Im Spiegel des Geldes

Bildung und Identität in Zeiten der Ökonomisierung

Wer sich bildet, macht aus sich ein Bild Gottes. Dieses mittelalterliche Verständnis von Bildung hat in das heutige Bildungswesen wieder Einzug gehalten, allerdings mit ökonomischem Vorzeichen: Gott wurde schlicht durch Geld ersetzt. In der neoliberalen Wirtschaftsgesellschaft, in der Geld göttlichen Status erlangt hat, werden Mensch und Natur zu einer symbolischen Nachbildung des Geldes. Dabei kommt die Bildung in Zeiten des Ökonomismus perfiderweise in humanistischem Gewand daher und erweckt den trügerischen Eindruck, dass das Humboldt'sche Bildungsideal weiterhin gültig sei. Der Essay diskutiert die Genese und die fortlaufenden Selbstbeglaubigungserfordernisse unserer alles durchdringenden Geldkultur sowie die Rolle selbstbestimmter Bildung in ihr.

»Oliver Fohrmanns Buch verfolgt den Kapitalismus als Erzieher und bietet einen originellen Beitrag zur Mentalitätsgeschichte unseres Wirtschaftssystems: wie sich die Modernen zu gläubigen Wirtschaftsbürgern gebildet und in die selbstverschuldete Unmündigkeit gegenüber der Geldmacht begeben haben.« (Joseph Vogl)

19,99 € *

2016-05-30, 180 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3583-6

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Oliver Fohrmann

Oliver Fohrmann, Universität Cergy-Pontoise, Frankreich

... mit Oliver Fohrmann

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Ich möchte daran erinnern, dass Bildungsprozesse einen Eigenwert haben und nicht nur erwerbsberuflichen Zwecken dienen sollten und dass Wissenschaft mehr als Wissensmanagement sein sollte. Universitäten sollten primär weder Ausbildungsstätte noch Wissensfabriken sein, sondern intellektuelle Lebensräume bieten, in denen gesellschaftliche Debatten angestoßen werden können. Dazu sollten sie sich an einem über die Bedeutung des Geldes aufgeklärten Bildungsbegriff orientieren.

2. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen gesellschaftlichen Debatten zu?

Die Debatte um die Ökonomisierung aller Lebensbereiche wird ja nicht zuletzt auch in Bezug auf das Bildungswesen geführt. Im Grunde beobachten wir, dass sich aus dem Geiste des freien und materiell nicht gedeckten Geldes eine neue Gesellschaft zu bilden scheint. Bildungseinrichtungen aller Art spielen bei diesem neoliberalen Umbau der Gesellschaft inzwischen eine große Rolle.

3. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Postmoderne zeichnet sich dadurch aus, dass sie in vielerlei Hinsicht zur Prämoderne zurückkehrt. Das gilt auch für den Bildungsbereich. Während der moderne Bildungsbegriff weitgehend entwertet ist, bilden sich Menschen im postmodernen Bildungswesen wieder zum Bilde eines höheren Wesens. Wo früher Gott war, ist heute das Geld. Das wird oft nicht gesehen, wenn von Ökonomisierung im Bildungswesen die Rede ist. Es geht bei ihr um mehr als den Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?

Die öffentliche Diskussion neigt dazu, Rolle und Bedeutung des Geldes als rein wirtschaftliches Problem abzutun und die Relevanz für alle anderen gesellschaftlichen Bereiche zu vernachlässigen. Ökonomen tendieren andererseits dazu, die gesellschaftliche Realität zu vernachlässigen. Eine interdisziplinäre Herangehensweise soll hier Abhilfe schaffen, wobei gerade die Kulturwissenschaften sich besonders eignen, Wirtschaft und Gesellschaft besser zu verstehen.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Jede Diskussion, egal ob mit Gegnern oder Befürwortern meiner Thesen, aus der ich lernen kann und die zu Erkenntnissen führt, ist hilfreich.

6. Ihr Buch in einem Satz:

Die Geldkultur unserer Wirtschaftsgesellschaft führt dazu, dass Geldbeglaubigung zum Bildungsideal unserer Epoche wird.

Besprochen in:
duz, 10 (2016)
http://bundesfinanzportal.de, 05.10.2016
Pädagogik, 12 (2016), Jörg Schlömerkemper
Außerschulische Bildung, 4 (2017), Detmar Doering
Autor_in(nen)
Oliver Fohrmann
Buchtitel
Im Spiegel des Geldes Bildung und Identität in Zeiten der Ökonomisierung
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
180
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3583-6
DOI
10.14361/9783839435830
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC JNA
BISAC-Code
SOC022000 EDU040000 SOC041000
THEMA-Code
JBCC JNA
Erscheinungsdatum
2016-05-30
Auflage
1
Themen
Bildung, Zeitdiagnose, Wirtschaft, Kultur
Adressaten
Wirtschaftswissenschaften, Literaturwissenschaft, Bildungswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Kulturwissenschaften, Philosophie, Soziologie, Praktiker_innen aus Wirtschaft und Finanzwesen sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Bildung, Humanismus, Ökonomismus, Neoliberalismus, Ideologie, Geld, Geldkultur, Gott, Bildungsideal, Wirtschaftsgesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Kulturtheorie, Bildungstheorie, Wirtschaftssoziologie, Kulturwissenschaft

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