Textil & Raum

Visuelle Poetologien in Gustave Flauberts Madame Bovary

Madame Bovary (1857) ist nicht nur die Geschichte einer stickenden Heldin, die sich mit Romanlektüren, mit Text und Bild, buchstäblich vergiftet. Gustave Flaubert inszeniert seine Protagonistin auch in Anspielung auf berühmte Handarbeiterinnen wie Homers Penelope, Ovids Arachne und die Heilige Maria. Dabei werden nun die geschlossenen (Garten-)Räume bedeutsam, in denen diese Frauenfiguren in Kunst und Literatur klassischerweise gezeigt werden.

Kathrin Fehringers Studie zeichnet nach, wie der Autor – in seinem eigenen Inklusorium bei Rouen schreibend – sein Erzählen ebenfalls als textile Handarbeit versteht und sich damit in seiner Heldin selbst zu erkennen gibt. In meisterhafter Ironie setzt er sich, konfrontiert mit einer durch neue Reproduktionsverfahren hervorgerufenen Flut von Bildern, in seinem »Buch über nichts«, wie er berühmterweise sagte, mit der Moderne auseinander.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seite 1
  2. Editorial

    Seiten 2 - 4
  3. Inhalt

    Seiten 5 - 8
  4. Flauberts »images«: Schreiben im Heterotop

    Seiten 9 - 34
  5. Madame Bovary: Industrialisierung und textile Diskurse

    Vorbilder

    Seiten 35 - 51
  6. »La couleur normande« im Zeichen des Textilhandels

    Seiten 51 - 65
  7. »Normandismes«: Madame Bovary und La Revue de Paris

    Seiten 66 - 74
  8. Textile Räume

    Textiles Objekt und Raum: Vier Madame Bovary

    Seiten 75 - 96
  9. Textile Handarbeit als Ereignis

    Seiten 97 - 114
  10. Gartengeschichten: Genesis, Hohelied, Hortus conclusus

    Seiten 115 - 128
  11. Textile Handarbeit. Textanalysen

    Die Jungfrau: Das Marienleben des Jakobus

    Seiten 129 - 150
  12. Das Burgfräulein: Mittelalterliche Minne und aufgelöste Fäden

    Seiten 150 - 161
  13. Original und Bildkopie: Fontanes Effi Briest

    Seiten 162 - 188
  14. (Bilder-)Geschichten. Madame Bovary

    Madame Bovary, Teil I: Klosterschülerin, Jungfrau, Braut

    Seiten 189 - 238
  15. Madame Bovary, Teil II: Ehefrau, Ehebrecherin

    Seiten 238 - 270
  16. Gartenräume

    Yonville als Gartenraum

    Seiten 271 - 280
  17. Gartenraum und Landschaft

    Seiten 280 - 286
  18. Locus amoenus und Apuleius' Amor und Psyche

    Seiten 286 - 306
  19. Locus terribilis: Balzacs »Pension bourgeoise«

    Seiten 307 - 315
  20. Zwei Zeichnungen von Yonville

    Seiten 315 - 328
  21. Textiles Erzählen

    Bildergeschichten als Gewebe

    Seiten 329 - 342
  22. Die Spektakularität des Textilen

    Seiten 342 - 356
  23. Hand und Oberfläche

    Seiten 356 - 378
  24. Spinne und Mumienhand

    Seiten 379 - 384
  25. Dank

    Seiten 385 - 386
  26. Siglen

    Seiten 387 - 388
  27. Literatur

    Seiten 389 - 412
  28. Abbildungsnachweise

    Seiten 413 - 416
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44,99 € *

2017-07-27, 416 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3930-8

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Kathrin Fehringer

Kathrin Fehringer, Universität Erfurt, Deutschland

... mit Kathrin Fehringer

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Tatsächlich wollte ich ursprünglich ein Buch zu Balzac schreiben. Doch in ›Madame Bovary‹ hat mich sodann die Frage gepackt, was es mit den Textilien der Heldin auf sich hat. Stoffe und Handarbeit in diesem Roman wurden bis dato meist als bürgerliches Dekor abgetan – aber bei Flaubert liegen die Dinge selten so einfach. Als sich dann eine ausgeklügelte Raumkonzeption in Anschluss an die Marienikonographie auftat, hat mein Buch eine hochinteressante Wendung in Richtung der aktuellen Raumforschung bekommen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

›Madame Bovary‹ ist einer der meist interpretierten Texte der französischen Literaturgeschichte. So war es spannend für mich, dem Roman noch neue Aspekte abgewinnen zu können: hinsichtlich aktueller Überlegungen zu Raum, hinsichtlich Flauberts eigenem textilen Schreiben und schließlich hinsichtlich seines sehr komplexen Umgangs mit Bildern, den Flaubert³schen images. Dieser wird aktuell (insbesondere in Frankreich) stark beforscht, allerdings meines Erachtens dort mit noch unbefriedigenden Ergebnissen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In den letzten Jahren wurde ›Madame Bovary‹ wiederentdeckt, in Deutschland durch Relektüren insbesondere von Barbara Vinken und Edi Zollinger. Ich denke hier nicht nur weiter, sondern ziehe für meine eigenen Ideen sehr aktuelle, interdisziplinäre Forschungsinteressen heran: Die neuen Perspektiven der Raumforschung und insbesondere der literaturwissenschaftlichen Kulturtechnikforschung (in Anschluss an den Anthropologen Tim Ingold) hat mir eine ganz neue Perspektive auf ›Madame Bovary‹ erlaubt.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Umberto Eco, dessen theoretische und essayistische Arbeiten ich unheimlich anregend finde, der jedoch leider nicht mehr am Leben ist.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine Wieder- und Neuentdeckung des vielgelesenen Klassikers ›Madame Bovary‹, die Gustave Flauberts innovativem Schreiben mit einem neuen – vielleicht mutigen – Blick auf aktuelle interdisziplinäre Forschungsansätzen nachspürt und dabei komplexe Zusammenhänge zwischen Literatur und Kunst, Text und Bild, Provinzroman und Moderne freilegt.

Besprochen in:
Sociopoétique, 2 (2017), Alain Montandon
Vier Viertel Kult, Frühling (2019)
Autor_in(nen)
Kathrin Fehringer
Buchtitel
Textil & Raum Visuelle Poetologien in Gustave Flauberts Madame Bovary
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
416
Ausstattung
kart., Klebebindung, 1 SW-Abbildung, 9 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-3930-8
DOI
Warengruppe
1566
BIC-Code
DSB
BISAC-Code
LIT004150 LIT000000
THEMA-Code
DSB
Erscheinungsdatum
2017-07-27
Auflage
1
Themen
Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Religionswissenschaft, Kunstwissenschaft, Philosophie, Ideengeschichte, Kulturtechnik, Soziologie
Schlagworte
Literatur, Medien, Raum, Gustave Flaubert, Madame Bovary, Textil, Französische Literatur, Allgemeine Literaturwissenschaft, Literaturwissenschaft

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