Drama als Störung

Elfriede Jelineks Konzept des Sekundärdramas

»Aufstörung«, »Verstörung«, »Zerstörung« – damit wurde Jelineks dramatisches Schreiben von Beginn an belegt, ohne jedoch den Begriff der Störung zu definieren oder zu differenzieren. Ging es zunächst um die Zerstörung des bürgerlichen Dramas und Repräsentationstheaters, sucht das Sekundärdrama eine Auf- und Verstörung, ein komplexes Miteinander von Drama und »postdramatischem« Theatertext.

Ausgehend von kommunikations-, medien-, kultur-, literatur- und theaterwissenschaftlichen Ansätzen beschreibt Teresa Kovacs erstmals Jelineks Ästhetik der Störung und zeigt, was passiert, wenn Jelineks Sekundärdramen auf ihre »Vorlagen«, auf Goethes »Urfaust« und Lessings »Nathan der Weise« treffen.

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2016-08-29, 314 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3562-1

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Teresa Kovacs

Teresa Kovacs, Universität Wien, Österreich

... mit Teresa Kovacs

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Bearbeitungen sind am Theater nichts Ungewöhnliches. Das von Jelinek selbst entwickelte ›Sekundärdrama‹ allerdings ist in mehrerlei Hinsicht eine Besonderheit: Es geht über bisherige Formen der Bearbeitung und der intertextuellen Bezugnahme hinaus, indem es die gemeinsame Inszenierung mit dem zugrundeliegenden Drama fordert. Es greift damit nicht nur in einen literarischen Text ein, sondern es betrifft zugleich die Praxis des Theaters. Mir ging es darum, diese Besonderheit zu beschreiben.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch stellt die erste umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Sekundärdrama dar. Es verortet die beiden Sekundärdramen innerhalb von Jelineks dramatischem Oeuvre und stellt eine Verbindungslinie zu Brecht und Müller her. Um das Verhältnis von Drama und Sekundärdrama zu beschreiben, wird erstmals in der Jelinek-Forschung das Theorem der Störung fruchtbar gemacht, das in der Arbeit u.a. ausgehend von Serres Studie ›Der Parasit‹ näher bestimmt wird.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Ähnlich der ›Textfläche‹, die Jelinek selbst eingebracht hat und die heute für die analytische Beschreibung gegenwärtiger Theatertexte nicht mehr wegzudenken ist, beginnt das ›Sekundärdrama‹ sich als Kategorie zu etablieren, ohne dabei näher bestimmt oder reflektiert zu werden. Mein Buch geht einen anderen Weg: Es will das ›Sekundärdrama‹ gerade nicht als wissenschaftlichen Terminus etablieren, sondern wissenschaftliche Kategorisierungen wie diese kritisch befragen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich hoffe, das Buch mit Kolleg_innen aus dem Bereich der Literatur- und Theaterwissenschaft zu diskutieren, interessieren würden mich dabei auch Perspektiven aus der Goethe- und Lessing-Forschung. Darüber hinaus würde mich der Austausch mit Regisseur_innen und Dramaturg_innen reizen, die sich diesem Konzept nähern. Und Jelinek? Die würde ich gerne mit Lessing und Goethe diskutieren lassen – aber nicht über mein Buch.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das konstruktive Potential der Störung betonend, wird gezeigt, wie nachhaltig das Sekundärdrama in das Drama, den Kanon und das Theater eingreift.

»Eine ausgezeichnete kultur- und literaturwissenschaftliche Arbeit.«
Britta Kallin, Journal of Austrian Studies, 50/3-4 (2018)
»Die Relevanz dieser Arbeit für die Jelinekforschung ist unbestreitbar.«
Brigitte E. Jirku, Aussiger Beiträge, 11 (2017)
»Teresa Kovacs' Studie demonstriert auf eloquente Weise, wie Jelineks Sekundärdramen jegliches kategorische Wissen um das Prä-, Post- oder Neudramatische verunsichern.«
Inge Arteel, Germanistische Mitteilungen 43/2 (2017)
»Für jede GermanistIn, die sich mit zeitgenössischem Drama oder mit Jelinek beschäftigt, ist die vorliegende, überzeugend argumentierte Arbeit von Teresa Kovacs lesenswert. Das Buch sollte unbedingt in jeder Universitätsbibliothek stehen, denn es wird zweifellos ein Standardwerk in seinem Fachbereich darstellen.«
Maria-Regina Kecht, Women in German, 128 (2017)
»Ein Lesegenuss, weil Kovacs sehr klar und präzise formuliert, der Band sei daher allen Feministinnen – oder solchen, die es werden wollen –, die sich für Literatur, Kunst und Kultur interessieren, empfohlen.«
Katharina Pewny, WeiberDiwan, 13.07.2017
»Das Buch [dürfte sich] in der sehr regen Jelinek-Forschung rasch etablieren und zu einem Standardwerk für die Auseinandersetzung mit der noch jungen (und doch bereits historischen) Form des Sekundärdramas werden. Auch für eine literatur- und theaterwissenschaftliche Beschäftigung mit Ansätzen einer ›Ästhetik der Störung‹ dürfte die Studie einige Beachtung finden.«
Manuel Bauer, www.literaturkritik.de, 17.01.2016
Besprochen in:
Tiroler Tageszeitung, 05.10.2016
Norsk Shakespeare- und teatertidsskrift, 4 (2016)
Wiener Zeitung, 13.02.2016
Zeitschrift für Theaterpädagogik, 4 (2018), Florian Vaßen
Autor_in(nen)
Teresa Kovacs
Buchtitel
Drama als Störung Elfriede Jelineks Konzept des Sekundärdramas
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
314
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3562-1
DOI
Warengruppe
1586
BIC-Code
AN DSB
BISAC-Code
PER011020 LIT004170
THEMA-Code
ATD DSB
Erscheinungsdatum
2016-08-29
Auflage
1
Themen
Theater
Adressaten
Germanistik, Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Philosophie, Gender Studies, Regie, Dramaturgie
Schlagworte
Elfriede Jelinek, Sekundärdrama, Störung, Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, Politische Kunst, Theater, Postdramatisches Theater, Drama, Theaterwissenschaft, Germanistik

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