Vom Zeichen zur Szene

Der Diskurs der Bedeutungsproduktion in Präsenzgesellschaften

Seit Saussure wird die Verbindung einer Vorstellung mit einem Lautbild »Zeichen« genannt. Um uns die abstrakte Form dieser Verbindung verständlich zu machen, stellt Saussure eine visuelle Szene dar: Er zeichnet einen Baum über das Schriftbild »Baum« und trennt die Relation durch eine horizontale Linie. Um die Darstellung zeichnet er eine Ellipse und fügt zwei Pfeile hinzu, die anzeigen, dass die Verweisung umkehrbar ist. Seine Vorgehensweise verdeutlicht den Prozess der Inszenierung in Mediengesellschaften, die mit Präsenzzeichen handeln, ohne die Abstraktion technisierter Praxis vermitteln zu müssen.

Mit Saussures Darstellung beginnt eine Systematik wissenschaftlicher Zeichendefinition, die vor allem der französische Strukturalismus variantenreich ausformuliert hat.

Die in diesem Band versammelten Vorlesungen zeichnen die Problem- und Diskursgeschichte einer Semiologie des 20. Jahrhunderts nach – bis hin zur handlungstheoretischen Rückbesinnung; als Systemtheorien werden die strukturalen Positionen der Semiologie wieder in Handlungsmuster aufgelöst, um die Kluft zwischen kybernetischen und sinnlichen Vollzügen szenisch zu übersetzen.

36,99 € *

2017-01-06, 204 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3836-3

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Ralf Bohn

Ralf Bohn FH Dortmund, Deutschland

... mit Ralf Bohn

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Vielfach wird der französische Poststrukturalismus noch als Epoche der Gegenwart behandelt. Durch die Einführung performativer Sichtweisen sind die zeichentheoretischen Bezugnahmen unter dem Einfluss dynamischer Mediensysteme erweitert worden. Ein Dialog ist unter dem Verweis auf die Problembegriffe ›Bewusstsein‹, ›Subjekt‹ und ›Geschichte‹ kaum erfolgt. In dieser Hinsicht will das Buch unter dem Paradigma der Szene die Probleme benennen und die systemtheoretischen Lösungsoptionen entwickeln.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die poststrukturalistische, immer noch auf Schrift und Sprache fixierte Position wird auf solche der performativen Kommunikation und erweiterten Mediennutzung angewandt. Dabei wird gezeigt, dass die semiologische Ebene in die soziologische handlungstheoretische überführt werden kann, dass letztere aber den Vorteil hat, den Medienbegriff auf interagierende Körper- und Leibprozesse auszudehnen und die Diskursfixierung unter dem Begriff der ›Inszenierung‹ aufzuheben.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Im Umfeld aktueller szenografischer Theorien wird häufig auf semiologische Begrifflichkeit mit Hinweis auf de Saussure und Peirce zurückgegriffen. Julia Kristeva und Roland Barthes haben schon in den 1960er Jahren auf Positionen der Ereignishaftigkeit und der Performativität hingewiesen, die es unmöglich machen, Zeichenprozesse vollständig zu erfassen. Die Bedeutung der Arbeit liegt in der Ableitung des Übergangs der ›performativen Wende‹ aus den Grundproblemen der frühen Linguistik.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den Denkern der Postmoderne und solchen, die sich der klassischen Semiologie und Linguistik verpflichtet sehen. Und mit solchen Zeitgenossen, die ahnen, dass neben der Schrift- und Sprachfixiertheit eine informationstechnologische Simulationsindustrie Sprachform und Handlungsform menschlicher Beziehungen hat ununterscheidbar werden lassen. Ich würde gerne mit Urbanisten, Designern, Politikern, Informatikern über die Möglichkeit der Unterscheidung und Übersetzung diskutieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch rekonstruiert den historischen Übergang von strukturalen Zeichentheorien zu performativen Systemtheorien unter dem Begriff ›Inszenierung‹.

Autor_in(nen)
Ralf Bohn
Buchtitel
Vom Zeichen zur Szene Der Diskurs der Bedeutungsproduktion in Präsenzgesellschaften
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
204
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3836-3
DOI
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC JFD
BISAC-Code
SOC022000 SOC052000
THEMA-Code
JBCC JBCT
Erscheinungsdatum
2017-01-06
Auflage
1
Themen
Kultur, Medien
Adressaten
Semiologie, Philosophie, Linguistik, Kulturwissenschaften, Theaterwissenschaften, Design, Szenografie
Schlagworte
Semiologie, Medien, Politik, Philosophie, Kultur, Linguistik, Szenografie, Strukturalismus, Systemtheorie, Hermeneutik, Gadamer, Sartre, Saussure, Wissensproduktion, Handlungstheorie, Kulturtheorie, Medientheorie, Kulturwissenschaft

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