Kultursensible Altenhilfe?

Neue Perspektiven auf Programmatik und Praxis gesundheitlicher Versorgung im Alter

Der stets positiv konnotierten Forderung nach »kultursensibler« Altenhilfe steht scheinbar die Veränderungsresistenz der Handlungspraxis gegenüber.

Meggi Khan-Zvornicanin rekonstruiert angesichts dieser Kluft zwei paradigmatisch verschiedene, einander jedoch ergänzende Aspekte sozialer Wirklichkeit und zeigt: Der Diskurs über die Versorgung alter Menschen mit Migrationshintergrund folgt einer ökonomisierenden Logik, indem er neue Bedarfskonstruktionen hervorbringt. Die Habitusformationen im Feld der Altenhilfe hingegen, welche als generierende Prinzipien professioneller Praxis fungieren, lassen jenseits der diskursiven Logik die »Klugheit der Praxis« zutage treten.

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2016-06-08, 320 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3476-1

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Meggi Khan-Zvornicanin

Meggi Khan-Zvornicanin, Gesundheits- und Pflegewissenschaftlerin, Deutschland

... mit Meggi Khan-Zvornicanin

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Der analytische Zugang zum Thema ist neu. Der Fachdiskurs wird als ein neoliberal inspiriertes Strukturanpassungsprogramm analysiert, welches marktförmige Teilhabechancen verheißt, aber auch mit neuen Restriktionen, mehr Kontrolle und Bürokratie für alle Beteiligten einhergeht. Dagegen folgt die Versorgungspraxis einer Logik jenseits des Diskurses, aber nicht unberührt davon. So tritt in der empirischen Rekonstruktion neben Strukturproblemen auch eine Klugheit der Praxis zu Tage.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Eine Besonderheit stellt die Eröffnung zweier paradigmatisch verschiedener, einander jedoch ergänzender Forschungsperspektiven dar. Sichtbar werden die neoliberale Vereinnahmung des Fachdiskurses wie auch die in den Routinen der Praxis habitualisierten Versorgungsstile professioneller Milieus, welche sich in der Auseinandersetzung mit den Zwängen und Freiheiten, die dieser Diskurs hervorbringt, reproduzieren oder transformieren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Der methodisch-methodologische Zugang zum Thema stellt einen Beitrag zur Überwindung von Verengungen der Versorgungforschung dar. Denn erst ein valider Zugang zur Logik der Praxis erlaubt sinnvolle Forschung darüber. Ähnliches gilt für die Diskursanalyse: Erst diese Perspektive macht unhinterfragte Adressaten- und Bedarfskonstruktionen einer kritischen Reflexion zugänglich. Mit der Koppelung dieser Forschungsperspektiven wird auch in methodischer Hinsicht ein Forschungsdesiderat aufgegriffen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Eigentlich mit allen Leserinnen und Lesern, wobei mich Meinungen aus der Versorgungspraxis ganz besonders interessieren würden.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es geht um die mehrdeutige Rede zum Thema Alter, Migration und Versorgung sowie das implizite Wissen der Praxis.

»Ein lesenswertes Buch für alle VertreterInnen dieser Disziplinen, die sich nicht damit begnügen wollen, dass ›MigrantInnen eben anders sind‹, sondern theoretisch und empirisch fundierte Argumente für eine auf Gemeinsamkeit und Verständigung ausgerichtete Versorgung und die dafür nötige professionelle Autonomie wünschen.«
Josefine Heusinger, www.socialnet.de, 27.01.2017
Besprochen in:
http://www.wernerschell.de, 18.07.2016
Dr. med. Mabuse, 224 (2016)
BZgA-Info-Dienst Migration, 4 (2016)
Health & Care, 7/11 (2016)
Dr. med. Mabuse, 1/2 (2017)
bvkm.aktuell, 2 (2016)
Gesundheit und Gesellschaft, 4 (2017), Eva Richter
Autor_in(nen)
Meggi Khan-Zvornicanin
Buchtitel
Kultursensible Altenhilfe? Neue Perspektiven auf Programmatik und Praxis gesundheitlicher Versorgung im Alter
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
320
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3476-1
DOI
Warengruppe
1728
BIC-Code
JFSP31 JFFN MQC
BISAC-Code
SOC013000 SOC007000 MED058200
THEMA-Code
JBSP4 JBFH MQC
Erscheinungsdatum
2016-06-08
Auflage
1
Themen
Medizin, Alter, Migration
Adressaten
Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Soziale Arbeit, Soziologie sowie Entscheider_innen und Praktiker_innen in den Bereichen Altenhilfe und Soziale Arbeit
Schlagworte
Pflege, Altenpflege, Altenhilfe, Leitbild, Diskurs, Habitus, Migration, Alter, Medizin, Sozialarbeit, Soziologie

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