Schattenorte in Belfast

Stadterneuerung nach dem Ende des Nordirlandkonflikts

Innerstaatliche Konflikte prägen Städte und hinterlassen räumliche Spuren, die über die Beilegung hinaus wahrnehmbar bleiben. Diese Orte werden Schattenorte genannt – ihre Neuentwicklung ist häufig langwierig und schmerzhaft. In Belfast wird dies noch 20 Jahre nach dem Ende des Nordirlandkonflikts im Rahmen vieler Stadterneuerungsvorhaben deutlich.

Henriette Bertram zeigt: Schattenorte sind aufgrund ihrer historischen Symbolik umstritten. Bei der Neuentwicklung entsteht Dissonanz zwischen den ehemaligen Konfliktparteien, aber auch zwischen denjenigen Akteur_innen, die eine schnellstmögliche Normalisierung anstreben, und denjenigen, die der Erinnerung an den Konflikt mehr Raum geben möchten.

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2017-12-15, 412 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4153-0

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Henriette Bertram

Henriette Bertram, Universität Kassel, Deutschland

... mit Henriette Bertram

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Der Nordirlandkonflikt hat Belfast räumlich und sozial stark geprägt. Auch heute, 20 Jahre nach der Beilegung und trotz eines radikalen Imagewandels, bleibt der Konflikt für viele Menschen allgegenwärtig. Im aktuellen stadtpolitischen Diskurs kommen die vom Konflikt geprägten Orte allerdings kaum vor. Die Frage nach dem Umgang mit ›schwierigen‹ Vergangenheiten und ihren Orten ist jedoch nicht nur in Belfast interessant, sondern beschäftigt Gesellschaft und Wissenschaft überall auf der Welt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es wird deutlich, wie stark der Wunsch nach ›Normalisierung‹ von Orten und ihrer Bedeutung nach dem Ende eines langanhaltenden innerstaatlichen Konflikts ist – nicht nur bei den verantwortlichen Akteur_innen in Politik und Planung, sondern auch bei vielen Bewohner_innen. Diese Logik des ›Nach-vorne-Schauens‹ ist in Belfast hegemonial und verhindert an vielen Stellen eine kritische Auseinandersetzung mit der jüngsten Geschichte.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Ich verknüpfe Debatten aus den Kulturwissenschaften, der Stadtsoziologie, der Friedens- und Konfliktforschung und der Planungswissenschaft zu einem transdisziplinären Analyserahmen für den Umgang mit Schattenorten. Dieser ermöglicht ein besseres Verständnis für die Entstehung von lokaler Erinnerungskultur in Post-Konflikt-Städten, als es die jeweiligen Fächer einzeln vermögen. Insgesamt sind Post-Konflikt-Städte und ihre Dynamiken in der deutschsprachigen Forschungsliteratur noch kaum repräsentiert.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit meinen Interviewpartner_innen in Belfast, deren Erfahrungen und Einschätzungen das Herzstück meiner Forschung darstellen und das Buch besonders lesenswert machen. Allgemeiner gesprochen mit Menschen, die sich mit Erinnerungskultur und Stadtentwicklung in Post-Konflikt-Kontexten beschäftigen oder an der Neunutzung von konfliktbehafteten Orten nach einem politisch-gesellschaftlichen Umbruch beteiligt sind.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch bringt Ansätze aus verschiedenen Disziplinen zusammen und zeigt, wie stark die Logik der ›Normalisierung‹ den Umgang mit Schattenorten (nicht nur) in Belfast beeinflusst.

Autor_in(nen)
Henriette Bertram
Buchtitel
Schattenorte in Belfast Stadterneuerung nach dem Ende des Nordirlandkonflikts
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
412
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-4153-0
DOI
Warengruppe
1725
BIC-Code
JFSG RPC
BISAC-Code
SOC026030 POL002000
THEMA-Code
JBSD RPC
Erscheinungsdatum
2017-12-15
Auflage
1
Themen
Raum, Gewalt, Erinnerungskultur, Stadt, Kulturgeschichte
Adressaten
Sozialwissenschaften, Stadtforschung, Planungswissenschaften, Friedens- und Konfliktforschung sowie Praktiker_innen im Bereich Stadtplanung und Friedenskonsolidierung
Schlagworte
Kollektive Erinnerung, Postkonflikt, Heritage, Belfast, Raum, Diskursanalyse, Stadt, Erinnerungskultur, Urban Studies, Stadtplanung, Soziologie

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