Synästhesie als Diskurs

Eine Sehnsuchts- und Denkfigur zwischen Kunst, Medien und Wissenschaft

Ist von Synästhesie die Rede, so verbinden sich damit gemeinhin Vorstellungen einer »ursprünglichen« Einheit der Sinne. Melanie Gruß dagegen formuliert Synästhesie als Diskurs, der sich im 19. Jahrhundert als Reaktion auf die Entwicklung technischer Medien konstituiert und diese Deutung zuerst hervorbringt. Sie zeigt: Als Konstrukt verknüpft das Synästhetische Utopien gesamtsinnlichen Empfindens mit Visionen der technischen Synthetisierung und Kopplung der Sinne.

Die Studie bietet nicht nur einen innovativen Blick auf eine seit etwa 1980 verstärkt geführte Debatte um Synästhesie in Natur- und Geisteswissenschaften, sondern vor allem einen interdisziplinär angelegten Zugriff auf die Kulturgeschichte seit der Moderne.

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2017-02-28, 440 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3489-1

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Melanie Gruß

Melanie Gruß, Musikverlag C. F. Peters, Leipzig, Deutschland

... mit Melanie Gruß

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Synästhesie ist ein faszinierendes Phänomen der Verknüpfung verschiedensinnlicher Wahrnehmungen, das u.a. als Farbenhören oder Tönesehen bekannt ist. Die Literatur dazu wächst v.a. seit den 1980er Jahren rasant an. Esoterisch angehauchte Ratgeberliteratur oder Selbsterfahrungsberichte stehen neben neurowissenschaftlichen Studien und literatur- oder kunstgeschichtlichen Abhandlungen. Was fehlt ist jedoch ein Zugang, der die verschiedenen Deutungen und Linien miteinander verbindet und nach den jeweiligen Implikationen und Bedingungen der Synästhesie als Wahrnehmungsmodell fragt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ausgangspunkt ist die Entstehung eines Diskurses im 19. Jahrhundert, in dem das Synästhetische als Reaktion auf Wahrnehmungserfahrungen neuer Medientechniken überhaupt erst formuliert wird. Als Denkfigur wirkt das Synästhetische seit der Moderne wiederum auf die Medienentwicklung selbst zurück. Insbesondere die digitale Kultur seit den 1980er Jahren offenbart in Erscheinungen wie der Google Glass prägnant die Tragfähigkeit des synästhetischen Modells und die Kopplung des Synästhesiediskurses an Medientechniken.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Als Projektionsfläche verabschiedet das Synästhetische die Vorstellung einer virtuellen Realität, die als ›second life‹ unabhängig und parallel existiert und setzt dagegen das Bild der ›augmented reality‹, in der sich verschiedene mediale Ebenen permanent überlagern, wie es z.B. im Spiel ›Pokemon go‹ praktiziert wird. Dem Körper als Schnittstelle kommt dabei ganz besondere Bedeutung zu, indem er zur Bedingung des gleichzeitigen Agierens in verschiedenen Welten wird, sei es durch Bewegung oder Implantieren von Computerchips.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Die interdisziplinäre Herangehensweise verknüpft verschiedene Disziplinen, die nicht immer als nah beieinanderliegend gedacht werden. Beispielhaft zeigt sich bei der Ausformulierung des Synästhetischen, wie sich Wissenschaft, Kunst und Medien in ihrer jeweiligen historischen Bedingtheit aufeinander beziehen. Insofern läge der besondere Reiz darin, die Arbeit mit Vertretern der verschiedenen Disziplinen sowie mit Künstlern und Synästhetikern zugleich zu diskutieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Frage ist nicht, was Synästhesie ist, sondern was sie in spezifischen kulturellen, medialen und wissenschaftlichen Kontexten jeweils sein soll.

Autor_in(nen)
Melanie Gruß
Buchtitel
Synästhesie als Diskurs Eine Sehnsuchts- und Denkfigur zwischen Kunst, Medien und Wissenschaft
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
440
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-3489-1
DOI
Warengruppe
1559
BIC-Code
HBTB HPN AC
BISAC-Code
HIS054000 PHI001000 ART015000
THEMA-Code
NHTB QDTN AGA
Erscheinungsdatum
2017-02-28
Auflage
1
Themen
Medien, Kunst, Ästhetik, Kulturgeschichte
Adressaten
Kulturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Tanzwissenschaft, Medienwissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Synästhesie, Medien, Kunst, Kultur, Theater, Kulturgeschichte, Ästhetik, Kunstgeschichte, Medienästhetik, Kulturwissenschaft

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