Regime der Anerkennung

Kämpfe um Wahrheit und Recht in der Aufarbeitung der argentinischen Militärdiktatur

Kann ein philosophisches Konzept dazu dienen, vergangenheitspolitische Debatten besser zu verstehen? Alexander Hasgall nähert sich dieser Frage anhand der (Nach-)Geschichte der letzten Militärdiktatur Argentiniens an. Er zeigt auf, wie den Opfern massiver Menschenrechtsverletzungen durch Anerkennung neue Formen von Subjektivität zugeschrieben werden können, zugleich aber neue Herrschaftsformen entstehen können. Die mit dem Ende der Ära Kirchner einhergehenden vergangenheitspolitischen Verwerfungen stellen dabei einen besonderen Aktualitätsbezug her.

Die Studie richtet sich sowohl an Wissenschaftler_innen als auch an Praktiker_innen, welche sich mit der Frage nach einem angemessenen Umgang mit dem Erbe von Gewaltsystemen beschäftigen.

39,99 € *

2016-08-29, 332 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3552-2

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Alexander Hasgall

Alexander Hasgall, Universität Genf, Schweiz

... mit Alexander Hasgall

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Aktuell zeigt das Scheitern des Referendums in Kolumbien, welches das Ende eines Jahrzehntelangen Konflikts zwischen Guerillas und Bevölkerung besiegeln sollte, dass auch ein gutes Friedensabkommen nicht unbedingt von der Gesellschaft als solches akzeptiert wird. Ein Grund kann darin liegen, dass erst durch vergangenheitsbezogene Anerkennungsprozesse Frieden geschaffen, diese Anerkennung aber nicht von oben aufgezwungen werden kann. Was man zu dieser Frage aus dem Umgang mit der letzten Diktatur in Argentinien lernen kann, soll in diesem Buch aufgezeigt werden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch setzt an einem Begriff an, der immer wieder auftaucht, wenn es um die Aufarbeitung der Vergangenheit geht – denjenigen der Anerkennung. Es weist auf das Verhältnis von Anerkennung von Wahrheit (acknowledgement) und von Subjektivität (recognition) hin und beschreibt den Kampf um Anerkennung als Kampf um die Deutungshoheit von Vergangenheit und Zukunft. Dabei zeigt es anhand des Umgangs mit der letzten Militärdiktatur in Argentinien, dass diese Auseinandersetzung nicht zu Ende ist.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Lange Zeit dominierten politik- und rechtswissenschaftliche Beschreibungen verschiedener Modelle die Auseinandersetzung mit der Transitional Justice. Historiographische und philosophische Annäherungen, welche sich auch kritisch mit der historischen Genese von Begriffen und Konzepten beschäftigen, waren dabei selten. Hier leistet das Buch einen Beitrag, indem es am Beispiel Argentiniens Anerkennungskonflikte im Umgang mit belasteter Vergangenheit darstellt.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

In Deutschland wäre beispielsweise Axel Honneth, der die Debatte um Anerkennung in den letzten Jahren stark geprägt hat, ein interessanter Diskussionspartner. Interessant wäre auch ein Gespräch mit den Opfern der Diktatur, welche sich ihren Erfahrungen auch wissenschaftlich angenähert haben. Hier wäre beispielsweise die Politologin Pilar Calveiro zu nennen. Und aktuell selbstverständlich die Verantwortlichen des Friedensprozesses in Kolumbien, die sich ganz konkret mit solchen Fragen auseinandersetzen müssen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wer hofft, dass Anerkennung ein unkompliziertes Mittel ist, um Konflikte gleichsam abzuwickeln, wird enttäuscht werden.

Autor_in(nen)
Alexander Hasgall
Buchtitel
Regime der Anerkennung Kämpfe um Wahrheit und Recht in der Aufarbeitung der argentinischen Militärdiktatur
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
332
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3552-2
DOI
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJK HBTB JFC
BISAC-Code
HIS033000 HIS054000 SOC022000
THEMA-Code
NHK NHTB JBCC
Erscheinungsdatum
2016-08-29
Auflage
1
Themen
Recht, Kulturgeschichte, Erinnerungskultur
Adressaten
Geschichtswissenschaften, Philosophie, Konfliktforschung, Politikwissenschaften, Lateinamerikanistik sowie Praktiker_innen im Bereich der Konfliktforschung und -verarbeitung
Schlagworte
Diktatur, Vergangenheitspolitik, Aufarbeitung, Anerkennung, Argentinien, Transitional Justice, Menschenrechte, Gewalt, Macht, Geschichte, Néstor Kirchner, Kulturgeschichte, Erinnerungskultur, Recht, Südamerikanische Geschichte, Zeitgeschichte, Geschichtswissenschaft

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