Mit Behinderung in Angola leben

Eine ethnografische Spurensuche in einer von Tretminen verletzten Gesellschaft

Etwa zehn Prozent der Angolaner_innen haben eine körperliche Behinderung, was u.a. auf die Tretminen zurückzuführen ist, die im langen Bürgerkrieg exzessiv eingesetzt wurden. Francis Müllers ethnografische Recherche in Angola zeigt, dass viele Menschen mit Behinderung in Luanda individualistische Werte haben und kreative Praktiken ausüben, auch wenn sie in bitterer Armut leben: In den Musekes – den Slums in Luanda – leben die Menschen mit Behinderung örtlich sehr kleinräumig, aber zugleich in einer hohen kulturellen Diversität. Sie sind mit anderen Weltdeutungsschemata und alternativen Lebensstilen konfrontiert, was Reflexion, Kreativität und Selbst-Design begünstigt.

Der ethnografische Bericht wird eingeleitet durch eine Fotostrecke, in welcher der Angolaner Domingos Joao Pecho Bernardo seinen Alltag portraitiert, und ergänzt durch Beobachtungen von Alltagsphänomen und von Fotografien der Designerin Bitten Stetter.

Auszeichnung

»Schönste Schweizer Bücher 2016« im Wettbewerb des schweizerischen Bundesamt für Kultur (BAK)

24,99 € *

2016-05-27, 152 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3480-8

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Francis Müller

Francis Müller, Zürcher Hochschule der Künste, Schweiz

... mit Francis Müller

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Im Zuge der Urbanisierungsprozesse, wie sie in vielen Subsahara-Ländern stattfinden, entsteht kreatives Potenzial – auch und gerade bei Menschen mit körperlicher Behinderung, zu denen in Angola 10 Prozent der Bevölkerung gehören. Dieses Thema verdient unsere Aufmerksamkeit, denn Subsahara-Afrika wird im 21. Jahrhundert aufgrund der demografischen Entwicklung von globaler Relevanz sein.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Hoffentlich möglichst viele! Wir möchten die Perspektiven pluralisieren. Wir wollen nicht über Menschen mit Behinderung in Angola sprechen, sondern mit ihnen. Wir begaben uns in die lebensweltlichen Kontexte in den Musekes – die Slums in Luanda – und führten dort Gespräche mit Opfern von Tretminen und Polio. In der Publikation setzen wir neben ethnografischen Berichten einen visuellen Schwerpunkt: U.a. hat ein Betroffener Fotos aus seiner Lebenswelt gemacht, die in die Publikation eingeflossen sind.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Bei Gesprächen mit Betroffenen in den Musekes zeigt sich, dass viele kreative Tätigkeiten ausüben und trotz hoher Armut einen intrinsischen Drang nach Selbstverwirklichung haben. Dies hat mit der hohen Diversität in den Musekes zu tun, die Prozesse der Selbstreflexion und der Individualisierung begünstigt. Insofern konnten wir mit einem ethnografischen, explorativen Ansatz stadtanthropologische Theorien bestätigen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Natürlich mit den portraitierten Menschen in Angola, die in prekären Situationen und in äußerst prekären, lebensweltlichen Kontexten leben. Und mit unseren dortigen Gatekeepern, die uns unterstützt haben. Zudem mit der Community der African Studies, der Stadtanthropologie, der Designtheorie und der Disability Studies und einfach mit allen Menschen, die einen Bezug zu oder ein Interesse für diese Themenfelder haben.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch ist eine ethnografische Spurensuche in lebensweltlichen Kontexten von Menschen mit Behinderung in Luanda, wo starke Urbanisierungs- und Transformationsprozesse stattfinden.

Autor_in(nen)
Francis Müller
Buchtitel
Mit Behinderung in Angola leben Eine ethnografische Spurensuche in einer von Tretminen verletzten Gesellschaft
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
152
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-3480-8
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFG JHMC GTJ
BISAC-Code
SOC029000 SOC002010 POL034000
THEMA-Code
JBFM JHMC GTU
Erscheinungsdatum
2016-05-27
Auflage
1
Themen
Gewalt, Körper
Adressaten
Kultur- und Sozialanthropologie, Kultursoziologie, Disability Studies, Designforschung, Designethnografie
Schlagworte
Angola, Behinderung, Individualisierung, Kreativität, Slum, Ethnografie, Stadt, Urbanität, Selbst-Design, Körper, Gewalt, Ethnologie, Konfliktforschung, Afrika

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