Verzeihen, Versöhnen, Vergessen

Soziologische Perspektiven

Das Thema »Verzeihen« wird in den Human- und Sozialwissenschaften viel diskutiert. Es kann als eine universale, anthropologische Konstante des menschlichen Zusammenlebens aufgefasst werden, die ihre Allgemeingültigkeit an die Fehlbarkeit von Menschen knüpft. Doch trotz seiner großen Reichweite ist das Verzeihen in der Soziologie eher wenig beachtet worden.

Anhand zahlreicher historischer Beispiele von Gesellschaften, die von einer schweren Humankatastrophe getroffen wurden, stellen die Beiträger_innen die Unverzichtbarkeit dieser Kategorie für die Sozialtheorie heraus und betonen das bislang kaum systematisch ausgedeutete gesellschaftsfundierende Potenzial des Verzeihens.

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2018-09-13, 268 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3651-2

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Takemitsu Morikawa

Takemitsu Morikawa, Keio University (Tokio), Japan

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Das Verzeihen ist als Thema in der Soziologie seit langem vernachlässigt. Dabei kann es als eine universale anthropologische Konstante des menschlichen Zusammenlebens aufgefasst werden, die ihre Allgemeingültigkeit an die Fehlbarkeit des Menschen knüpft. Der Band bietet einen weiten, aber systematischen Überblick über den Themenkomplex von Versöhnen und Vergessen – von der Sozial- und Gesellschaftstheorie bis hin zu Analysen der aktuellen Lage in Ex-Jugoslawien, in Ruanda und Ostdeutschland.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Verzeihen beobachte ich als Grenzphänomen in der sozialen Welt. Sofern die soziale Welt sinnhaft aufgebaut ist und sofern die Soziologie den Sinnbegriff analog zum Sinn eines hergestellten Dings begreift und die soziale Interaktion gemäß der Tauschlogik auffasst, bleibt die eigentliche Bedeutung des Verzeihens verdeckt. Mit den Worten Hannah Arendts erscheint Verzeihen wie ein Wunder in den Augen des Homo Faber. Die Problematik des Verzeihens kann uns zu einem neuen Denkparadigma führen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In der globalen Welt nimmt die Zahl ethnischer, religiöser und politischer Konflikte, oft von Gewalttaten begleitet, seit Jahren nicht ab, sondern zu. Sofern die Menschen gemäß der Tauschlogik denken und handeln, führt ein Konflikt zum nächsten, führt eine Gewalttat zur nächsten. Mir scheint es dringend nötig, sich weiter mit der Problematik des Verzeihens auseinanderzusetzen und über dessen Bedeutung und Möglichkeiten jenseits der Realpolitik zu diskutieren.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Hannah Arendt und Jacques Derrida. Beide sind zwar schon verstorben, jedoch wäre dieses Buch nicht möglich gewesen ohne intellektuelle Anstöße dieser beiden großen Denker des 20. Jahrhunderts, die über die destruktive Wirkung der Moderne gründlich nachdachten. Unter den noch Lebenden nenne ich den praktischen deutschen Philosophen Klaus-Michael Kodalle. Wie die Beiträge von Frau Gerl-Falkovitz und Joachim Fischer in diesem Band zeigen, kann die Soziologie immer noch viel von der Philosophie lernen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Der Sammelband lässt sich als erster Schritt in ein der Soziologie noch unbekanntes Thementerrain jenseits ihrer bisherigen Denktradition verstehen.

Autor_in(nen)
Takemitsu Morikawa (Hg.)
Buchtitel
Verzeihen, Versöhnen, Vergessen Soziologische Perspektiven
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
268
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3651-2
DOI
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFC
BISAC-Code
SOC022000
THEMA-Code
JBCC
Erscheinungsdatum
2018-09-13
Auflage
1
Themen
Sozialität, Erinnerungskultur
Adressaten
Soziologie, Philosophie, Politologie, Geschichte, Theologie, Psychologie, Rechtswissenschaft
Schlagworte
Verzeihen, Versöhnen, Erinnerungskultur, Sozialtheorie, Kulturvergleich, Gesellschaft, Humankatastrophe, Sozialität, Kultursoziologie, Soziologische Theorie, Soziologie

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