Zur kommerziellen Normalisierung illegaler Migration

Akteure in der Agrarindustrie von Almería, Spanien

Illegale Arbeitsmärkte gelten als skandalöse und vermeintlich irreguläre Ausnahmeerscheinungen. In seiner Ethnografie der Treibhausindustrie von Almería zeichnet Felix Hoffmann die Taktiken und Strategien illegalisierter Menschen nach, ihre Existenz zu stabilisieren und sich durch Arbeit in den Treibhäusern Legalität wortwörtlich zu verdienen. Er zeigt, wie hier alltagspraktische Normalisierungsprozesse postkolonialer Arbeitsteilung längst gesetzlich normiert sind. Die Studie fokussiert die prekäre Normalität der neoliberalen Produktion des »Illegalen« und lässt »Normalität« als ein Begriffsfeld, in dem das Politische immer wieder neutralisiert wird, emanzipative Bedeutung erlangen.

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2017-06-06, 296 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3925-4

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Felix Hoffmann

Felix Hoffmann, Freie Universität Berlin, Deutschland

... mit Felix Hoffmann

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

In den letzten Jahrzehnten gab es wohl kaum noch Menschen in Europa, die nicht schon einmal Produkte aus Almería konsumiert haben. Gemüse also, das oftmals durch die Hände illegalisierter oder gar kriminalisierter Menschen gegangen ist. Postkoloniale Arbeitsteilung ist jedoch prekäre ›Normalität‹ vielerorts in- und außerhalb Europas. Almería ist hierfür ein gutes Beispiel, weil viele glauben, was dort praktiziert wird, sei etwas Besonderes. Es ist dort jedoch nur besonders offensichtlich.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Afrikanische Migration wird in Europa immer noch in kolonial-rassistischen Elendsklischees diskutiert. In Almería bin ich demgegenüber ganz ›normalen‹ Menschen begegnet. Global betrachtet müsste vielmehr die so selbstverständlich erscheinende Fraglosigkeit europäischer Privilegien als ›unnormal‹ betrachtet werden. Ich hoffe, das Buch ermöglicht mit diesem Perspektivwechsel gerade weißen Europäer_innen eine Form der Selbstreflexion, die zur Solidarisierung mit meinen Gesprächspartnern einlädt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In der Migrationsforschung selbst wird Migration immer wieder als problematische Ausnahme gegenüber dem Sesshaften produziert. Das eigentliche Problem ist hier die diskursive Denormalisierung zunächst einmal zeitloser Phänomene, die es dann auf politischer Ebene erlaubt, Migrant_innen einem prekären Sonderstatus zuzuordnen. Ich weise demgegenüber darauf hin, das solcherlei Besonderungen längst einer legal normierten Normalisierung, mit dem Ziel ihrer kommerziellen Nutzbarmachung unterliegen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Wichtig wäre wohl, meine gelegentlichen Gespräche mit Pegida-Sympathisant_innen diskursstrategisch zu konzeptualisieren: Ganz undramatisch von letztlich ganz ›normalen‹ Strategien und Taktiken ganz ›normaler‹ Menschen zu berichten, scheint zumindest eine teilweise Solidarisierung geradezu zu erzwingen. Am liebsten jedoch, würde ich meine Arbeit mit Achille Mbembe diskutieren. In »On the Postcolony« hat er mit nicht wenigen meiner hartnäckigsten Afrikaphantasien aufgeräumt.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Frei nach Roland Barthes: Vom Mythos der ›Normalität‹ der bürgerlichen ›Normalität‹.

»Diese ethnografische Grenzregimenanalyse ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was kritische Migrationsforschung leisten kann: Nämlich nicht nur die herausfordernde Analyse der sozialen und politischen Verhältnisse, sondern eben auch in Hinblick auf politische Intervention.«
Laura Otto, MiGAZIN, 13.04.2018
»Die vorliegende Studie überzeugt durch die Nähe, die der Autor zu seinen Gesprächspartnern gewinnt, auch [durch] die Reflexionen seiner eigenen Rolle dabei.«
Wolfgang Berg, Forum Politikunterricht, 27.07.2017
Autor_in(nen)
Felix Hoffmann
Buchtitel
Zur kommerziellen Normalisierung illegaler Migration Akteure in der Agrarindustrie von Almería, Spanien
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
296
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-3925-4
DOI
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFN JHBL
BISAC-Code
SOC007000 SOC026000
THEMA-Code
JBFH JHBL
Erscheinungsdatum
2017-06-06
Auflage
1
Themen
Rassismus, Postkolonialismus, Europa, Soziale Ungleichheit, Migration, Arbeit
Adressaten
Illegalität, Migrationsforschung, Grenzregimeforschung, Postkoloniale Arbeitsteilung, Rassismusforschung, Arbeitsmarktforschung, Neoliberalismus, Ethnografie, Kultur- und Sozialanthropologie, Kulturwissenschaften, Soziologie, Europastudien
Schlagworte
Migration, Illegalität, Arbeit, Normalität, Almería, Agrarindustrie, Europa, Arbeits- und Industriesoziologie, Soziologie, Ethnografie, Neoliberalismus, Globalisierung, Postkolonialismus

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