Entwurfsforschung im Landschaftsurbanismus

Eine Weiterentwicklung des »Landscape Urbanism«

Kann landschaftsurbanistisches Entwerfen im Prozess der Herstellung von Objekten auch Erkenntnisse und Wissen hervorbringen?

Durch die Reflexion von Wettbewerbsentwürfen, die er federführend erarbeitet hat, legt Jorg Sieweke den diesen Arbeiten immanenten Natur- und Landschaftsbegriff offen. Die Erarbeitung dieser zunächst verborgenen »gemeinsamen Nenner« wird zur Basis einer Kritik des Natur- und Landschaftsverständnisses der Moderne genutzt. Die Studie schließt an den angelsächsischen Landscape Urbanism-Diskurs an und stellt die introspektive Methode als legitimes Mittel der Forschung vor.

ca. 34,99 € *

2018-10-27, ca. 200 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4166-0

Dieser Artikel erscheint am 27. Oktober 2018

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Jorg Sieweke

Jorg Sieweke, University of Virginia, USA

... mit Jorg Sieweke

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Das ursprüngliche konzeptionelle Versprechen des ›Landscape Urbanismus‹ als eines kritischen und ganzheitlichen Entwurfsansatzes scheint von einer methodischen Innovation zu einer oberflächlichen Stildebatte zu verkommen. Gleichzeitig zirkuliert die Behauptung der Wissensproduktion durch die Praxis des Entwerfens. Mit dieser Arbeit soll anhand der Reflexion spezifischer Entwurfspraxis die Bedeutung des Entwurfs als Synthese und ihr Mehrwert an Erkenntnis expliziert werden. Eine systematische Reflexion des Entwerfens durch Entwerfer selbst ist rar, aber aufgrund des zu bergenden impliziten Wissens nützlich. Da in der ›reinen‹ Wissenschaft Introspektion als unzulässig gilt und in der Praxis dazu keine Zeit bleibt, betritt dieses Buch somit methodisch wie thematisch Neuland für das Entwerfen urbaner Landschaften im Kontext heterogener Wissenschaftskulturen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Der Arbeitstitel ›Vergegenwärtigung‹ verweist auf die immanente Wissensproduktion als wesentliches Nebenprodukt eines Entwurfsprozesses im sich erst konstituierenden Bereich der Entwurfswissenschaften. Die konzeptionellen Aspekte des Entwurfs jenseits der Schaffung formaler Aspekte werden dabei als gemeinsamer Nenner herausgestellt. In der Diskussion der Projekte wird eine kritische Agenda gegenüber der Moderne insbesondere hinsichtlich ihres redundanten Naturbegriffs sichtbar. Implizite Paradigmen der Moderne werden so nachvollziehbar und Motive ihrer Überwindung am Beispiel der Entwürfe diskutiert. Die Entwürfe bauen Brücken zwischen den objektiven Anforderungen an zeitgenössische Landschaften und subjektiven, kulturellen Konzeptionen von Natur und Landschaft, sowie der Kontingenzbewältigung durch die Entwürfe. Es entsteht ein retroaktives Manifest zeitgenössischer Landschaftsarchitektur.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Es bietet einerseits Einsichten in den sich verändernden Landschaftsbegriff als Ausdruck unseres ebenfalls veränderten Verhältnisses zwischen Kultur und Natur. Anderseits wird das Entwerfen als eine synthetische Kompetenz und generalistische, zeitgenössische und notwendige Disziplin heraus gestellt. Mit der Arbeit wird in einer Reihe von Anwendungsbeispielen der Mehrwert durch die Verknüpfung offener disziplinärer Enden deutlich. Die gezielte Adressierung marginalisierter Aspekte wird als Agenda erkennbar und veranschaulicht an einer Reihe von Beispielen den aktuellen Diskurs um Subjekte und Objekte.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Michel Serres über seine Konzeption des ›Naturvertrags‹ als Erweiterung und Weiterentwicklung Rousseaus Gesellschaftsvertrags durch die Emanzipierung von Natursubjekten als Rechtssubjekte. Mit Timothy Morton über seine radikale Neubewertung von Ökologie nach der Natur (ecology without nature) und mit Matthew Gandy als Vertreter kritischer Geographie, um die Fallstudien der Entwürfe gegen ihre Konzepte zu testen. Ich habe diese Themen bereits im Rahmen des Anthropozän Projekts am Haus der Kulturen der Welt als Beitrag zur Konzeption eines Curriculums für ein neues Selbstverständnis von Kultur und Natur eingebracht. Außerdem sind Aspekte dieser Arbeit bereits in der Niederländischen Architektur Biennale 2014 ›urban-by-nature‹ in die Agenda sowie einzelne Ausstellungsbeiträge eingeflossen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Beiträge zur gegenwärtigen Entwurfsforschung sowie Natur- und Landschaftskonzepte durch reflexives Entwerfen: Der kritische Generalist ist der Spezialist des Anthropozäns.

Autor_in(nen)
Jorg Sieweke
Buchtitel
Entwurfsforschung im Landschaftsurbanismus Eine Weiterentwicklung des »Landscape Urbanism«
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 200
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-4166-0
Warengruppe
1584
BIC-Code
AM RPC AK
BISAC-Code
ARC010000 POL002000 DES008000
THEMA-Code
AM RPC AK
Erscheinungsdatum
2018-10-27
Auflage
1
Themen
Raum, Architektur, Design
Adressaten
(Landschafts-)Architektur, Landschaftsplanung, Städtebau und -planung sowie Praktiker_innen der Architektur
Schlagworte
Entwurfsforschung, Natura Naturans, Naturbegriff, Introspektion, Modernekritik, Wettbewerbswesen, Landschaftsurbanismus, Methodenentwicklung, Architektur, Raum, Design, Stadtplanung

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