Körper, Uniformen und Offiziere

Soldatische Männlichkeiten in der Literatur von Grimmelshausen und J.M.R. Lenz bis Ernst Jünger und Hermann Broch

Die Uniform zieht sich als kulturhistorisches Zitat durch einen Großteil europäischer Narrative, auch wenn sie heute ihre status- und distinktionsbildende Funktion längst verloren hat. Grund genug, sich unter dem komplexen Beziehungsverhältnis von Körper und Uniform mit soldatischen Männlichkeitsimaginationen (Offizier) und ihren medialen, ästhetischen und semantischen Codierungen im (sozial-)historischen Wandel auseinanderzusetzen.

Torsten Voß rekonstruiert hierzu exemplarisch deutsche, österreichische und französische Erzähltexte vom 17. Jahrhundert über die Romantik bis nach dem Ersten Weltkrieg – etwa von Grimmelshausen, Ernst Jünger und Hermann Broch – und erörtert die sich daraus ergebenden Inklusions- und Exklusionsprozesse auch unter Hinzunahme gendertheoretischer Erkenntnisinteressen.

39,99 € *

2016-02-05, 430 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3322-1

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Torsten Voß

Torsten Voß, Universität Bielefeld, Deutschland

... mit Torsten Voß

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Bisher wurde die Uniform in den Literatur- und Kulturwissenschaften höchst selten in ihrer ästhetischen Dimension betrachtet. Der Hinweis darauf, dass Uniformen ›schön‹ sind, kam von der neueren Sozialgeschichte, vor allem aus den Forschungen Ute Freverts. Dieser aus der Visualität geborene Appellcharakter der Uniform ist signifikant für die Außen- und Selbstwahrnehmung des Uniformträgers. Und die Literatur schafft es mit den ihr inhärenten Mitteln, diese Appellstrukturen nicht nur nachzuzeichnen, sondern quasi mit zu inszenieren und darüber hinaus den Wandel innerhalb des visuellen und auch sozialen Stellenwerts der Uniform zu verdeutlichen – z.B. im Wechsel von Friedens- zu Kriegszeiten, von monarchischen zu republikanischen Staatsformen. Der komparatistische Blick auf verschiedene Literaturen Europas verdeutlicht diese Abläufe.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Arbeit beschäftigt sich mit literarischen Imaginationen des uniformierten Offiziers in deutschen, französischen und österreichischen Texten vom 17. bis zum 20. Jahrhundert und erschließt dabei auf welche Weise – formalästhetisch und stilistisch – Uniformität und der soldatische Körper medial rezipiert und produziert werden. So wird deutlich: Literatur leistet damit einen Beitrag zum kulturellen Stellenwert der Uniform, sowohl in sozial- als auch in geschlechtergeschichtlicher Hinsicht. Dabei berücksichtigt die Studie auch die fortschreitende Dysfunktionalisierung der Uniform als symbolisches, soziales und ästhetisches Kapital vor dem Hintergrund der durch die Moderne angestoßenen Paradigmenwechsel (Massenkrieg, technologische Kriegsführung, soziale Mobilität) und verknüpft sie erstmalig mit den verschiedenen poetologischen Anliegen der Autoren, vor allem von der Romantik bis zur literarischen Moderne.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Buch versteht sich als Beitrag zu einem von der Forschung bisher wenig berücksichtigten Gebiet. Die literaturwissenschaftliche Geschlechterforschung erfährt nicht nur eine komparatistische und epochenübergreifende Ausweitung, sondern verknüpft die Masculinity Studies mit sozialhistorischen Kontextualisierungen und literarischer Motiv- und Erzählforschung, so dass die Uniform als ästhetischer Eindruck und Modus der sozialen und geschlechtlichen Differenzierung, über den Prozess von Kontinuität und Wandel, vor allem an der Stilistik der Texte und der Figurenzeichnung innerhalb der jeweiligen Narrationen erkannt werden kann. Als Novum wird gerade bei der Rekonstruktion der verschiedenen Offizierstypen die Unterscheidung zwischen äußerer und innerer Uniformität in die Forschung eingebracht. Uniformität als ihren Träger prägendes und nach außen hin statusbildendes Modell erschöpft sich nicht nur über einen ›vestimentären Code‹ (Roland Barthes), sondern auch über Verhaltensweisen bzw. Habitualität, einen eigenen Wertekosmos und über ein aus den damit verbundenen Kodizes konstruiertes Selbstverständnis soldatischer Männlichkeiten. Ebenso werden spezifisch militärisch grundierte Räume – wie das Schlachtfeld, die Kaserne oder das Offizierskasino – und deren Auswirkungen auf die Textprotagonisten als diskursive und institutionelle Katalysatoren für den sich über Uniformität artikulierenden Distinktionscharakter der Männlichkeitskonstruktion Offizier deutlich. Die interdisziplinäre Verzahnung der genannten Forschungsansätze erweist sich als gewinnbringend gegenüber der Perspektivierung auf Erzählungen vom Offizier, vor allem im 19. und 20. Jahrhundert.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Juniorprof. Dr. Gregor Schuhen, Prof. Dr. Toni Tholen, Prof. Dr. Stefan Horlacher und

Prof. in Dr. Monika Szczepaniak.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Ästhetik der Uniform und ihre motivische Gestaltung innerhalb der europäischen Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert wird in diesem Beitrag als entscheidend für die Selbst- und Außenwahrnehmung des Offiziers im mentalitäts- und sozialgeschichtlichen Wandel als Geschlechterrolle rekonstruiert und in Textbeispielen als Narrativ auf dem Weg zur Moderne begriffen.

»Die Monographie stellt [...] eine wichtige Studie dar, weil sie die Ergebnisse der Maskulinitätsforschung auf einem hohen Niveau für die Interpretation anspruchsvoller literarischer Texte nutzbar macht.
Inge Stephan, Zeitschrift für Germanistik, 36/3 (2016)
Besprochen in:
Landshuter Zeitung, 07.07.2016, Josef Tutsch
Jünger-Debatte, 1 (2017), Alexander Pschera
Autor_in(nen)
Torsten Voß
Buchtitel
Körper, Uniformen und Offiziere Soldatische Männlichkeiten in der Literatur von Grimmelshausen und J.M.R. Lenz bis Ernst Jünger und Hermann Broch
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
430
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3322-1
DOI
Warengruppe
1563
BIC-Code
DSB JHB
BISAC-Code
LIT004170 LIT000000 SOC022000
THEMA-Code
DSB JHB
Erscheinungsdatum
2016-02-05
Auflage
1
Themen
Körper, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Gender Studies, Kulturwissenschaft, Soziologie
Schlagworte
Masculinity Studies, Uniform, Offizier, Körpersoziologie, Kulturwissenschaft, Literatur, Erzählen, Europa, Körper, Germanistik, Allgemeine Literaturwissenschaft, Gender Studies, Literaturwissenschaft

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung