Poetologie der Stimmung

Ein ästhetisches Phänomen der frühen Goethezeit

Mit dem Erscheinen von Goethes »Werther« (1774) hält ein neues Phänomen Einzug in die Literaturgeschichte: die Stimmung. Dieses schon der Antike bekannte Gefühl einer fundamentalen Verschränkung von Ich und Welt avanciert im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zu einem poetologischen Gestaltungsprinzip, das die folgende Epoche der Romantik entscheidend prägen wird. Nach ihrem Aufkommen in der Literatur wird die ästhetische Stimmung auch in Musik und anderen Künsten europaweit zu einem zentralen Ausdrucksmittel. Stefan Hajduks Studie liefert die systematische Ausarbeitung von Stimmung zu einem methodisch belastbaren Konzept der historischen Literaturforschung und verbindet damit die aktuelle Theoriedebatte über Emotionen mit der Praxis der wissenschaftlichen Gefühlslektüre.

44,99 € *

2016-07-19, 516 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3433-4

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Stefan Hajduk

Stefan Hajduk, Universität Adelaide, Australien

... mit Stefan Hajduk

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Stimmung wurde lange Zeit als ein verschwommenes Etwas wissenschaftlich marginalisiert. Auch ihr psychologischer Begriff blieb schwammig. Unsere Präzisierung des ästhetischen Begriffs im Feld der Literatur erkennt in der Instabilität von Stimmung als epistemischem Gegenstand, also in der Flüchtigkeit des Phänomens, gerade seinen Vorzug für poetologische Gestaltung und Reflexion. Ihre fließenden Konturen, übergängigen Gefühlsformen und existenziellen Momente qualifizieren ›Stimmung‹ zur Beschreibungs- und Deutungskategorie für literaturwissenschaftliches Beobachten (zweiter Ordnung) von emotionaler Kommunikation samt ihres produktiven Nicht-Gelingenwollens.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die »Poetologie der Stimmung« macht unter phänomenologischem, hermeneutischem und mediologischem Aspekt nachvollziehbar und analytisch operabel, wie Literatur als Kunst des Wahrnehmens zu verstehen ist und in ihre Darstellung des Wahrnehmens dessen ontologische Qualität der Welterschließung einbezieht. Diese alle fünf Sinne ansprechende und ästhetisch Sinn stiftende Dimension literarischer Texte blieb in neuzeitlichen Traditionen von Lektüre am Leitfaden subjektkonstitutiver Innerlichkeit ausgeblendet. Sie wird hier zur Perspektive einer zeitschöpferischen und raumformenden Imagination im Medium literarischer Stimmungen entwickelt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts einsetzende, sich im 19. Jahrhundert verbreitende und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zur philosophischen Begriffswerdung vorstoßende Konzeptualisierung von Stimmung(en) findet heute neue Resonanz im Spektrum derjenigen Kulturforschung, die an einer kritischen und zugleich konstruktiven Revision der modernen Episteme arbeitet. Der Thematisierung von Stimmungen in der Literatur als Medium der Wirklichkeitsdarstellung und Wahrnehmungsreflexion geht es um die ästhetische Erweiterung unserer Auffassungen von Kognition und Emotion auf raum- und zeitphänomenologischer Basis.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Stellvertretend für die unnennbare Vielzahl epocheschreibender Mitstreiter sind da der philosophische Sphärendenker Sloterdijk und der literarhistorisch sich einlassende wie stets auch existenziell abgleichende Safranski, mit denen sich über die innovative Poeto-Logik von Stimmungen und das Explizitwerden ihrer primordialen Implikationen seit der frühen Goethezeit diskutieren ließe. Eine nicht minder lebendige Diskussion versprechen jenseits der intellektuellen Zeitgenossenschaft all jene poetologisch reflektierten Autoren, unter deren unabgeschlossener Generationenkette die Stimmungssemantik wie eine Flaschenpost im anthropogenen Strom der Zeit dahingleitet.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine ästhetische Grundlagenreflexion des ephemeren Stimmungsphänomens, wie es seit Goethes »Werther« poetologisch explizit und heute medientheoretisch bewusst wird.

Autor_in(nen)
Stefan Hajduk
Buchtitel
Poetologie der Stimmung Ein ästhetisches Phänomen der frühen Goethezeit
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
516
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3433-4
DOI
10.14361/9783839434338
Warengruppe
1563
BIC-Code
DSB JFC HP
BISAC-Code
LIT004170 LIT000000 PHI034000
THEMA-Code
DSB JBCC QD
Erscheinungsdatum
2016-07-19
Auflage
1
Themen
Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Germanistik, Philosophie, Ästhetik, Kulturwissenschaft
Schlagworte
Stimmung, Martin Heidegger, Emotion, Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des Jungen Werther, Sturm und Drang, Romantik, Ludwig Tieck, 18. Jahrhundert, Literaturgeschichte, Literatur, Germanistik, Allgemeine Literaturwissenschaft, Kulturphilosophie, Literaturwissenschaft

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