Gefangen in Kanada

Zur Internierung deutscher Handelsschiffsbesatzungen während des Zweiten Weltkriegs

Die Internierung deutscher Handelsschiffsbesatzungen ist ein kaum bekanntes Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Judith Kestler zeichnet erstmals nach, was deutsche Seeleute in kanadischen Lagern erlebten.

Die kulturanthropologische Arbeit leistet eine differenzierte Rekonstruktion von Internierungsbedingungen und fragt nach der Entstehung retrospektiver Deutungen. Dabei verschränkt sie systematisch die Perspektiven von Internierten, Wachen und humanitären Helfern. Auf Basis archivalischer Quellen und Interviews wird Internierung als komplexe kulturelle Praxis greifbar. Die Studie bietet nicht nur Einblicke in ein faszinierendes deutsch-kanadisches Thema, sondern auch neue Perspektiven auf Gefangenschaft als transnationalen Möglichkeitsraum.

39,99 € *

2017-02-28, 546 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3619-2

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Judith Kestler

Judith Kestler, Deutschland

... mit Judith Kestler

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Mit der Internierung deutscher Handelsschiffsbesatzungen in Kanada behandelt mein Buch einen kaum bekannten Aspekt des Zweiten Weltkriegs. Ich wollte diese Kriegserfahrung von Zivilisten in den Blickpunkt rücken und dabei die vielfältigen Facetten des Themas ausleuchten, von der individuellen biographischen Dimension der Insassen bis hin zu Fragen von Zusammenleben, Alltagsstrategien und Kulturkontakt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In meiner Studie wird Internierung nicht vom Lager aus gedacht, sondern von den kulturellen Prozessen her, die sich unweigerlich zwischen den beteiligten Akteuren abspielen. Durch diese Mikroperspektive und die Einbeziehung vieler unterschiedlicher Blickwinkel ermöglicht meine Forschung neue Bilder von Gefangenschaft und Internierung und regt zum Nachdenken über die kulturelle Dimension von Internierung an.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In vielen Geistes- und Kulturwissenschaften erfährt das Themenfeld von Gefangenschaft und Internierung derzeit vermehrt Aufmerksamkeit, wobei unterschiedliche Aspekte untersucht und diskutiert werden. In Kanada ist das Interesse an der Geschichte der Internierung im eigenen Land seit einiger Zeit stark gewachsen, und das Thema ist nicht nur im wissenschaftlichen Diskurs, sondern auch in der Öffentlichkeit zunehmend präsent – auch vor dem Hintergrund, dass temporäre Einsperrungssituationen in vielen Ländern leider derzeit wieder aktuell sind.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Wenn das Zeitreisen schon erfunden wäre: Mit Hermann Boeschenstein, der sich als Direktor der kanadischen YMCA-Kriegsgefangenenhilfe viele Jahre lang für die internierten Seeleute engagiert hat. Oder mit einem der kanadischen Lagerkommandanten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Kanada war für viele Internierte nicht nur das Land ihrer Gefangenschaft, sondern auch ein Raum der radikalen Horizonterweiterung, oft sogar ein Sehnsuchtsraum – mein Buch untersucht, wie es dazu kam.

Autor_in(nen)
Judith Kestler
Buchtitel
Gefangen in Kanada Zur Internierung deutscher Handelsschiffsbesatzungen während des Zweiten Weltkriegs
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
546
Ausstattung
kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN
978-3-8376-3619-2
DOI
10.14361/9783839436196
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD HBLW JHMC
BISAC-Code
HIS014000 HIS037070 SOC002010
THEMA-Code
NHD JHMC
Erscheinungsdatum
2017-02-28
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte
Adressaten
Volkskunde, Kulturanthropologie, Geschichtswissenschaft, Schifffahrtsgeschichte, Kanada-Studien
Schlagworte
Internierung, Kanada, Zweiter Weltkrieg, Handelsmarine, Volkskunde, Narrationsanalyse, Kriegserinnerungen, Qualitative Interviews, Gefangenschaft, Kulturgeschichte, Deutsche Geschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Kulturanthropologie, Geschichtswissenschaft

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