
Kodokushi – Lokale Netzwerke gegen Japans einsame Tode
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
266
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3307-8
DOI
Warengruppe
1728
BIC-Code
JFSP31 JFFH MBS JKS
BISAC-Code
SOC013000 SOC057000 POL029000
THEMA-Code
JBSP4 JBFN MBS JKS
Erscheinungsdatum
2016-04-06
Auflage
1
Themen
Medizin, Alter
Adressaten
Aging Studies, Japanologie, Kulturanthropologie, Ethnologie, Soziologie sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Alternde Gesellschaft, Japan, Einsamer Tod, Soziale Isolation, Lokale Fürsorge, Gouvernementalitätsstudien, Gemeinschaft, Tradition, Moderne, Aktives Altern, Alter, Medizin, Medizinsoziologie, Sozialpolitik, Asien, Soziologie

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