Die Produktion der Katastrophe

Das Tunguska-Ereignis und die Programme der Moderne

Die gigantische Explosion, die am 30. Juni 1908 weite Teile der sibirischen Tunguska-Region verwüstete, ist eine der verheerendsten Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Ihre Zerstörungskraft lässt sich jedoch nicht in Zahlen ausdrücken. Das katastrophische Potenzial des Tunguska-Ereignisses liegt vielmehr in seiner beharrlichen Rätselhaftigkeit. Das Fehlen einer haltbaren Erklärung erschüttert die moderne Wissensproduktion in ihren Grundfesten.

Solvejg Nitzkes Analyse des Tunguska-Diskurses, der wissenschaftliche, parawissenschaftliche und literarische Texte umfasst, zeigt nicht nur die Grenzen zentraler Programme der Moderne auf, sondern öffnet nicht zuletzt auch den Blick für die Möglichkeiten kulturwissenschaftlicher Forschung.

36,99 € *

2017-05-02, 358 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3657-4

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Solvejg Nitzke

Solvejg Nitzke, Technische Universität Dresden, Deutschland

... mit Solvejg Nitzke

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Seit über hundert Jahren wird über das Tunguska-Ereignis spekuliert und doch existiert noch keine kulturwissenschaftliche Untersuchung zu dem Thema. Dabei drängt es sich geradezu auf, wenn man sich für die Frage danach interessiert, wie Wissen überhaupt zustande kommt und welche Rolle das Erzählen dabei spielt. Die Wechselwirkungen und Konkurrenzkämpfe zwischen Wissenschaft, Parawissenschaft und öffentlicher Wahrnehmung und ihre Beziehung zur Literatur lassen sich an kaum einem anderen Thema so gut beobachten.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die kulturwissenschaftliche Ausrichtung des Buches erlaubt es, verschiedenste Texte zu vergleichen, ohne sie von Vornherein zu hierarchisieren. Das ist selten möglich – vor allem, wenn man vermeiden will, generelle Skepsis gegenüber den Wissenschaften zu nähren. In »Die Produktion der Katastrophe« wird das Tunguska-Ereignis doppelt zum Gegenstand: als Ereignis mit (potenziell) katastrophalen Folgen und als Gegenstand der Lust am Mysteriösen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Fragen, die hier anhand des Tunguska-Ereignisses gestellt werden, lassen sich auf viele andere Bereiche übertragen. Insbesondere dort, wo der ›eigentliche‹ Gegenstand nicht unmittelbar greifbar ist – z.B. im Bezug auf die Klimawandeldebatte – herrschen letztlich ähnliche Bedingungen wie in der Tunguska-Forschung. Das Buch trägt dazu bei, solche komplexen Debatten als kulturelles Phänomen verstehbar zu machen und das Zusammenspiel derart unterschiedlicher Akteure zu untersuchen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Vertreter_innen aus Natur- und Geisteswissenschaft, da es in beiden Bereichen an Austausch mit der ›anderen Seite‹ mangelt. Das Buch kann hier eine Diskussion anregen, die weder ›Science‹ durch ›Fiction‹ zu erklären versucht, noch umgekehrt. Ebenso hoffe ich aber auch auf Diskussionen mit Menschen, die sich nicht als Wissenschaftler verstehen. Die Debatte über die Produktion und den Einsatz von Wissen, sowie die Frage danach, wer darüber verfügt, muss heute mehr denn je öffentlich geführt werden.

5. Ihr Buch in einem Satz:

»Die Produktion der Katastrophe« zeigt, wie Wissen entstehen kann, wo es keine greifbaren Fakten gibt.

»Am stärksten ist die Arbeit dort, wo Nitzke wissenschaftstheoretisch argumentiert.
Es gelingt ihr zu zeigen, wie eminent eindrücklich sich das Tunguska-Ereignis als Echolot moderner Verfasstheit interpretieren lässt.«
Stephanie Heimgartner, Komparatistik, Jahrbuch 2017
»Die Einblicke in das Verhältnis von Natur und Kultur, zu denen uns die Autorin mit Blick auf das Tunguska-Ereignis verhilft, [sind] derart erhellend, dass sich abschließend festhalten lässt: Hätte das Ereignis nicht stattgehabt, man müsste es erfinden.«
Patrick Stoffel, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte, 40/4 (2017)
»Ein außerordentlich dichter Text, der in seiner Lesart eines Konkurrenzkampfes von Wissens-Ordnungen mit dem Tunguska-Ereignis ein sehr anschauliches und dankbares Beispiel behandelt. Das Versprechen des einleitenden Satzes, dieses Buch solle ›nicht zur Aufklärung des Tunguska-Ereignisses beitragen‹, wird im besten Sinne erfüllt, wenn sich das Nicht-Wissen als das produktivste Element des Diskurses zeigt.«
Silvia Boide, KULT_online, 28.07.2017
Autor_in(nen)
Solvejg Nitzke
Buchtitel
Die Produktion der Katastrophe Das Tunguska-Ereignis und die Programme der Moderne
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
358
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3657-4
DOI
10.14361/9783839436578
Warengruppe
1562
BIC-Code
DSB JFC JFCA
BISAC-Code
LIT000000 SOC022000
THEMA-Code
DSB JBCC JBCC1
Erscheinungsdatum
2017-05-02
Auflage
1
Themen
Kultur, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Science Studies
Schlagworte
Wissenschaft, Katastrophe, Science Fiction, Rätsel, Verschwörungstheorie, Tunguska, Tunguska-Ereignis, Moderne, Wissensproduktion, Sibirien, Explosion, Literatur, Kultur, Allgemeine Literaturwissenschaft, Kulturtheorie, Popkultur, Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft

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