Strategien der Individualisierung

Neue Konzepte und Befunde zur soziologischen Individualisierungsthese

Der Begriff der Individualisierung trägt in der Regel negative Konnotationen: sei es im Hinblick auf eine zunehmende Vereinzelung und Vereinsamung von Individuen oder hinsichtlich der Zunahme egoistisch anmutender Handlungen von Menschen, die das Gemeinwohl aus dem Blick verlieren. Prozesse der Individualisierung werden daher häufig als Bedrohung für die Konstituierung moderner Gesellschaften diskutiert.

Diese Studie hingegen präsentiert eine neue Lesart der Individualisierung. Orientiert an Niklas Luhmanns Arbeiten und gestützt auf Ergebnisse einer empirischen Studie legt Bettina-Johanna Krings eine soziologische Betrachtung vor, die die Aufforderung zur Individualisierung als eine notwendige Herausforderung in modernen Gesellschaften interpretiert.

34,99 € *

2016-08-01, 304 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3347-4

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Bettina-Johanna Krings

Bettina-Johanna Krings, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Deutschland

... mit Bettina-Johanna Krings

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Prozesse der Individualisierung stellen ein zentrales Strukturmerkmal moderner Gesellschaften dar, die in der Soziologie seit den Anfängen beobachtet und beschrieben werden. Hierbei wurde die These intensiv diskutiert, ob und wenn ja, wie und auf welche Weise sich Freiheitsgrade der Menschen im historischen Verlauf vergrößern. Der Soziologe Ulrich Beck hat diese Fragestellung in den 1980er Jahren wieder aufgenommen und im Rahmen seiner Arbeiten kritisch diskutiert, was in der deutschsprachigen Soziologie zu einer extrem kontroversen Debatte geführt hat. Diese Debatte hat zu einem enormen Impuls theoretischer und empirischer Forschungsarbeiten in der deutschsprachigen Soziologie geführt, wobei die Frage nach den Restriktionen und Freiheitsgraden von Menschen hierbei freilich nicht endgültig beantwortet werden konnte. Diese Frage hat ihren aktuellen Bezug bis heute nicht verloren, da sie grundsätzlich auf das Selbstverständnis des Menschen und seine Möglichkeiten des Handelns in der Welt verweist.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch nimmt im Rahmen der soziologischen Denkfiguren von Individualisierung einen Perspektivwechsel ein. Während Individualisierungsprozesse in der soziologischen Debatte in der Regel mit Blick auf die Erosion des gesellschaftlichen Zusammenhalts kritisch diskutiert werden, entwickelt die Arbeit die These, dass Individualisierung einen notwendigen Prozess in modernen Gesellschaften beschreibt. Der Offenheit und den Unsicherheiten in modernen Gesellschaften kann nur mit Individualisierung als einer Lebensstrategie begegnet werden. Diese Strategie wird in der Arbeit als eine individuelle ›Wahrnehmung‹ nach innen, eine innere ›Ortsbestimmung‹ (Taylor 1996) beschrieben, die auf der Basis einer empirischen Untersuchung nachvollzogen wird.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Im Rahmen der soziologischen Theoriebildung zur Beschreibung moderner Gesellschaften kommt dem Thema eine hohe Bedeutung zu. Diese Bedeutung bezieht sich nicht nur auf die Inhalte der klassischen Lehre in der Soziologie, sondern auch auf die Bewertung von Individualisierungsprozessen in vielfältigen gesellschaftlichen Bereichen. Hierbei wird die wichtige Frage bearbeitet, welche Entscheidungsräume den Menschen für die Gestaltung des eigenen Lebens zur Verfügung stehen? Wie frei sind sie tatsächlich, um zu entscheiden und zu handeln? Die Ergebnisse der Studie weisen hierbei darauf, dass es weniger um die Ziele, die es zu erreichen gilt, geht, als vielmehr um die individuellen Entwicklungsprozesse, die auf diesem Weg vollzogen werden. Der Blick auf diese ›Prozesse‹ stellt für die Disziplin eine neue Sichtweise dar, die um interdisziplinäre Perspektiven erweitert wird.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich würde das Buch am liebsten mit allen Menschen diskutieren, die sich für die Frage interessieren, welche Wahlmöglichkeiten, also welche Freiheiten Menschen in der Gestaltung ihres Lebens in aktuellen Gesellschaften haben.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Im Buch werden Prozesse der Individualisierung einerseits als dynamischer Entwicklungs- und Lebensprozess des Individuums, andererseits als Prozesse des Gewahrseins der Individuen auf sich selbst beschrieben. Diese Prozesse werden als notwendige Überlebensstrategien in modernen Gesellschaften formuliert.

»Das Buch lässt sich [...] mit Gewinn lesen. Es gibt einen guten Überblick über die Individualisierungsdiskussion im deutschsprachigen Raum.«
Angelika Poferl, Soziologische Revue, 41/3 (2018)
»Dieses Buch greift eine prominente Debatte der deutschsprachigen Soziologie auf. Mit den Ergebnissen ihrer empirischen Untersuchung liefert die Autorin Anregungen, die Individualisierungsthese neu zu überdenken.«
Petra Hiller, www.socialnet.de, 29.03.2017
Autor_in(nen)
Bettina-Johanna Krings
Buchtitel
Strategien der Individualisierung Neue Konzepte und Befunde zur soziologischen Individualisierungsthese
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
304
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3347-4
DOI
Warengruppe
1727
BIC-Code
JHB JHBA JFFM
BISAC-Code
SOC026000 SOC050000
THEMA-Code
JHB JHBA JBFQ
Erscheinungsdatum
2016-08-01
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Soziale Ungleichheit
Adressaten
Soziologie, Sozialpsychologie, Sozialwissenschaften
Schlagworte
Moderne, Individualisierung, Selbstreflexion, Individualität, Entscheidungsprozess, Gesellschaft, Soziale Ungleichheit, Lebensstil, Soziologische Theorie, Soziologie

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