Materielle Spuren des nationalsozialistischen Terrors

Zu einer Archäologie der Zeitgeschichte

Nur noch wenige Zeitzeug_innen können über die Zustände in den Lagern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Auskunft geben. Das Archivmaterial ist – gerade bei kleineren Einrichtungen wie den KZ-Außenlagern und Zwangsarbeitslagern – oft unergiebig. Doch ihre Spuren sind überall in Mitteleuropa auffindbar. Was erzählen diese materiellen Überbleibsel?

Archäologie ist ein weitgehend ungenutztes Werkzeug, um dieser Frage nachzugehen. Am Beispiel von Ausgrabungsfunden auf dem Tempelhofer Flugfeld in Berlin zeigt Reinhard Bernbeck detailliert, was eine solche »Archäologie der Moderne« leisten kann, wo ihre Grenzen liegen und wie sie sich in eine umstrittene »Erinnerungskultur« einfügt.

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2017-12-06, 520 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3967-4

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Reinhard Bernbeck

Reinhard Bernbeck, Freie Universität Berlin, Deutschland

... mit Reinhard Bernbeck

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Nur noch wenige Zeugen und Zeuginnen, die die Lager des Nationalsozialismus überlebten, können heute über Lebensbedingungen an diesen Orten Auskunft geben. Eine Quelle aus diesen Zeiten ist allerdings bislang nur spärlich und unsystematisch befragt worden: die materiellen Überreste. Nach dem Zweiten Weltkrieg dem Vergessen anheim gegeben, verschüttete und überbaute man sie. Heute sind daraus archäologische Fundplätze geworden. Dieses Buch gibt Auskunft über deren Auswertungspotenziale und Probleme.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Geschichtsschreibung der NS-Zeit hat die Evidenz der materiellen Reste bislang weitgehend vernachlässigt. Während ein allgemeines Bewusstsein über die unmenschlichen Bedingungen existiert, unter denen die Opfer des Nationalsozialismus leben mussten, führen die materiellen Hinterlassenschaften an konkreten Orten zu überraschenden neuen Details und Einsichten, stellen aber auch viele neue, bislang nicht beantwortbare Fragen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Diskussion der Dinglichkeit der Nazi-Lager ist für Geschichtswissenschaft, Archäologie und Museologie gleichermaßen innovativ. Archäologie dringt bislang wenig in die Moderne vor, Geschichtswissenschaft vernachlässigt die Materialität des Historischen und die Museologie bleibt zu sehr im Deskriptiven stecken. Die Reflexionen sind ein Beitrag zum materiality turn, ohne methodisch angelegt zu sein. Vielmehr ist sein Kern die Frage nach dem menschlichen Leiden und seiner Unvergänglichkeit.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Die Kernaussagen dieses Buchs würde ich am liebsten, besonders derzeit, mit denjenigen diskutieren, die immer wieder die Verbrechen der Nazis in Frage stellen wollen und sich auf mangelnde Evidenz berufen. Die dingliche Erinnerung hat etwas Unwiderlegbar-Anschauliches an sich, was den Archiven und dem daraus entstehenden historischen Diskurs zum Teil abgeht. Natürlich sind Diskussionen mit Studierenden der historisch-archäologischen Fächer ebenfalls interessant.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Archäologie ist in der Neuzeit angekommen; sie findet Spuren menschlichen Leidens und Handelns, wo andere Wissenschaften versagen.

»Empfehlenswert ist dieses Buch zum einen für ZeithistorikerInnen, die neue Diskussionsanregungen für Studien zur NS-Herrschaft und Einblicke in die umfangreichen Möglichkeiten der derzeit wachsenden Archäologie der Moderne erhalten wollen. Zum anderen ist das Buch lesenswert für historische ArchäologInnen, welche die methodische und theoretische Diskussion bei der archäologischen Erforschung des Nationalsozialismus vertiefen möchten.«
Attila Dézsi, H-Soz-u-Kult, 23.03.2018
O-Ton: »Die Geschichte der Moderne ist eine der Gewalt und Katastrophen« – Reinhard Bernbeck im Interview bei L.I.S.A. – Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung am 13.03.2018.
http://bit.ly/2p8FeSp
O-Ton: »Wo Gegenstände sprechen lernen« – Reinhard Bernbeck im Interview bei der Deutschen Welle am 13.01.2018.
http://bit.ly/2HZ9MkG
Besprochen in:
Der Tagesspiegel, 07.02.2018, Astrid Herbold
Autor_in(nen)
Reinhard Bernbeck
Buchtitel
Materielle Spuren des nationalsozialistischen Terrors Zu einer Archäologie der Zeitgeschichte
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
520
Ausstattung
kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN
978-3-8376-3967-4
DOI
10.14361/9783839439678
Warengruppe
1559
BIC-Code
HBTB HBLW3 JFC
BISAC-Code
HIS054000 HIS037070 SOC022000
THEMA-Code
NHTB JBCC
Erscheinungsdatum
2017-12-06
Auflage
1
Themen
Kultur, Kulturgeschichte, Zeitgeschichte
Adressaten
Archäologie, Neuzeit-Geschichte, Museologie, Tourismusforschung, Geschichtswissenschaft
Schlagworte
Nationalsozialismus, Materielle Kultur, NS-Terror, NS-Lager, KZ, Zwangsarbeitslager, Archäologie, Ausgrabungen, Drittes Reich, Tempelhof, Moderne, Kulturgeschichte, Zeitgeschichte, Kultur, Kulturtheorie, Kulturwissenschaft, Geschichtswissenschaft

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