Migrantisch, weiblich, prekär?

Über prekäre Selbständigkeiten in der Berliner Friseurbranche

Mit ca. 2.500 eingetragenen Salons ist die Friseurbranche in Berlin mit Abstand die größte in Deutschland. Die bisherige Forschung zur Migrant_innenökonomie und zu Frauen in der Selbständigkeit hat die Branchenanalyse vernachlässigt, weshalb gruppenabhängige Untersuchungen häufig zu Zuschreibungen von Merkmalen geführt haben, die die Gruppen als besonders und separiert von den anderen herausgearbeitet haben.

In ihrer Forschung zur Selbständigkeit in der Berliner Friseurbranche zeigt Özlem Yildiz mithilfe eines vergleichenden Mixed-method-Ansatzes, dass Akteure desselben Feldes ähnlich agieren – unabhängig von migrantischen und weiblichen Zuschreibungen.

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2017-11-10, 318 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4157-8

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Özlem Yildiz

Özlem Yildiz, Berlin, Deutschland

... mit Özlem Yildiz

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Bisherige Studien beschäftigten sich doch eher mit Frauen der Mehrheitsgesellschaft in der Selbständigkeit oder mit migrantischen Männern. Es existieren nur wenige Studien zu migrantischen Frauen in der Selbständigkeit. Auch die Friseurbranche wurde in wissenschaftlichen Studien bisher kaum betrachtet. Ein letzter und entscheidender Punkt meiner Arbeit ist die vergleichende Ausrichtung, d.h. Deutsche, Türkeistämmige sowie Frauen und Männer werden miteinander verglichen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Zunächst einmal wird klar, dass durch die Branchenperspektive Akteure gar nicht mehr so unterschiedlich zueinander agieren, wie es bisher die Merkmale des migrantischen Unternehmertums herausgestellt hatten. Es zeigte sich auch, dass türkeistämmige Frauen sich von den normativen Erfolgsfaktoren abkoppeln und nach ihrer subjektiven Wahrnehmung zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf kommen und die Prekarisierung weniger ›fühlen‹.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Es zeigt, dass Studien aufgrund verschiedener Faktoren zu tendenziösen Resultaten führen können. Denn die Ausklammerung eines mixed-method Ansatzes, der Branchenbetrachtung und des Vergleichs der größten Gruppen einer Branche miteinander führt dazu, dass Gruppen als ›weniger erfolgreich‹ dargestellt werden. Auch die Ausrichtung an den normativen (männlich generierten) Erfolgsfaktoren führen dazu, dass im Vergleich Frauen und Migrant_innen stets als ›weniger erfolgreich‹ dargestellt werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich denke, ich hatte sehr viel Glück, denn ich durfte mein Buch (die Dissertation) mit zwei hervorragenden Wissenschaftlerinnen besprechen: Felicitas Hillmann (Migrant_innenökonomie) und Claudia Gather (Gender und Selbständigkeit). Ich hatte sehr befruchtende Gespräche, die mich prägten. Gleichermaßen darf ich regelmäßig meine Arbeit mit türkeistämmigen Unternehmerinnen besprechen, die ich sehr schätze.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es zeigt, dass normative Erfolgsfaktoren nicht immer zielführend sind und bisherige ›nicht erfolgreiche‹ Gruppen Zufriedenheit ausstrahlen können.

Besprochen in:
Überblick, 1 (2018)
Autor_in(nen)
Özlem Yildiz
Buchtitel
Migrantisch, weiblich, prekär? Über prekäre Selbständigkeiten in der Berliner Friseurbranche
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
318
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-4157-8
DOI
10.14361/9783839441572
Warengruppe
1724
BIC-Code
JHBL JFFN
BISAC-Code
SOC026000 SOC007000
THEMA-Code
JHBL JBFH
Erscheinungsdatum
2017-11-10
Auflage
1
Themen
Migration, Arbeit
Adressaten
Soziologie, Sozialgeographie, Anthropologie, Gender Studies, Wirtschaftswissenschaften, Arbeitsmarktforschung
Schlagworte
Friseurbranche, Frauen, Migrant_innen, Unternehmertum, Berufliche Selbständigkeit, Prekarität, Berlin, Branchenanalyse, Qualitative Sozialforschung, Arbeit, Migration, Arbeits- und Industriesoziologie, Gender Studies, Soziologie

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