Im Namen der Gesundheit

Gesundheitsförderung an Schulen zwischen Disziplinierung und Ermächtigung. Eine soziologische Studie

Was bedeutet Gesundheitsförderung in der Institution Schule? Welche gesellschaftlichen Diskurse über Gesundheit kommen dabei zum Tragen?

Simone Suter zeigt, wie unterschiedlich Lehrpersonen den Auftrag, Gesundheit zu fördern, deuten und umsetzen. Die Interventionen im Namen der Gesundheitsförderung reichen von Disziplinierung und Paternalismus über die Ermächtigung der Heranwachsenden bis zum Versuch struktureller Veränderungen. Die soziologische Studie deckt die Paradoxien des Gesundheitsbegriffs auf und macht die Ambivalenzen der Norm einer gesundheitsorientierten Lebensführung sichtbar. Trägt die Schule zur Etablierung eines Zwangs zum Gesundsein bei?

39,99 € *

2017-03-30, 380 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3886-8

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Simone Suter

Simone Suter, Pädagogische Hochschule Bern, Schweiz

... mit Simone Suter

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Viele Menschen in den Industrieländern beschäftigen sich sehr intensiv mit der Förderung ihrer Gesundheit. Die Chancen, ›gesund‹ leben zu können, sind aber ungleich verteilt, ebenso die Risiken, krank zu werden. Ich wollte untersuchen, welchen Auftrag zur Gesundheitsförderung die Schulen wahrnehmen und wie ihn Lehrpersonen umsetzen. Ich stelle die Frage, ob es sinnvoll ist, dass die Schule auf die Lebensführung der Schüler_innen einwirkt und ob sich dies mit dem Bildungsauftrag vereinbaren lässt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Den gängigen Gesundheitsförderungsdiskurs, dem die Gesundheitsdefinition der WHO zugrunde liegt, unterziehe ich einer kritischen Analyse. Dabei zeigt sich eine Tendenz, die Verantwortung den einzelnen Menschen aufzubürden und Gesundheit nicht als gesellschaftspolitische Aufgabe zu sehen. Die Logik des Diskurses spiegelt sich in der Bandbreite, in der Lehrpersonen den Auftrag zur Gesundheitsförderung verstehen: Sie reicht von Disziplinierung, der Vermittlung von Normen der Lebensführung über ermächtigende Ansätze bis hin zum Versuch, gesellschaftliche Strukturen zu verändern.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Gesundheitsförderung, die auf die Einzelnen zielt, lässt sich einfügen in Forschungen auf der Basis von Foucaults Konzept der Bio-Politik. Wenn die Schule diesen Auftrag unhinterfragt übernimmt, trägt sie zur Verinnerlichung von ›Selbst-Technologien‹ bei. Die Übernahme dieses Auftrags führt zu Spannungen im Arbeitsbündnis zwischen Lehrperson und Schüler_innen und tangiert somit pädagogische Professionalität. Schliesslich steht auch die Rolle der Soziologie im Aufstieg der Gesundheitsförderung ab den 1980er Jahren zur Debatte.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Zum Beispiel mit Reinhold Hedtke, Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Universität Bielefeld. Bezogen auf politische Bildung stellt er fest, dass sozialwissenschaftliche Befunde nicht ausreichend berücksichtigt werden. Das von vielen Fachdidaktiker_innen verfolgte Ziel der Aktivierung im Sinne politischer Partizipation trägt tendenziell sozialtechnokratische Züge mit paradoxen Effekten. Vergleichbares lässt sich zur Gesundheitsförderung an Schulen feststellen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die soziologische Studie deckt die Paradoxien des Gesundheitsbegriffs auf und zeigt die Ambivalenzen der Norm einer gesundheitsorientierten Lebensführung, mit der die Schule zur Etablierung eines Zwangs zum Gesundsein beitragen kann.

»In Bezug auf den Informationsgehalt gewinnbringend.
Lohnend ist die Lektüre für all diejenigen, die an der kritischen Auseinandersetzung mit der WHO-Version von Gesundheit und ihrer Förderung interessiert sind.«
Hans Günther Homfeldt, www.socialnet.de, 27.07.2017
Besprochen in:
www.infodienst.bzga.de, 5 (2017)
Pro Pflege, 18.05.2017, Werner Schell
www.bvpraevention.de, 12.06.2017, Ann-Cathrin Hellwig
BZgA-InfoDienst Migration, 3 (2017)
Dr. med. Mabuse, 230 (2017)
https://bazonline.ch, 30.08.2017, Simon Knopf
Autor_in(nen)
Simone Suter
Buchtitel
Im Namen der Gesundheit Gesundheitsförderung an Schulen zwischen Disziplinierung und Ermächtigung. Eine soziologische Studie
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
380
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3886-8
DOI
10.14361/9783839438862
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFH MBS JNA
BISAC-Code
SOC057000 EDU040000 SOC026000 EDU036000
THEMA-Code
JBFN MBS JNA
Erscheinungsdatum
2017-03-30
Auflage
1
Themen
Medizin, Bildung
Adressaten
Soziologie, Erziehungswissenschaften, Gesundheitswissenschaften sowie Lehrpersonen, Angestellte der Gesundheitsdienste/-ämter mit Auftrag Gesundheitsförderung und Expert_innen aus dem Bereich Public Health
Schlagworte
Gesundheit, Gesundheitsdiskurs, Biopolitik, Soziale Ungleichheit, Gesundheitsförderung, Schule, Medizin, Bildung, Medizinsoziologie, Organisationssoziologie, Pädagogik, Bildungssoziologie, Soziologie, Bildungsforschung

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung