»manchmal sehr mitreißend«

Über die poetische Erfahrung gesprochener Gedichte

»...manchmal sehr mitreißend...« – so beschreibt eine Hörerin die Wirkung einer Dichterlesung: Das Erlebte lässt sich nicht erzählen. Dennoch können Rezipientenaussagen zeigen, was die Begegnung mit Lyrik ausmacht – und dass diese beim Hören am besten gelingt. Der Band bietet in Auseinandersetzung mit Sprach-, Stimm- und Lyriktheorien sowie durch Gespräche mit vier Dichtern (u.a. Olga Martynova) eine Erklärung dafür. Dabei wird deutlich: Sobald Gedichte gesprochen werden, animieren sie die Hörer zu einer explorativen Selbstansprache, die den Kern poetischer Erfahrung bildet. Ein so erweitertes theoretisches Verständnis von Lyrik ermuntert zu einer selbstbewussteren literarischen Praxis, die der eigenen Interaktion mit dem Gedicht vertraut.

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2016-01-04, 218 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3357-3

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Anja Utler

Anja Utler, Dichterin und Übersetzerin, Deutschland

... mit Anja Utler

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Lyriklesungen haben Zulauf. Und immer wieder sagen die Hörer_innen, sie hätten die Gedichte erst beim Hören richtig verstanden. Zeit zu fragen, warum das so ist.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch verschiebt die Perspektive in mehrfacher Hinsicht. Statt auf die Produzent_innen konzentriert es sich auf die Rezipient_innen, statt auf das geschriebene auf das gesprochene Gedicht. Insbesondere zeigt es, dass ein narrativ geprägtes Sprach- und Literaturverständnis auf die Poesie nicht übertragbar ist: Gesprochene Gedichte arbeiten responsiv, in ihnen ist Sprache ein Instrument, das zusammen mit dem Einzelnen die Welt als (un-)persönliches Beziehungsgeflecht im Denken formt und überformt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Lyrik wurde jüngst mit Geisterseherei und überholten Denkformen in Verbindung gebracht. Das Buch widerspricht dieser Auffassung und zeigt, wie und warum das hörbare poetische Sprechen auf die Hörer überspringt und zum alltäglichen Nachdenken über sich selbst und die Welt gehört.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit dem sowjetischen Psychologen und Kulturtheoretiker Lev Vygotskij. Ohne seine Erkenntnisse zum inneren Sprechen, das Denken erst möglich macht, und ohne seine Vorstellungen vom persönlichen, dauerhaft modellierbaren Wortsinn hätte dieses Buch nicht entstehen können. Aber für dieses Gespräch bin ich mehr als 80 Jahre zu spät dran.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Der hier geführte Dialog mit Lyrikhörer_innen und -theorien lässt erkennen, warum Poesie produktiv in das eigene Denken und Fühlen eingreifen kann.

»A convincing and valuable addition to the recent boom in studies on the lyric, especially in its insistence on the importance of difficult, inexplicable, individual experience of poems as they are spoken, heard, and allowed to fade.«
Hannah V. Eldridge, Monatshefte, 110/1 (2018)
O-Ton: »Keine Performance ohne Rezipierende« – Anja Utler im Interview mit lyrikline am 09.03.2016.
http://bit.ly/2xarau8
Besprochen in:
Die Literatur, 17 (2016)
Autor_in(nen)
Anja Utler
Buchtitel
»manchmal sehr mitreißend« Über die poetische Erfahrung gesprochener Gedichte
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
218
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3357-3
DOI
Warengruppe
1562
BIC-Code
DSB
BISAC-Code
LIT000000
THEMA-Code
DSB
Erscheinungsdatum
2016-01-04
Auflage
1
Themen
Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Stimmforschung, Kulturwissenschaften sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Lyrik, Stimme, Performativität, Rezeptionsästhetik, Literatur, Allgemeine Literaturwissenschaft, Sound Studies, Literaturwissenschaft, Selbstgespräch, Klang

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